Destillation und fraktionierte Destillation einfach erklärt
Erklärvideo – jetzt freischalten
In der Chemie ist die Destillation und fraktionierte Destillation ein unverzichtbares Trennverfahren. Stell dir vor, du hast versehentlich zwei Flüssigkeiten zusammengeschüttet. Wenn du Sand und Wasser mischst, kannst du den Sand einfach mit einem Filter herausfiltern. Aber was machst du, wenn sich zwei Flüssigkeiten komplett miteinander vermischt haben und ein Filter völlig nutzlos ist?

Genau hier kommt ein genialer Trick aus der Chemie ins Spiel: Wir nutzen Hitze! In dieser Lektion lernst du, wie man Flüssigkeiten durch Kochen und Abkühlen wieder voneinander trennen kann und was dabei mit den unsichtbaren kleinen Teilchen passiert.
Vorwissen
-
Siedetemperatur: Die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit anfängt zu kochen und zu einem Gas wird.
Beispiel: Wasser kocht bei .
-
Verdampfen und Kondensieren: Verdampfen ist der Wechsel von flüssig zu gasförmig. Kondensieren ist der umgekehrte Weg (gasförmig zu flüssig).
Beispiel: Wenn heißer Wasserdampf auf einen kalten Spiegel trifft, bilden sich wieder flüssige Wassertropfen (Kondensation).
-
Teilchenmodell: Alle Stoffe bestehen aus winzigen Teilchen.
Beispiel: In einer Flüssigkeit bewegen sich die Teilchen dicht aneinander vorbei, in einem Gas fliegen sie weit voneinander entfernt frei herum.
Aufgabentyp 1: Vorhersage und Ablauf einer Destillation
Um Destillationsprozesse richtig vorherzusagen, musst du das Prinzip der einfachen und fraktionierten Destillation im Detail verstehen. Die Destillation ist ein Trennverfahren für flüssige Gemische. Sie funktioniert, weil verschiedene Flüssigkeiten bei unterschiedlichen Temperaturen kochen (sieden). Ein Stoff, der bei einer niedrigen Temperatur kocht, wird als 'flüchtig' bezeichnet.
Stell dir vor, wir haben ein Gemisch aus Alkohol (Siedetemperatur ) und Wasser (Siedetemperatur ). Wenn wir dieses Gemisch langsam erhitzen, erreicht es zuerst die . Der Alkohol beginnt zu verdampfen, während das Wasser größtenteils noch flüssig bleibt. Der Alkoholdampf steigt auf, wird in ein kaltes Rohr geleitet, kühlt dort ab und kondensiert wieder zu einer Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit tropft am Ende in ein neues Gefäß.

Merksatz: Durch Destillation können Gemische aus Flüssigkeiten umso besser getrennt werden, je weiter deren Siedetemperaturen auseinander liegen.
Es gibt jedoch eine wichtige Grenze: Selbst wenn du sehr langsam und vorsichtig erhitzt, verdampft immer auch ein kleines bisschen Wasser mit. Daher ist es in einem einzigen Schritt unmöglich, Alkohol und Wasser vollständig zu trennen. Das aufgefangene Destillat ist immer noch ein Gemisch, aber es ist nun stark mit dem flüchtigeren Alkohol angereichert. Dieses Prinzip wird zum Beispiel genutzt, um aus einer vergorenen Weinlösung hochprozentigen Branntwein herzustellen.
Warum verdampft der Alkohol eigentlich früher als das Wasser? Um das zu verstehen, müssen wir uns die Flüssigkeit stark vergrößert im Teilchenmodell ansehen.
Zwischen allen Teilchen in einer Flüssigkeit wirken unsichtbare Anziehungskräfte, die sie wie kleine Magnete zusammenhalten. Der Unterschied ist: Die Anziehungskräfte zwischen den Alkoholteilchen sind viel schwächer als die starken Anziehungskräfte zwischen den Wasserteilchen.
Weil die Alkoholteilchen nicht so stark aneinander festhalten, können sie sich schon bei niedrigeren Temperaturen voneinander losreißen und in die Gasphase entkommen. Die Wasserteilchen halten sich hingegen so stark fest, dass sie erst bei höheren Temperaturen in nennenswertem Umfang in die Gasphase übergehen.

Das bedeutet: Wenn wir das Gemisch erhitzen, gehen viel mehr Alkoholteilchen in den Raum über der Flüssigkeit über als Wasserteilchen. Die Gasphase wird also mit den flüchtigeren Teilchen angereichert. Wenn dieses Gas dann abkühlt und kondensiert, besteht das neue flüssige Gemisch (das Destillat) hauptsächlich aus Alkohol.
Wie wir gelernt haben, trennt eine einfache Destillation nicht perfekt. Wenn wir ein Gemisch fast vollständig trennen wollen, nutzen wir die fraktionierte Destillation.
Merksatz: Mit der fraktionierenden Destillation können Flüssigkeitsgemische getrennt werden. Die Trennung erfolgt durch mehrmaliges Verdampfen und Kondensieren des Gemisches in einer speziellen Destillationskolonne.
Eine Destillationskolonne ist ein langes, senkrechtes Glasrohr, das auf den Erhitzungskolben gesetzt wird. Im Inneren befinden sich kleine Füllkörper oder Glasvorsprünge. Das Besondere an dieser Kolonne ist ihr Temperaturgradient: Unten, nah an der Heizquelle, ist es sehr heiß. Je weiter man nach oben kommt, desto kühler wird es.

