Ammoniak in wässriger Lösung einfach erklärt: Eigenschaften
Erklärvideo – jetzt freischalten
Hast du schon einmal an einer Flasche mit Haarfärbemittel oder einem sehr starken Fensterreiniger gerochen und bist fast zurückgeschreckt? Dieser extrem stechende Geruch stammt von einem ganz bestimmten Stoff: Ammoniak.

Ammoniak ist nicht nur für seinen Geruch bekannt, sondern auch für eine fast schon magische Eigenschaft: Es löst sich so extrem gut in Wasser, dass es dabei sogar Wasser nach oben saugen kann. In dieser Lektion schauen wir uns die Eigenschaften und Reaktionen von Ammoniak in wässriger Lösung an, wie dieses Molekül aufgebaut ist und warum es aus normalem Wasser eine alkalische Lösung (Lauge) macht.
Schnellantwort
Ammoniak () ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das sich extrem gut in Wasser löst. Dabei reagiert es als Protonenakzeptor mit dem Wasser (Protonendonator), wodurch eine alkalische Lösung mit Hydroxid-Ionen () und Ammoniumionen () entsteht.
Vorwissen
- Dipol-Moleküle: Moleküle, die wie ein kleiner Magnet einen leicht positiven und einen leicht negativen Pol haben. Beispiel: Das Wassermolekül () ist ein Dipol.
- Ionen: Elektrisch geladene Teilchen. Beispiel: Natriumchlorid besteht aus positiv geladenen -Ionen und negativ geladenen -Ionen.
- Alkalische Lösungen (Laugen): Wässrige Lösungen, die sich seifig anfühlen und bestimmte Farbstoffe verfärben. Regel: Sie enthalten immer negativ geladene Hydroxid-Ionen ().
Aufgabentyp 1: Struktur und physikalische Eigenschaften von Ammoniak
Um die Eigenschaften und Reaktionen von Ammoniak in wässriger Lösung zu verstehen, betrachten wir zuerst den Aufbau. Ammoniak ist bei Raumtemperatur ein farbloses Gas mit einem sehr stechenden Geruch. Seine chemische Formel lautet . Das bedeutet, es besteht aus einem Stickstoffatom (N) und drei Wasserstoffatomen (H).
Wenn wir uns das Molekül stark vergrößert ansehen, liegen diese Atome nicht flach nebeneinander. Das Stickstoffatom sitzt oben und die drei Wasserstoffatome bilden darunter ein Dreieck. Das Molekül sieht aus wie eine kleine Pyramide. Chemiker nennen diese Form trigonal-pyramidal.

In diesem Molekül zieht das Stickstoffatom die Elektronen der Bindungen stärker zu sich heran als die Wasserstoffatome. Dadurch wird die Spitze der Pyramide (das N-Atom) leicht negativ und die Basis (die H-Atome) leicht positiv. Wegen dieser unsymmetrischen Ladungsverteilung ist das Ammoniakmolekül ein Dipol – es hat zwei unterschiedliche Pole, fast wie ein kleiner Magnet.
Weil Wassermoleküle ebenfalls Dipole sind, ziehen sich Ammoniak und Wasser gegenseitig extrem stark an. Der leicht negative Pol des einen Moleküls zieht den leicht positiven Pol des anderen an. Diese starken Verbindungen nennt man Wasserstoffbrückenbindungen.

Durch diese Wasserstoffbrücken klammern sich die Ammoniakmoleküle regelrecht an das Wasser. Das erklärt die extreme Wasserlöslichkeit: In nur einem einzigen Liter Wasser bei Raumtemperatur können sich etwa 700 Liter Ammoniakgas lösen!
Der Ammoniak-Springbrunnen
Zweck: Sichtbarmachen der extremen Wasserlöslichkeit von Ammoniak und der Entstehung einer alkalischen Lösung.
Materialien: Ein Rundkolben gefüllt mit Ammoniakgas, ein Becherglas mit Wasser, einige Tropfen Phenolphthalein (ein Farbstoff, der sich in alkalischen Lösungen pink färbt), ein Glasrohr, eine kleine Spritze mit etwas Wasser.
⚠️ Sicherheitshinweis: Ammoniakgas ist giftig beim Einatmen und ätzend. Das Experiment darf nur vom Lehrer unter einem Abzug durchgeführt werden. Schutzbrille tragen!
Durchführung:
- Das Wasser im Becherglas wird mit dem Farbstoff Phenolphthalein gemischt (es bleibt farblos).
- Der mit Ammoniakgas gefüllte Kolben wird kopfüber über dem Becherglas befestigt. Das Glasrohr verbindet beide Gefäße.
- Mit der Spritze wird ein einziger, winziger Spritzer Wasser in den oberen Kolben gespritzt.
Beobachtung: Sofort schießt das Wasser aus dem unteren Becherglas durch das Rohr nach oben in den Kolben wie ein Springbrunnen. Sobald das Wasser im oberen Kolben ankommt, färbt es sich leuchtend pink.

