Formalladungen und Lewis-Strukturen einfach erklärt: Regeln

Lerne, wie du Formalladungen in Lewis-Strukturen berechnest. Schritt-für-Schritt-Anleitung, Beispiele und der Unterschied zur Ionenladung.

📅 Aktualisiert 25. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Formalladungen und Lewis-Strukturen einfach erklärt: Regeln

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Student thinking

Wenn du dich mit Chemie beschäftigst, kommst du an den Begriffen Formalladungen und Lewis-Strukturen kaum vorbei. Stell dir vor, du spielst in einer Fußballmannschaft. Am Ende des Turniers hat dein Team einen Gesamtpunktestand erreicht. Das ist die Leistung der ganzen Gruppe. Aber wenn man genauer hinschaut, hat jeder einzelne Spieler eine eigene Anzahl an Toren geschossen.

Fußballmannschaft und Molekülionen
Fußballmannschaft und Molekülionen

In der Chemie ist es bei geladenen Molekülen (sogenannten Molekülionen) ganz ähnlich! Das gesamte Molekül hat eine Gesamtladung (wie der Team-Punktestand). Aber auch die einzelnen Atome im Molekül können eigene, kleine Ladungen besitzen. In diesem Artikel lernst du, wie man diese versteckten Ladungen der einzelnen Atome findet und wie man damit überprüft, ob eine chemische Zeichnung wirklich korrekt ist.

Vorwissen

  • Valenzelektronen (Außenelektronen): Die Elektronen auf der äußersten Schale eines Atoms. Du findest ihre Anzahl über die Hauptgruppennummer im Periodensystem. Beispiel: Sauerstoff steht in der 6. Hauptgruppe und hat daher 6 Valenzelektronen.
  • Lewis-Strukturen (Elektronenformeln): Eine Zeichnung, die zeigt, wie Atome verbunden sind. Ein Strich zwischen zwei Atomen ist ein Bindungselektronenpaar (2 Elektronen). Striche oder Punkte direkt an einem Atom sind freie Elektronenpaare. Beispiel: Im Wassermolekül (H2O\text{H}_2\text{O}) sind die H-Atome über Striche (Bindungen) mit dem O-Atom verbunden.
  • Oktettregel (Edelgasregel): Atome sind besonders stabil, wenn sie von 8 Elektronen (4 Paaren) umgeben sind. Für Wasserstoff gilt die Duettregel (2 Elektronen).

Aufgabentyp 1: Ionenladung vs. Formalladung

Wenn sich mehrere Atome zu einem Ion zusammenschließen, nennen wir das ein Molekülion (oder mehratomiges Ion). Beispiele dafür sind das Ammonium-Ion (NH4+\text{NH}_4^+) oder das Hydroxid-Ion (OH\text{OH}^-).

Es ist extrem wichtig, zwischen der Ladung des gesamten Moleküls und der Ladung der einzelnen Atome zu unterscheiden:

  • Die Ionenladung (Gesamtladung): Das ist die Ladung des gesamten Moleküls. Sie wird ganz normal als hochgestelltes Plus (+^+) oder Minus (^-) geschrieben. Wenn wir die Struktur zeichnen, setzen wir das ganze Molekül in eckige Klammern und schreiben die Ionenladung oben rechts an die Klammer.
  • Die Formalladung: Das ist die Ladung eines einzelnen Atoms innerhalb des Moleküls. Um sie von der Gesamtladung zu unterscheiden, wird sie immer eingekreist geschrieben: \oplus für positiv und \ominus für negativ.
Unterschied Ionenladung und Formalladung
Unterschied Ionenladung und Formalladung

Man kann sich das so vorstellen: Die Formalladungen der einzelnen Atome werden addiert und ergeben zusammen die Ionenladung des gesamten Moleküls.

Aufgabentyp 2: Wie berechnet man die Formalladung?

Um herauszufinden, ob ein einzelnes Atom eine Formalladung hat, vergleichen wir zwei Dinge: Wie viele Elektronen das Atom eigentlich haben sollte (laut Periodensystem) und wie viele Elektronen es in der Zeichnung tatsächlich besitzt.

Schritt A: Wie viele Elektronen SOLLTE das Atom haben?

Schau ins Periodensystem. Die Hauptgruppennummer verrät dir die Valenzelektronen des neutralen Atoms.

Schritt B: Wie viele Elektronen HAT das Atom in der Zeichnung?

Wir zählen die zugeordneten Elektronen in der Lewis-Struktur. Dabei gilt eine einfache Regel des Teilens:

  • Freie Elektronenpaare gehören dem Atom ganz allein. Ein Strich (oder zwei Punkte) am Atom zählt also als 2 Elektronen.
  • Bindungselektronenpaare werden mit dem Nachbaratom geteilt. Von einer Bindung (einem Strich zwischen zwei Atomen) gehört dem Atom also nur die Hälfte. Das zählt als 1 Elektron.
Zugeordnete Elektronen in Lewis-Struktur
Zugeordnete Elektronen in Lewis-Struktur

Die Berechnung:

Wir ziehen einfach die vorhandenen Elektronen von den gewünschten Elektronen ab:

Formalladung=Valenzelektronenzugeordnete Elektronen\text{Formalladung} = \textcolor{#08BFFF}{\text{Valenzelektronen}} - \textcolor{#53E5D6}{\text{zugeordnete Elektronen}}

  • Hat das Atom mehr Elektronen als normal, hat es einen Überschuss an negativer Ladung. Es bekommt ein \ominus.
  • Hat das Atom weniger Elektronen als normal, fehlt ihm negative Ladung. Es bekommt ein \oplus.

