Intermolekulare Kräfte einfach erklärt: Arten & Beispiele

Erfahre, was intermolekulare Kräfte sind, wie sie wirken und welche Arten es gibt. Mit anschaulichen Beispielen und Schritt-für-Schritt-Erklärungen.

📅 Aktualisiert 25. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Intermolekulare Kräfte einfach erklärt: Arten & Beispiele

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Student thinking

Hast du dich schon einmal gefragt, warum Wasser auf einem Blatt perfekte, runde Tropfen bildet, anstatt einfach flach zu zerfließen? Oder warum ein Bauchklatscher ins Schwimmbecken so wehtut? Die Antwort ist unsichtbar, aber sehr stark: Die Wassermoleküle halten sich gegenseitig fest!

Wassertropfen auf Blatt
Wassertropfen auf Blatt

In diesem Artikel lernst du die unsichtbaren Anziehungskräfte zwischen Molekülen kennen. Wir nennen sie intermolekulare Kräfte. Sie bestimmen, ob ein Stoff bei Raumtemperatur flüssig, fest oder gasförmig ist.

Schnellantwort

Intermolekulare Kräfte sind die unsichtbaren Anziehungskräfte, die zwischen Molekülen wirken. Sie sind schwächer als die chemischen Bindungen innerhalb eines Moleküls, bestimmen aber wichtige physikalische Eigenschaften wie den Aggregatzustand (fest, flüssig, gasförmig) eines Stoffes. Die drei wichtigsten Arten sind London-Dispersionskräfte, Dipol-Dipol-Kräfte und Wasserstoffbrückenbindungen.

Vorwissen

  • Moleküle: Verbände aus Atomen, die durch starke chemische Bindungen zusammengehalten werden.

    Beispiel: Ein Wassermolekül (H2O\text{H}_2\text{O}) besteht aus Sauerstoff und Wasserstoff.

  • Elektronegativität und Teilladungen: Manche Atome ziehen Elektronen stärker an als andere (wie beim Tauziehen). Dadurch entstehen schwache elektrische Ladungen, sogenannte Partialladungen.

    Beispiel: Das Atom, das stärker zieht, wird leicht negativ (δ\delta^-), das andere leicht positiv (δ+\delta^+).

Aufgabentyp 1: London-Dispersionskräfte (Londonsche Kräfte)

Stell dir die Elektronen in einem Molekül wie einen Schwarm Bienen vor, der um einen Bienenstock fliegt. Meistens sind sie gleichmäßig verteilt. Aber manchmal sammeln sich zufällig für einen winzigen Moment mehr Elektronen auf einer Seite des Moleküls.

Dadurch wird diese Seite kurzzeitig leicht negativ geladen (δ\delta^-) und die andere Seite leicht positiv (δ+\delta^+). Das nennt man einen temporären Dipol (einen Magneten auf Zeit).

Temporärer Dipol in Molekülen
Temporärer Dipol in Molekülen

Dieser temporäre Dipol schubst die Elektronen im Nachbarmolekül weg, sodass dort ebenfalls ein Dipol entsteht. Nun ziehen sich die beiden Moleküle schwach an. Diese London-Dispersionskräfte sind die einzigen Anziehungskräfte zwischen unpolaren Molekülen (Moleküle ohne dauerhafte Ladungsunterschiede) wie Wasserstoff (H2\text{H}_2) oder Stickstoff (N2\text{N}_2).

Je größer die Kontaktfläche zwischen den Molekülen ist (wie bei einem Klettverschluss), desto stärker ist diese Kraft.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Bestimme die stärkste intermolekulare Kraft, die zwischen Stickstoffmolekülen (N2\text{N}_2) wirkt.

Fortschritt
1 / 1
  1. Schritt 1 · Ergebnis
    Ist das Molekül unpolar?

    Das Molekül N2\text{N}_2 besteht aus zwei identischen Stickstoffatomen. Keines zieht stärker an den Elektronen, daher gibt es keine permanenten Teilladungen. Das Molekül ist unpolar.

Ergebnis:

Da das Molekül unpolar ist, wirken zwischen Stickstoffmolekülen ausschließlich London-Dispersionskräfte.

Quiz zu Intermolekulare Kräfte: Teste dein Wissen

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Quizfrage 1 zu Intermolekulare Kräfte

Welche Eigenschaft eines Stoffes wird durch intermolekulare Kräfte bestimmt?

Quizfrage 2 zu Intermolekulare Kräfte

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Wodurch entstehen in einem Molekül schwache elektrische Partialladungen?

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Aufgabentyp 2: Dipol-Dipol-Kräfte

Manche Moleküle sind wie permanente Magnete. Weil die Atome in diesen Molekülen unterschiedliche Elektronegativitäten haben, zieht ein Atom die Elektronen dauerhaft stärker zu sich heran. Wenn das Molekül asymmetrisch gebaut ist, heben sich diese Züge nicht auf.

Das Molekül hat dann eine dauerhaft positive Seite und eine dauerhaft negative Seite. Wir nennen das einen permanenten Dipol.

Permanenter Dipol in Molekülen
Permanenter Dipol in Molekülen

Die positive Seite (δ+\delta^+) des einen Moleküls zieht die negative Seite (δ\delta^-) eines anderen Moleküls an. Diese elektrostatische Anziehung nennt man Dipol-Dipol-Kraft. Beispiele hierfür sind Kohlenstoffmonoxid (CO\text{CO}) oder Chloroform (HCCl3\text{HCCl}_3).

Experiment: Der magische Wasserstrahl

Zweck: Sichtbarmachen der Anziehungskräfte von permanenten Dipolen.

