Intermolekulare Kräfte einfach erklärt: Arten & Beispiele
Erklärvideo – jetzt freischalten
Hast du dich schon einmal gefragt, warum Wasser auf einem Blatt perfekte, runde Tropfen bildet, anstatt einfach flach zu zerfließen? Oder warum ein Bauchklatscher ins Schwimmbecken so wehtut? Die Antwort ist unsichtbar, aber sehr stark: Die Wassermoleküle halten sich gegenseitig fest!

In diesem Artikel lernst du die unsichtbaren Anziehungskräfte zwischen Molekülen kennen. Wir nennen sie intermolekulare Kräfte. Sie bestimmen, ob ein Stoff bei Raumtemperatur flüssig, fest oder gasförmig ist.
Schnellantwort
Intermolekulare Kräfte sind die unsichtbaren Anziehungskräfte, die zwischen Molekülen wirken. Sie sind schwächer als die chemischen Bindungen innerhalb eines Moleküls, bestimmen aber wichtige physikalische Eigenschaften wie den Aggregatzustand (fest, flüssig, gasförmig) eines Stoffes. Die drei wichtigsten Arten sind London-Dispersionskräfte, Dipol-Dipol-Kräfte und Wasserstoffbrückenbindungen.
Vorwissen
-
Moleküle: Verbände aus Atomen, die durch starke chemische Bindungen zusammengehalten werden.
Beispiel: Ein Wassermolekül () besteht aus Sauerstoff und Wasserstoff.
-
Elektronegativität und Teilladungen: Manche Atome ziehen Elektronen stärker an als andere (wie beim Tauziehen). Dadurch entstehen schwache elektrische Ladungen, sogenannte Partialladungen.
Beispiel: Das Atom, das stärker zieht, wird leicht negativ (), das andere leicht positiv ().
Aufgabentyp 1: London-Dispersionskräfte (Londonsche Kräfte)
Stell dir die Elektronen in einem Molekül wie einen Schwarm Bienen vor, der um einen Bienenstock fliegt. Meistens sind sie gleichmäßig verteilt. Aber manchmal sammeln sich zufällig für einen winzigen Moment mehr Elektronen auf einer Seite des Moleküls.
Dadurch wird diese Seite kurzzeitig leicht negativ geladen () und die andere Seite leicht positiv (). Das nennt man einen temporären Dipol (einen Magneten auf Zeit).

Dieser temporäre Dipol schubst die Elektronen im Nachbarmolekül weg, sodass dort ebenfalls ein Dipol entsteht. Nun ziehen sich die beiden Moleküle schwach an. Diese London-Dispersionskräfte sind die einzigen Anziehungskräfte zwischen unpolaren Molekülen (Moleküle ohne dauerhafte Ladungsunterschiede) wie Wasserstoff () oder Stickstoff ().
Je größer die Kontaktfläche zwischen den Molekülen ist (wie bei einem Klettverschluss), desto stärker ist diese Kraft.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Bestimme die stärkste intermolekulare Kraft, die zwischen Stickstoffmolekülen () wirkt.
- Schritt 1 · ErgebnisIst das Molekül unpolar?
Das Molekül besteht aus zwei identischen Stickstoffatomen. Keines zieht stärker an den Elektronen, daher gibt es keine permanenten Teilladungen. Das Molekül ist unpolar.
Da das Molekül unpolar ist, wirken zwischen Stickstoffmolekülen ausschließlich London-Dispersionskräfte.
Quiz zu Intermolekulare Kräfte: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Intermolekulare Kräfte und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Intermolekulare Kräfte
Welche Eigenschaft eines Stoffes wird durch intermolekulare Kräfte bestimmt?
Quizfrage 2 zu Intermolekulare Kräfte
Nur mit AccountWodurch entstehen in einem Molekül schwache elektrische Partialladungen?
Übungsaufgabe zu Intermolekulare Kräfte
Nur mit AccountAufgabentyp 2: Dipol-Dipol-Kräfte
Manche Moleküle sind wie permanente Magnete. Weil die Atome in diesen Molekülen unterschiedliche Elektronegativitäten haben, zieht ein Atom die Elektronen dauerhaft stärker zu sich heran. Wenn das Molekül asymmetrisch gebaut ist, heben sich diese Züge nicht auf.
Das Molekül hat dann eine dauerhaft positive Seite und eine dauerhaft negative Seite. Wir nennen das einen permanenten Dipol.

Die positive Seite () des einen Moleküls zieht die negative Seite () eines anderen Moleküls an. Diese elektrostatische Anziehung nennt man Dipol-Dipol-Kraft. Beispiele hierfür sind Kohlenstoffmonoxid () oder Chloroform ().
Experiment: Der magische Wasserstrahl
Zweck: Sichtbarmachen der Anziehungskräfte von permanenten Dipolen.
Materialien: Ein aufgeblasener Luftballon, ein Wasserhahn.
⚠️ Sicherheitshinweis: Wische verschüttetes Wasser sofort auf, damit niemand ausrutscht.
Durchführung:
-
Reibe den Luftballon etwa 10 Sekunden lang kräftig an deinen Haaren oder einem Wollpullover.
-
Drehe den Wasserhahn so auf, dass ein ganz dünner, feiner Wasserstrahl fließt.