Aufgabentyp 3: Lewis-Strukturen überprüfen

Oft musst du in einer Prüfung kontrollieren, ob eine gezeichnete Lewis-Struktur für ein Molekülion wirklich richtig ist. Dafür gibt es eine sichere Drei-Schritt-Methode. Wir schauen uns das am Beispiel des Sulfat-Ions (SO42\text{SO}_4^{2-}) an.

Schritt 1: Gesamtzahl der Elektronenpaare prüfen

Zuerst zählst du alle Valenzelektronen aller Atome zusammen. Wichtig: Bei einem negativen Ion musst du Elektronen addieren, bei einem positiven abziehen! Teile die Summe durch 2, um zu wissen, wie viele Striche (Paare) in der Zeichnung sein müssen.

Beim Sulfat-Ion: 1 Schwefelatom (6) + 4 Sauerstoffatome (4×64 \times 6) + 2 extra Elektronen (wegen der 22- Ladung) = 32 Elektronen. Das macht 32/2=1632 / 2 = 16 Elektronenpaare (Striche).

Schritt 2: Oktettregel prüfen

Kontrolliere, ob jedes Atom (außer Wasserstoff) von genau 4 Strichen (8 Elektronen) umgeben ist. Das können Bindungen oder freie Paare sein.

Beim Sulfat-Ion: Wenn das S-Atom in der Mitte über vier Einfachbindungen mit den O-Atomen verbunden ist und jedes O-Atom noch drei freie Paare hat, hat jedes Atom genau 8 Elektronen um sich herum.

Schritt 3: Formalladungen berechnen und abgleichen

Berechne für jedes Atom die Formalladung. Die wichtigste Regel lautet: Die Summe aller Formalladungen muss exakt der Ionenladung entsprechen! Vergiss nicht, am Ende eckige Klammern um das Molekül zu setzen.

Beim Sulfat-Ion:

  • Jedes Sauerstoffatom hat 7 zugeordnete Elektronen (3 freie Paare = 6, plus halbe Bindung = 1). Es sollte aber 6 haben. Es hat also 1 Elektron zu viel \to Formalladung \ominus.
  • Das Schwefelatom hat 4 zugeordnete Elektronen (4 halbe Bindungen). Es sollte aber 6 haben. Es hat 2 zu wenig \to Formalladung 22\oplus.
Formalladungen im Sulfat-Ion
Formalladungen im Sulfat-Ion

Wir rechnen zusammen: 4 mal \ominus und einmal 22\oplus ergibt insgesamt 22-. Das passt perfekt zur Ionenladung des Sulfat-Ions!

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Elektronenpaare zählen: Addiere die Valenzelektronen aller Atome. Addiere die Ionenladung (bei negativen Ionen) oder subtrahiere sie (bei positiven Ionen). Teile das Ergebnis durch 2.
  2. Oktettregel checken: Prüfe, ob jedes Atom von 8 Elektronen (4 Strichen) umgeben ist. Ausnahme: Wasserstoff braucht nur 2 Elektronen (1 Strich).
  3. Formalladungen zuweisen: Berechne für jedes Atom: Formalladung=Valenzelektronenzugeordnete Elektronen\text{Formalladung} = \text{Valenzelektronen} - \text{zugeordnete Elektronen}. Zeichne die Ladungen eingekreist an die Atome.
  4. Endkontrolle: Addiere alle Formalladungen. Das Ergebnis muss die Ionenladung sein. Setze das Molekül in eckige Klammern und schreibe die Ionenladung oben rechts hin.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

Überprüfe die Lewis-Struktur für das Ammonium-Ion (NH4+\text{NH}_4^+). Das Stickstoffatom (N) ist in der Mitte über vier Einfachbindungen mit vier Wasserstoffatomen (H) verbunden. Es gibt keine freien Elektronenpaare. Berechne die Formalladungen und bestätige die Struktur.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Elektronenpaare zählen

    Stickstoff (5. Hauptgruppe) bringt 5 Valenzelektronen mit. Die 4 Wasserstoffatome bringen jeweils 1 mit (4×1=44 \times 1 = 4). Wegen der positiven Ionenladung (++) ziehen wir 1 Elektron ab. Gesamtelektronen: 5+41=85 + 4 - 1 = 8 Elektronen. Das entspricht 8/2=48 / 2 = 4 Elektronenpaaren. Die Struktur hat 4 Bindungen, das passt!