Erklärung: Das gesamte Ammoniakgas im Kolben löst sich blitzschnell in dem winzigen ersten Wasserspritzer. Dadurch verschwindet das Gas, und es entsteht ein starker Unterdruck (ein Vakuum), der das restliche Wasser nach oben saugt. Die pinke Farbe beweist, dass das Wasser nun eine alkalische Lösung ist.
Aufgabentyp 2: Reaktion von Ammoniak mit Wasser
Hier betrachten wir die chemische Ebene der Eigenschaften und Reaktionen von Ammoniak in wässriger Lösung. Warum färbt sich das Wasser im Springbrunnen pink? Wenn sich Ammoniak in Wasser löst, passiert mehr als nur eine Vermischung. Es findet eine chemische Reaktion statt, bei der Teilchen ausgetauscht werden.
Das Wassermolekül () besitzt Wasserstoffatome. Wenn ein Ammoniakmolekül () nah genug herankommt, reißt es dem Wasser ein positiv geladenes Wasserstoffteilchen weg. Ein solches Wasserstoffteilchen nennt man auch Proton ().
- Das Wasser gibt das Proton ab. Es ist der Protonendonator (Spender).
- Das Ammoniak nimmt das Proton auf. Es ist der Protonenakzeptor (Empfänger).

Schauen wir uns die chemische Gleichung an. Wir markieren das wandernde Proton farblich:
Da und ein zusammen ergeben, schreiben wir die Gleichung normalerweise so:
Was ist entstanden?
- Hydroxid-Ionen (): Diese Ionen sind der Grund, warum die Lösung nun alkalisch ist (und der Farbstoff pink wird).
- Ammoniumionen (): Das ist das Ammoniak, nachdem es das Proton aufgenommen hat.
Wichtig: Nur ein sehr kleiner Teil des Ammoniaks reagiert auf diese Weise mit dem Wasser. Der allergrößte Teil schwimmt einfach als gelöstes -Gas im Wasser herum. Wenn du eine Flasche mit Ammoniaklösung (auch „Ammoniakwasser“ genannt) offen stehen lässt, entweicht dieses Gas langsam wieder in die Luft – deshalb riecht die Lösung so stark!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Ausgangsstoffe notieren: Schreibe die Formeln für Wasser () und Ammoniak () auf die linke Seite des Reaktionspfeils.
- Donator und Akzeptor bestimmen: Merke dir: Wasser ist der Protonendonator (gibt ab). Ammoniak ist der Protonenakzeptor (nimmt auf).
- Produkte bilden: Nimm gedanklich ein vom Wasser weg. Aus wird . Klebe dieses an das Ammoniak. Aus wird . Schreibe diese Produkte auf die rechte Seite.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Stelle die chemische Reaktionsgleichung für das Lösen von Ammoniak in Wasser auf. Benenne dabei explizit den Protonendonator und den Protonenakzeptor.
- Schritt 1Ausgangsstoffe notieren
Die Ausgangsstoffe sind Wasser () und Ammoniak ().
- Schritt 2Donator und Akzeptor bestimmen
- Protonendonator: Wasser ()
- Protonenakzeptor: Ammoniak ()
- Schritt 3 · ErgebnisProdukte bilden
Wasser gibt ein ab und wird zu . Ammoniak nimmt das auf und wird zu . Die fertige Gleichung lautet:
Die Reaktionsgleichung lautet , wobei Wasser der Protonendonator und Ammoniak der Protonenakzeptor ist.
Quiz zu Ammoniak in wässriger Lösung: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Ammoniak in wässriger Lösung und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Ammoniak in wässriger Lösung
Wie ist ein Dipol-Molekül aufgebaut?
Quizfrage 2 zu Ammoniak in wässriger Lösung
Nur mit AccountWelche Form hat das Ammoniakmolekül?
Übungsaufgabe zu Ammoniak in wässriger Lösung
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- Eigenschaften: Ammoniak () ist ein farbloses, stechend riechendes Gas.
- Löslichkeit: Es löst sich extrem gut in Wasser, weil die polaren Moleküle untereinander Wasserstoffbrücken bilden.
- Reaktion: In Wasser reagiert Ammoniak als Protonenakzeptor. Wasser fungiert als Protonendonator.
- Ergebnis: Es entstehen Hydroxid-Ionen () und Ammoniumionen (). Die Lösung ist alkalisch.
- Gleichung:
Stell deine eigene Aufgabe zu „Ammoniak in wässriger Lösung einfach erklärt: Eigenschaften“
Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.
Häufige Fragen
Was ist Ammoniak in wässriger Lösung?
Wenn sich das Gas Ammoniak in Wasser löst, entsteht eine wässrige Lösung, die auch Ammoniakwasser genannt wird. Dabei reagiert ein kleiner Teil des Ammoniaks mit dem Wasser zu Ammoniumionen und Hydroxid-Ionen, weshalb die Lösung alkalisch ist und sich seifig anfühlt.
Warum löst sich Ammoniak so gut in Wasser?
Ammoniakmoleküle und Wassermoleküle sind beides Dipole. Das bedeutet, sie haben leicht positiv und leicht negativ geladene Enden. Diese ziehen sich gegenseitig extrem stark an und bilden sogenannte Wasserstoffbrückenbindungen, wodurch sich bis zu 700 Liter Ammoniakgas in einem Liter Wasser lösen können.
Wie reagiert Ammoniak mit Wasser?
Bei der Reaktion fungiert Wasser als Protonendonator und gibt ein Wasserstoffteilchen (Proton) ab. Ammoniak wirkt als Protonenakzeptor und nimmt dieses auf. Es entstehen positiv geladene Ammoniumionen und negativ geladene Hydroxid-Ionen, welche die Lösung alkalisch machen.
Weiter lernen
Chemie nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Chemie-Themen