Chromatografie einfach erklärt: Prinzip, Aufbau & Beispiele
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Ist dir schon einmal aus Versehen Wasser auf einen geschriebenen Brief oder eine Zeichnung getropft? Vielleicht hast du dabei bemerkt, dass die schwarze Tinte plötzlich verläuft und sich in einen Regenbogen aus verschiedenen Farben verwandelt.

Schwarz ist nämlich oft gar nicht einfach nur schwarz, sondern ein cleveres Gemisch aus vielen bunten Farben! In dieser Lektion lernen wir, wie Chemiker einen genialen Trick namens Chromatografie nutzen, um genau solche Gemische in ihre einzelnen Bestandteile zu zerlegen und unsichtbare Stoffe sichtbar zu machen.
Vorwissen
- Reinstoffe: Bestehen aus nur einer einzigen Art von Teilchen. Beispiel: Reines Wasser enthält nur Wasserteilchen.
- Gemische: Bestehen aus mehreren verschiedenen Stoffen, die miteinander vermischt sind. Beispiel: Salzwasser ist ein Gemisch aus Wasser und Salz. Auch schwarze Tinte ist ein Gemisch aus verschiedenen Farbstoffen.
Aufgabentyp 1: Prinzip und Aufbau der Chromatografie
Die Chromatografie ist ein Trennverfahren, mit dem Chemiker Gemische in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen. Bei diesem Verfahren gibt es immer zwei wichtige Gegenspieler:
- Die stationäre Phase: Das ist die unbewegliche Oberfläche, zum Beispiel ein Streifen Papier.
- Die mobile Phase (auch Fließmittel oder Lösungsmittel genannt): Das ist eine Flüssigkeit, die sich bewegt und an dem Papier hochsteigt.

Wenn wir ein Gemisch auf das Papier geben und es in die Flüssigkeit stellen, saugt sich das Papier voll. Die mobile Phase wandert nach oben und nimmt die Teilchen des Gemischs mit. Jetzt passiert der eigentliche Trick: Die verschiedenen Teilchen haften unterschiedlich stark an der stationären Phase. Dieses Anhaften nennen Chemiker Adsorption.

- Stoffe, die nur schwach an der stationären Phase haften, werden von der mobilen Phase leicht mitgerissen. Sie wandern schnell und weit nach oben.
- Stoffe, die stark an der stationären Phase haften, bleiben eher kleben. Sie wandern langsam und nicht so weit.
Der Vorgang wird gestoppt, kurz bevor die Flüssigkeit den oberen Rand des Papiers erreicht. So haben sich die Stoffe auf dem Papier wie bei einem Wettrennen verteilt.
Wie baut man so ein Experiment im Labor richtig auf? Zuerst wird die Probe in etwas Flüssigkeit gelöst. Dann wird sie als kleiner Punkt auf eine Startlinie im unteren Bereich des Chromatografiestreifens aufgetragen und getrocknet. Anschließend wird der Streifen in ein verschließbares Glas gestellt. Dieses Glas nennt man Trennkammer. Auf dem Boden der Kammer befindet sich das Fließmittel. Wichtig ist, dass die Startlinie mit der Probe nicht direkt in die Flüssigkeit eintaucht, sonst würde die Probe einfach weggewaschen werden!
Es gibt verschiedene Arten der Chromatografie:
- Papierchromatografie: Hier nutzt man spezielles Filterpapier als stationäre Phase.
- Dünnschichtchromatografie (DC): Hier nutzt man eine feste Platte (z. B. aus Glas oder Kunststoff), die mit einer hauchdünnen Schicht aus einem feinen Pulver (wie Kieselgel oder Cellulose) überzogen ist. Das ist oft genauer und schneller als Papier.
Farbenspiel mit dem schwarzen Stift (Experiment)
Zweck: Wir trennen die Farben eines schwarzen Filzstifts, um zu beweisen, dass schwarze Tinte ein Gemisch ist.
Materialien: 1 Streifen Filterpapier, 1 schwarzer wasserlöslicher Filzstift, 1 Becherglas (Trennkammer), etwas Wasser (Fließmittel), 1 Bleistift.
⚠️ Sicherheitshinweis: Auch wenn wir hier nur mit Wasser und Stiften arbeiten, darf im Chemieraum niemals aus den Gläsern getrunken werden.
Vorgehen:
- Zeichne mit dem Bleistift eine Startlinie etwa 2 cm vom unteren Rand des Papiers.
- Mache mit dem schwarzen Filzstift einen dicken Punkt auf die Mitte der Startlinie.
- Fülle das Becherglas mit etwa 1 cm Wasser.
- Stelle das Papier aufrecht in das Glas. Das Wasser darf den schwarzen Punkt nicht berühren!

- Warte, bis das Wasser fast den oberen Rand des Papiers erreicht hat, und nimm es dann heraus.
Beobachtung: Das Wasser zieht im Papier nach oben. Der schwarze Punkt wandert mit und teilt sich in verschiedene Farben auf (z. B. Gelb, Rot und Blau). Die blaue Farbe wandert meist am höchsten.