- Halte den geriebenen Luftballon dicht an den Wasserstrahl, ohne ihn zu berühren.
Beobachtung: Der Wasserstrahl wird wie von Zauberhand zum Luftballon hingebogen.

Erklärung: Durch das Reiben lädt sich der Ballon elektrisch auf. Da Wassermoleküle permanente Dipole sind (sie haben eine positive und eine negative Seite), richten sie sich im elektrischen Feld des Ballons aus. Die entgegengesetzten Ladungen ziehen sich an, wodurch der gesamte Wasserstrahl abgelenkt wird.
Aufgabentyp 3: Wasserstoffbrückenbindungen
Wasserstoffbrückenbindungen sind eine besondere, sehr starke Form der Dipol-Dipol-Kräfte. Sie treten auf, wenn ein Wasserstoffatom () direkt an ein sehr stark ziehendes (elektronegatives) Atom wie Sauerstoff () oder Stickstoff () gebunden ist.
Das Wasserstoffatom wird dadurch extrem stark positiv polarisiert (). Es wirkt wie ein starker Mini-Magnet und wird von einem freien Elektronenpaar eines Sauerstoff- oder Stickstoffatoms im Nachbarmolekül angezogen.

Diese starken Brücken halten zum Beispiel Wassermoleküle () oder Ammoniak () fest zusammen. Ohne diese Kraft wäre Wasser bei Raumtemperatur ein Gas und kein flüssiges Wasser!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schritt 1: Ist das Molekül unpolar? Wenn das Molekül unpolar ist (z. B. weil es aus zwei gleichen Atomen besteht wie ), wirken nur London-Dispersionskräfte.
- Schritt 2: Ist das Molekül ein permanenter Dipol? Wenn das Molekül polar und asymmetrisch ist, wirken Dipol-Dipol-Kräfte.
- Schritt 3: Gibt es H-Atome an O oder N? Prüfe bei polaren Molekülen, ob ein Wasserstoffatom () direkt an ein Sauerstoff- () oder Stickstoffatom () gebunden ist. Wenn ja, bilden sich die besonders starken Wasserstoffbrückenbindungen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Bestimme die stärkste intermolekulare Kraft, die zwischen Wassermolekülen () wirkt.
- Schritt 1Ist das Molekül ein permanenter Dipol?
Wasser besteht aus Sauerstoff und Wasserstoff. Sauerstoff zieht viel stärker an den Elektronen, wodurch das Molekül polar ist (permanenter Dipol).
- Schritt 2 · ErgebnisGibt es H-Atome an O oder N?
Ja, im Wassermolekül sind die Wasserstoffatome direkt an das stark ziehende Sauerstoffatom gebunden.
Aufgrund der direkten Bindung zwischen und bilden sich zwischen den Wassermolekülen starke Wasserstoffbrückenbindungen.
Wichtige Erkenntnisse
- London-Dispersionskräfte: Schwache Kräfte durch zufällige, temporäre Dipole. Sie wirken zwischen allen Molekülen, sind aber die einzigen Kräfte bei unpolaren Stoffen.
- Dipol-Dipol-Kräfte: Mittelstarke Anziehung zwischen Molekülen, die permanente Magnete (Dipole) sind.
- Wasserstoffbrückenbindungen: Die stärksten intermolekularen Kräfte. Sie entstehen, wenn an stark ziehende Atome wie oder gebunden ist.
Stell deine eigene Aufgabe zu „Intermolekulare Kräfte einfach erklärt: Arten & Beispiele“
Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.
Häufige Fragen
Was sind intermolekulare Kräfte?
Intermolekulare Kräfte sind die unsichtbaren Anziehungskräfte, die zwischen verschiedenen Molekülen wirken. Sie sind dafür verantwortlich, ob ein Stoff bei Raumtemperatur fest, flüssig oder gasförmig ist. Ohne sie würden Moleküle einfach aneinander vorbeifliegen.
Was ist der Unterschied zwischen London-Kräften und Dipol-Dipol-Kräften?
London-Dispersionskräfte entstehen durch zufällige, kurzzeitige Ladungsverschiebungen in unpolaren Molekülen. Dipol-Dipol-Kräfte hingegen wirken zwischen polaren Molekülen, die wie permanente kleine Magnete dauerhaft eine positive und eine negative Seite haben.
Warum ist Wasser bei Raumtemperatur flüssig?
Das liegt an den Wasserstoffbrückenbindungen. Diese sind die stärksten intermolekularen Kräfte und treten auf, weil der Wasserstoff im Wassermolekül extrem stark an den Sauerstoff des Nachbarmoleküls gebunden wird. Ohne diese starken Brücken wäre Wasser ein Gas.
Als Nächstes lernen
Passende Themen rund um Intermolekulare Kräfte, die dein Wissen vertiefen.
Weiter lernen
Chemie nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Chemie-Themen