  2. Schritt 2
    Oktettregel checken

    Das N-Atom hat 4 Bindungen (8 Elektronen) \to Oktettregel erfüllt. Jedes H-Atom hat 1 Bindung (2 Elektronen) \to Duettregel erfüllt.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Formalladungen zuweisen
    • Wasserstoff: Sollte 1 Elektron haben. Es hat 1 zugeordnetes Elektron (die Hälfte der Bindung). 11=01 - 1 = 0. Die H-Atome haben keine Formalladung.
    • Stickstoff: Sollte 5 Elektronen haben. Es hat 4 zugeordnete Elektronen (die Hälfte von 4 Bindungen).

    Formalladung=54=+1\text{Formalladung} = \textcolor{#08BFFF}{5} - \textcolor{#53E5D6}{4} = +1

    Das Stickstoffatom bekommt ein \oplus.

Ergebnis:

Die Summe der Formalladungen ist +1+1. Das entspricht genau der Ionenladung des Ammonium-Ions. Die Struktur ist korrekt und wird in eckigen Klammern mit einem hochgestellten ++ geschrieben.

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Quizfrage 1 zu Formalladungen und Lewis

Wie findet man laut Artikel heraus, wie viele Valenzelektronen ein neutrales Atom besitzt?

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Wie wird die Formalladung eines einzelnen Atoms in der Chemie korrekt notiert?

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Beispiel 1

Aufgabe

Überprüfe die Lewis-Struktur für das Hydroxid-Ion (OH\text{OH}^-). Das Sauerstoffatom (O) ist über eine Einfachbindung mit dem Wasserstoffatom (H) verbunden und besitzt drei freie Elektronenpaare. Berechne die Formalladungen und bestätige die Struktur.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Elektronenpaare zählen

    Sauerstoff bringt 6 Valenzelektronen mit, Wasserstoff 1. Wegen der negativen Ionenladung (-) addieren wir 1 Elektron. Gesamtelektronen: 6+1+1=86 + 1 + 1 = 8 Elektronen. Das entspricht 8/2=48 / 2 = 4 Elektronenpaaren. Die Struktur hat 1 Bindung und 3 freie Paare (zusammen 4), das passt!

  2. Schritt 2
    Oktettregel checken

    Das O-Atom hat 1 Bindung und 3 freie Paare (insgesamt 8 Elektronen) \to Oktettregel erfüllt. Das H-Atom hat 1 Bindung (2 Elektronen) \to Duettregel erfüllt.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Formalladungen zuweisen
    • Wasserstoff: Sollte 1 Elektron haben. Es hat 1 zugeordnetes Elektron (halbe Bindung). 11=01 - 1 = 0.
    • Sauerstoff: Sollte 6 Elektronen haben. Es hat 7 zugeordnete Elektronen (3 freie Paare = 6 Elektronen, plus 1 Elektron aus der halben Bindung).

    Formalladung=67=1\text{Formalladung} = \textcolor{#08BFFF}{6} - \textcolor{#53E5D6}{7} = -1

    Das Sauerstoffatom bekommt ein \ominus.

Ergebnis:

Die Summe der Formalladungen ist 1-1. Das entspricht genau der Ionenladung des Hydroxid-Ions. Die Struktur ist korrekt und wird in eckigen Klammern mit einem hochgestellten - geschrieben.

Wichtige Erkenntnisse

  • Ionenladung: Gilt für das ganze Molekül (hochgestelltes ++ oder - an der eckigen Klammer).
  • Formalladung: Gilt für ein einzelnes Atom (eingekreistes \oplus oder \ominus direkt am Atom).
  • Zählregel: Freie Elektronenpaare zählen voll (2 Elektronen), Bindungen zählen zur Hälfte (1 Elektron).
  • Der Check: Die Summe aller Formalladungen muss immer die Ionenladung ergeben.

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Häufige Fragen

Was sind Formalladungen in Lewis-Strukturen?

Die Formalladung ist die Ladung eines einzelnen Atoms innerhalb eines Moleküls oder Molekülions. Während die Ionenladung für das gesamte Molekül gilt, zeigt die Formalladung, ob ein spezifisches Atom mehr oder weniger Elektronen besitzt, als es laut Periodensystem haben sollte.

Wie berechnet man die Formalladung eines Atoms?

Du berechnest sie mit der Formel: Formalladung = Valenzelektronen − zugeordnete Elektronen. Valenzelektronen liest du im Periodensystem ab. Zugeordnete Elektronen zählst du in der Lewis-Struktur: Freie Elektronenpaare zählen doppelt (2 Elektronen), Bindungen zur Hälfte (1 Elektron pro Bindung).

Was ist der Unterschied zwischen Ionenladung und Formalladung?

Die Ionenladung ist die Gesamtladung des kompletten Moleküls und wird oben rechts an eine eckige Klammer geschrieben. Die Formalladung bezieht sich nur auf ein einzelnes Atom im Molekül und wird direkt am Atom eingekreist (als ⊕ oder ⊖) notiert. Die Summe aller Formalladungen ergibt immer die Ionenladung.

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