Säure-Base-Definitionen einfach erklärt: Brønsted & Co.
Erklärvideo – jetzt freischalten
Hast du schon einmal ein Spiel gespielt, bei dem die Regeln plötzlich geändert werden mussten, weil jemand ein geniales Schlupfloch gefunden hat? Genau das ist in der Chemie bei den Säure-Base-Definitionen passiert!

Lange Zeit dachten Chemiker, sie wüssten genau, was eine Säure und was eine Base ist. Doch dann fanden sie Stoffe, die sich einfach nicht an die alten Regeln hielten. In dieser Lektion erfährst du, wie die Wissenschaftler die Regeln umschreiben mussten, um die wahre Identität von Säuren und Basen zu enthüllen.
Vorwissen
- Ionen: Elektrisch geladene Teilchen. Beispiel: Wasserstoff-Ionen () und Hydroxid-Ionen ().
- Säuren und Basen: Stoffe mit bestimmten Eigenschaften. Beispiel: Säuren schmecken sauer und färben bestimmte Farbstoffe rot, Basen (Laugen) fühlen sich seifig an.
Aufgabentyp 1: Die alten Regeln nach Boyle und Arrhenius
Wissenschaftler haben im Laufe der Zeit immer wieder versucht, Säuren und Basen zu definieren.
Im 17. Jahrhundert beschrieb Robert Boyle sie anhand von Dingen, die man sehen konnte: Säuren verändern die Farbe von Pflanzenfarbstoffen, und Basen sind Stoffe, die mit Säuren zu Salzen reagieren.
Im Jahr 1887 stellte Svante Arrhenius eine genauere Regel auf:
- Säuren sind Stoffe, die in Wasser Wasserstoff-Ionen () freisetzen.
- Basen sind Stoffe, die in Wasser Hydroxid-Ionen () freisetzen.
Diese Regel funktionierte lange Zeit sehr gut. Aber es gab ein großes Problem: das Gas Ammoniak (). Wenn man Ammoniak in Wasser löst, entsteht eine basische Lösung. Nach der Arrhenius-Regel müsste Ammoniak also -Ionen freisetzen.

Wenn wir uns aber die Formel ansehen, stellen wir fest: Da ist gar kein Sauerstoff () drin! Ammoniak kann also von sich aus gar keine -Ionen abgeben. Die Arrhenius-Regel hatte ein Schlupfloch und musste verbessert werden.
Aufgabentyp 2: Das Brønsted-Modell
Im Jahr 1923 löste der Chemiker Johannes Brønsted das Problem mit einer neuen Regel. Er erkannte, dass es bei Säure-Base-Reaktionen eigentlich um die Übergabe eines einzigen Teilchens geht: das Proton ().
- Säuren sind Protonendonatoren: Sie sind die 'Werfer'. Sie geben in einer Reaktion ein ab.
- Basen sind Protonenakzeptoren: Sie sind die 'Fänger'. Sie nehmen das auf.
Damit eine Base das Proton überhaupt fangen kann, muss sie eine wichtige strukturelle Voraussetzung erfüllen: Sie braucht ein freies Elektronenpaar. Das ist ein nicht-bindendes Elektronenpaar am Molekül, das wie ein Fanghandschuh wirkt, um das Proton festzuhalten.
Schauen wir uns die Bildung von Ammoniumchlorid an, um das zu verstehen:
Chlorwasserstoff () reagiert mit Ammoniak ().