Wenn der Dampf aufsteigt, trifft er auf die Glasvorsprünge und kühlt ab. Er kondensiert zu Flüssigkeit und tropft wieder ein Stück nach unten in wärmere Bereiche. Dort verdampft die Flüssigkeit sofort wieder. Dieser Zyklus aus Kondensieren und Verdampfen wiederholt sich in der Kolonne unzählige Male. Bei jedem dieser Schritte wird der Dampf reiner. Am ganz oberen Ende der Kolonne kommt schließlich fast nur noch der am leichtesten flüchtige Stoff an.
Flüssigkeitsfraktionen: Manche Gemische, wie zum Beispiel rohes Erdöl, bestehen aus hunderten verschiedenen Stoffen. Eine absolut reine Trennung jedes einzelnen Stoffes ist hier unmöglich. In riesigen Raffinerien nutzt man riesige Kolonnen, um das Erdöl in Gruppen von Stoffen aufzuteilen, die ähnliche Siedetemperaturen haben. Diese Stoffgruppen nennt man Fraktionen (z. B. Benzin, Diesel oder Schmieröl).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du in einer Aufgabe vorhersagen sollst, wie sich ein Gemisch bei der Destillation verhält, folge diesen Schritten:
- Siedetemperaturen vergleichen: Suche die Siedetemperaturen aller Flüssigkeiten im Gemisch heraus.
- Den flüchtigsten Stoff bestimmen: Der Stoff mit der niedrigsten Siedetemperatur ist am flüchtigsten. Seine Teilchen haben die schwächsten Anziehungskräfte.
- Den Ablauf beschreiben: Erkläre, dass der flüchtigste Stoff zuerst verdampft, im Kühler kondensiert und sich im Auffanggefäß anreichert.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Du hast ein Gemisch aus Aceton (Siedetemperatur ) und Wasser (Siedetemperatur ). Du führst eine einfache Destillation durch und erhitzt das Gemisch langsam. Welcher Stoff reichert sich im Auffanggefäß an? Begründe deine Antwort.
- Schritt 1Siedetemperaturen vergleichen
Aceton siedet bei , Wasser siedet bei .
- Schritt 2Den flüchtigsten Stoff bestimmen
Aceton hat die niedrigere Siedetemperatur. Es ist der flüchtigere Stoff.
- Schritt 3 · ErgebnisDen Ablauf beschreiben
Da Aceton die niedrigere Siedetemperatur hat, verdampft es zuerst. Der Acetondampf steigt auf, kondensiert im Kühler und tropft in das Auffanggefäß. Daher reichert sich Aceton im Auffanggefäß an.
Aceton reichert sich im Auffanggefäß an, da es die niedrigere Siedetemperatur besitzt und somit zuerst verdampft.
Quiz zu Destillation und fraktionierte Destillation: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Destillation und fraktionierte Destillation und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Destillation und fraktionierte Destillation
Welcher Vorgang wird in der Chemie als Kondensieren bezeichnet?
Quizfrage 2 zu Destillation und fraktionierte Destillation
Nur mit AccountWie verhalten sich die Teilchen in einem Gas laut dem Teilchenmodell?
Übungsaufgabe zu Destillation und fraktionierte Destillation
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- Die Destillation trennt Flüssigkeiten anhand ihrer unterschiedlichen Siedetemperaturen.
- Je flüchtiger ein Stoff ist (niedrige Siedetemperatur), desto schwächer sind die Anziehungskräfte zwischen seinen Teilchen.
- Eine einfache Destillation liefert keine 100%ige Trennung, sondern reichert den flüchtigeren Stoff nur an.
- Die fraktionierte Destillation nutzt eine Kolonne für ständiges Verdampfen und Kondensieren, was die Trennung stark verbessert.
- Bei sehr komplexen Gemischen wie Erdöl entstehen Fraktionen (Stoffgruppen mit ähnlichen Siedetemperaturen).
Stell deine eigene Aufgabe zu „Destillation und fraktionierte Destillation einfach erklärt“
Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.
Häufige Fragen
Was ist eine Destillation?
Eine Destillation ist ein thermisches Trennverfahren, um flüssige Gemische anhand ihrer unterschiedlichen Siedetemperaturen zu trennen. Der Stoff mit der niedrigeren Siedetemperatur verdampft zuerst, wird in einem Kühler kondensiert und in einem separaten Gefäß wieder als Flüssigkeit aufgefangen.
Was ist der Unterschied zwischen einfacher und fraktionierter Destillation?
Die einfache Destillation trennt Gemische nur grob, da immer ein Teil des schwerer flüchtigen Stoffes mitverdampft. Die fraktionierte Destillation nutzt hingegen eine Destillationskolonne. Darin verdampft und kondensiert das aufsteigende Gemisch vielfach hintereinander, was zu einer deutlich reineren Trennung führt.
Warum verdampfen Stoffe bei unterschiedlichen Temperaturen?
Das liegt an den unsichtbaren Anziehungskräften zwischen den Teilchen. Stoffe mit schwachen Anziehungskräften (wie Alkohol) können sich leichter voneinander lösen und haben eine niedrige Siedetemperatur. Stoffe mit starken Anziehungskräften (wie Wasser) benötigen mehr Hitze, um in den gasförmigen Zustand überzugehen.
Was sind Fraktionen bei der Erdöldestillation?
Da rohes Erdöl aus hunderten verschiedenen Stoffen besteht, kann man es nicht in jeden einzelnen Stoff trennen. Stattdessen teilt man es in Fraktionen auf. Das sind Stoffgruppen mit ähnlichen Siedetemperaturen, wie zum Beispiel Benzin, Diesel oder Schmieröl.
Als Nächstes lernen
Passende Themen rund um Destillation und fraktionierte Destillation, die dein Wissen vertiefen.
Weiter lernen
Chemie nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Chemie-Themen