Materialien: Ein aufgeblasener Luftballon, ein Wasserhahn.

⚠️ Sicherheitshinweis: Wische verschüttetes Wasser sofort auf, damit niemand ausrutscht.

Durchführung:

  1. Reibe den Luftballon etwa 10 Sekunden lang kräftig an deinen Haaren oder einem Wollpullover.

  2. Drehe den Wasserhahn so auf, dass ein ganz dünner, feiner Wasserstrahl fließt.

Wasserhahn mit feinem Wasserstrahl
Wasserhahn mit feinem Wasserstrahl
  1. Halte den geriebenen Luftballon dicht an den Wasserstrahl, ohne ihn zu berühren.

Beobachtung: Der Wasserstrahl wird wie von Zauberhand zum Luftballon hingebogen.

Wasserstrahl wird vom Ballon angezogen
Wasserstrahl wird vom Ballon angezogen

Erklärung: Durch das Reiben lädt sich der Ballon elektrisch auf. Da Wassermoleküle permanente Dipole sind (sie haben eine positive und eine negative Seite), richten sie sich im elektrischen Feld des Ballons aus. Die entgegengesetzten Ladungen ziehen sich an, wodurch der gesamte Wasserstrahl abgelenkt wird.

Aufgabentyp 3: Wasserstoffbrückenbindungen

Wasserstoffbrückenbindungen sind eine besondere, sehr starke Form der Dipol-Dipol-Kräfte. Sie treten auf, wenn ein Wasserstoffatom (H\text{H}) direkt an ein sehr stark ziehendes (elektronegatives) Atom wie Sauerstoff (O\text{O}) oder Stickstoff (N\text{N}) gebunden ist.

Das Wasserstoffatom wird dadurch extrem stark positiv polarisiert (δ+\delta^+). Es wirkt wie ein starker Mini-Magnet und wird von einem freien Elektronenpaar eines Sauerstoff- oder Stickstoffatoms im Nachbarmolekül angezogen.

Wasserstoffbrückenbindung zwischen Molekülen
Wasserstoffbrückenbindung zwischen Molekülen

Diese starken Brücken halten zum Beispiel Wassermoleküle (H2O\text{H}_2\text{O}) oder Ammoniak (NH3\text{NH}_3) fest zusammen. Ohne diese Kraft wäre Wasser bei Raumtemperatur ein Gas und kein flüssiges Wasser!

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schritt 1: Ist das Molekül unpolar? Wenn das Molekül unpolar ist (z. B. weil es aus zwei gleichen Atomen besteht wie N2\text{N}_2), wirken nur London-Dispersionskräfte.
  2. Schritt 2: Ist das Molekül ein permanenter Dipol? Wenn das Molekül polar und asymmetrisch ist, wirken Dipol-Dipol-Kräfte.
  3. Schritt 3: Gibt es H-Atome an O oder N? Prüfe bei polaren Molekülen, ob ein Wasserstoffatom (H\text{H}) direkt an ein Sauerstoff- (O\text{O}) oder Stickstoffatom (N\text{N}) gebunden ist. Wenn ja, bilden sich die besonders starken Wasserstoffbrückenbindungen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 2

Aufgabe

Bestimme die stärkste intermolekulare Kraft, die zwischen Wassermolekülen (H2O\text{H}_2\text{O}) wirkt.

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Ist das Molekül ein permanenter Dipol?

    Wasser besteht aus Sauerstoff und Wasserstoff. Sauerstoff zieht viel stärker an den Elektronen, wodurch das Molekül polar ist (permanenter Dipol).

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Gibt es H-Atome an O oder N?

    Ja, im Wassermolekül sind die Wasserstoffatome direkt an das stark ziehende Sauerstoffatom gebunden.

Ergebnis:

Aufgrund der direkten Bindung zwischen H\text{H} und O\text{O} bilden sich zwischen den Wassermolekülen starke Wasserstoffbrückenbindungen.

Wichtige Erkenntnisse

  • London-Dispersionskräfte: Schwache Kräfte durch zufällige, temporäre Dipole. Sie wirken zwischen allen Molekülen, sind aber die einzigen Kräfte bei unpolaren Stoffen.
  • Dipol-Dipol-Kräfte: Mittelstarke Anziehung zwischen Molekülen, die permanente Magnete (Dipole) sind.
  • Wasserstoffbrückenbindungen: Die stärksten intermolekularen Kräfte. Sie entstehen, wenn H\text{H} an stark ziehende Atome wie O\text{O} oder N\text{N} gebunden ist.

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Häufige Fragen

Was sind intermolekulare Kräfte?

Intermolekulare Kräfte sind die unsichtbaren Anziehungskräfte, die zwischen verschiedenen Molekülen wirken. Sie sind dafür verantwortlich, ob ein Stoff bei Raumtemperatur fest, flüssig oder gasförmig ist. Ohne sie würden Moleküle einfach aneinander vorbeifliegen.

Was ist der Unterschied zwischen London-Kräften und Dipol-Dipol-Kräften?

London-Dispersionskräfte entstehen durch zufällige, kurzzeitige Ladungsverschiebungen in unpolaren Molekülen. Dipol-Dipol-Kräfte hingegen wirken zwischen polaren Molekülen, die wie permanente kleine Magnete dauerhaft eine positive und eine negative Seite haben.

Warum ist Wasser bei Raumtemperatur flüssig?

Das liegt an den Wasserstoffbrückenbindungen. Diese sind die stärksten intermolekularen Kräfte und treten auf, weil der Wasserstoff im Wassermolekül extrem stark an den Sauerstoff des Nachbarmoleküls gebunden wird. Ohne diese starken Brücken wäre Wasser ein Gas.

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