Hier wirft die Säure ihr Proton zur Base . Das Ammoniak-Molekül hat ein freies Elektronenpaar, fängt das Proton auf und wird zum Ammonium-Ion (). Die entstandenen Ionen ( und ) bilden zusammen das Salz Ammoniumchlorid. Die alte Arrhenius-Regel ist damit überholt, denn wir brauchen gar kein Hydroxid-Ion mehr, um eine Base zu sein!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vergleiche die Teilchen auf der linken Seite (Vorher) mit der rechten Seite (Nachher) und achte auf die H⁺-Ionen.
- Finde das Teilchen, das ein H⁺ abgegeben hat – das ist der Protonendonator (Säure).
- Finde das Teilchen, das ein H⁺ aufgenommen hat – das ist der Protonenakzeptor (Base).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Bestimme in der folgenden Reaktion, welcher Stoff die Säure und welcher die Base nach Brønsted ist:
- Schritt 1Vorher und Nachher vergleichen
Links haben wir und . Rechts haben wir und .
- Schritt 2Den Protonendonator (Säure) finden
Aus wird . Es hat ein verloren. Also ist der Protonendonator (die Säure).
- Schritt 3 · ErgebnisDen Protonenakzeptor (Base) finden
Aus wird . Es hat ein dazugewonnen. Also ist der Protonenakzeptor (die Base).
In dieser Reaktion ist die Säure und die Base.
Quiz zu Säure: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Säure und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Säure
Was sind Ionen nach der Definition im Text?
Quizfrage 2 zu Säure
Nur mit AccountWie definiert Svante Arrhenius Säuren?
Übungsaufgabe zu Säure
Nur mit AccountAufgabentyp 3: Amphotere Teilchen
Manche Stoffe können sich nicht entscheiden – sie sind wie chemische Chamäleons. Je nachdem, mit wem sie reagieren, verhalten sie sich entweder als Säure oder als Base. Solche Stoffe nennt man amphotere Teilchen.
Das bekannteste Beispiel dafür ist Wasser ().
Fall 1: Wasser reagiert als Säure (Protonendonator)
Wenn Wasser auf Ammoniak () trifft, gibt es ein Proton ab:
Hier wirft das Wasser das Proton zum Ammoniak.
Fall 2: Wasser reagiert als Base (Protonenakzeptor)
Wenn Wasser auf Chlorwasserstoff () trifft, nimmt es ein Proton auf:

Hier fängt das Wasser das Proton auf und wird zum Oxonium-Ion (). Wasser passt sich also immer seinem Reaktionspartner an!
Wichtige Erkenntnisse
- Säuren sind Protonendonatoren (sie geben ab).
- Basen sind Protonenakzeptoren (sie nehmen auf) und benötigen dafür ein freies Elektronenpaar.
- Amphotere Teilchen (wie Wasser) können je nach Partner sowohl als Säure als auch als Base reagieren.
Stell deine eigene Aufgabe zu „Säure-Base-Definitionen einfach erklärt: Brønsted & Co.“
Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.
Häufige Fragen
Was sind Säure-Base-Definitionen?
Säure-Base-Definitionen beschreiben, welche Eigenschaften ein Stoff haben muss, um als Säure oder Base zu gelten. Die bekanntesten Modelle stammen von Arrhenius und Brønsted. Während Arrhenius auf die Bildung von Wasserstoff- und Hydroxid-Ionen in Wasser schaute, definiert Brønsted Säuren als Protonendonatoren und Basen als Protonenakzeptoren.
Was ist der Unterschied zwischen Arrhenius und Brønsted?
Nach Arrhenius ist eine Säure ein Stoff, der in Wasser H⁺-Ionen freisetzt, und eine Base ein Stoff, der OH⁻-Ionen freisetzt. Das Brønsted-Modell ist allgemeiner: Hier ist eine Säure ein Teilchen, das ein Proton (H⁺) abgibt, und eine Base ein Teilchen, das ein Proton aufnimmt. Brønsted benötigt also nicht zwingend Wasser als Lösungsmittel.
Was sind amphotere Teilchen?
Amphotere Teilchen (auch Ampholyte genannt) sind chemische Stoffe, die sowohl als Säure als auch als Base reagieren können. Das bekannteste Beispiel ist Wasser. Je nach Reaktionspartner kann Wasser ein Proton abgeben (und wirkt dann als Säure) oder ein Proton aufnehmen (und wirkt dann als Base).
Weiter lernen
Chemie nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Chemie-Themen