Erklärung: Die schwarze Tinte ist ein Gemisch. Die blaue Farbe haftet schwächer an der stationären Phase (Papier) als die gelbe Farbe und wird deshalb von der mobilen Phase (Wasser) weiter nach oben getragen.
Aufgabentyp 2: Einen unbekannten Stoff identifizieren
Wenn man herausfinden will, welcher Stoff in einer Probe steckt, trägt man neben der unbekannten Probe einen bekannten Stoff (eine Referenzsubstanz) auf dieselbe Startlinie auf. Wenn beide Stoffe nach dem Versuch auf dem Streifen exakt die gleiche Höhe erreicht haben, handelt es sich um denselben Stoff!
Manchmal sind die Stoffe, die man trennt, für das menschliche Auge unsichtbar (farblos). In diesem Fall besprüht man den Streifen am Ende mit einem speziellen Nachweisreagenz. Das ist eine Chemikalie, die mit den unsichtbaren Flecken reagiert und sie bunt färbt, damit man sie sehen und auswerten kann.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung: Zeichne eine Startlinie mit Bleistift. Trage die unbekannte Probe und direkt daneben die bekannten Referenzstoffe als kleine Punkte auf.
- Chromatografie durchführen: Stelle den Streifen in die Trennkammer mit dem Fließmittel. Warte, bis das Fließmittel fast oben angekommen ist, und nimm den Streifen heraus.
- Laufhöhen vergleichen: Vergleiche, wie weit die Flecken gewandert sind. Flecken, die auf der exakt gleichen Höhe liegen und die gleiche Farbe haben, gehören zum selben Stoff.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Ein Erpresserbrief wurde mit einem grünen Filzstift geschrieben. Die Polizei findet bei Verdächtigem A einen grünen Stift (Stift A) und bei Verdächtigem B einen anderen grünen Stift (Stift B). Beschreibe, wie die Polizei mit einer Papierchromatografie herausfinden kann, welcher Stift für den Brief verwendet wurde.
- Schritt 1Vorbereitung
Die Polizei löst etwas Farbe vom Erpresserbrief und tropft sie auf die Startlinie eines Filterpapiers. Daneben macht sie einen Punkt mit Stift A und einen weiteren Punkt mit Stift B.
- Schritt 2Chromatografie durchführen
Das Papier wird in eine Trennkammer mit einem Fließmittel gestellt. Das Fließmittel wandert nach oben und trennt die grünen Farben in ihre Bestandteile (z. B. in blaue und gelbe Flecken).

Chromatografie der Stifte - Schritt 3 · ErgebnisLaufhöhen vergleichen
Die Polizei vergleicht die entstandenen Farbmuster. Wenn das Muster und die Laufhöhen der Farbe vom Brief exakt mit dem Muster von Stift A übereinstimmen, ist bewiesen, dass Stift A für den Brief verwendet wurde.
Durch den Vergleich der Laufhöhen und Farbmuster kann die Polizei den verwendeten Stift eindeutig identifizieren.
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Quizfrage 1 zu Chromatografie
Was ist ein Merkmal von Gemischen nach der Definition im Text?
Quizfrage 2 zu Chromatografie
Nur mit AccountWelche Funktion hat die mobile Phase bei der Chromatografie?
Übungsaufgabe zu Chromatografie
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- Die Chromatografie ist ein Trennverfahren für Gemische.
- Die mobile Phase (Fließmittel) bewegt sich, die stationäre Phase (z. B. Papier) steht still.
- Die Trennung funktioniert, weil Stoffe unterschiedlich stark an der stationären Phase haften (Adsorption).
- Unbekannte Stoffe werden identifiziert, indem man prüft, ob sie die exakt gleiche Laufhöhe wie ein bekannter Referenzstoff erreichen.
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Häufige Fragen
Was ist die Chromatografie?
Die Chromatografie ist ein chemisches Trennverfahren, mit dem sich Stoffgemische in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen lassen. Sie wird genutzt, um herauszufinden, aus welchen Reinstoffen ein Gemisch (wie zum Beispiel schwarze Tinte) besteht.
Was ist der Unterschied zwischen der mobilen und der stationären Phase?
Die stationäre Phase (z. B. Papier) ist unbeweglich und hält die Teilchen fest. Die mobile Phase (das Fließmittel) ist eine Flüssigkeit, die sich bewegt und die Stoffe mit sich zieht. Je nachdem, wie stark ein Stoff an der stationären Phase haftet, wandert er schneller oder langsamer mit der mobilen Phase mit.
Wie funktioniert die Papierchromatografie?
Bei der Papierchromatografie wird ein spezielles Filterpapier als stationäre Phase genutzt. Ein Stoffgemisch wird auf eine Startlinie aufgetragen und das Papier in ein Lösungsmittel (mobile Phase) gestellt. Das Lösungsmittel steigt auf und trennt die Stoffe anhand ihrer unterschiedlichen Haftung auf dem Papier.
Was bedeutet Adsorption in der Chemie?
Adsorption beschreibt das Anhaften von Teilchen an einer festen Oberfläche. In der Chromatografie haften die verschiedenen Bestandteile eines Gemischs unterschiedlich stark an der stationären Phase an, wodurch sie sich beim Aufsteigen der mobilen Phase voneinander trennen.
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