Schmelz- und Siedetemperaturen erklärt: Stoffeigenschaften

Erfahre alles über Schmelz- und Siedetemperaturen. Lerne, warum Wasser bei 100 °C kocht, was der Luftdruck damit zu tun hat und wie du Stoffe erkennst.

📅 Aktualisiert 20. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Schmelz- und Siedetemperaturen erklärt: Stoffeigenschaften

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Um das Thema Schmelz- und Siedetemperaturen richtig zu verstehen, stell dir vor, du stehst auf dem Gipfel des Mount Everest und möchtest dir zur Feier des Tages eine Portion Nudeln kochen. Das Wasser sprudelt und kocht, aber auch nach 20 Minuten sind die Nudeln immer noch hart! Wie kann das sein?

Nudeln kochen auf dem Mount Everest
Nudeln kochen auf dem Mount Everest

Das Geheimnis liegt in der Temperatur des Wassers. Kochendes Wasser ist nämlich nicht überall gleich heiß! In diesem Artikel lernst du, warum jeder Stoff bei einer ganz bestimmten Temperatur schmilzt oder kocht, wie man Stoffe an diesen Temperaturen erkennen kann und warum das Wetter und die Höhe dabei eine wichtige Rolle spielen.

Vorwissen

  • Aggregatzustände: Die drei Zustandsformen, in denen Stoffe vorkommen können (fest, flüssig, gasförmig).

    Beispiel: Wasser kann als festes Eis, flüssiges Wasser oder gasförmiger Wasserdampf existieren.

  • Phasenübergänge: Der Wechsel von einem Aggregatzustand in einen anderen.

    Beispiel: Wenn Eis zu flüssigem Wasser wird, nennt man das Schmelzen. Wenn flüssiges Wasser zu Wasserdampf wird, nennt man das Sieden.

Aufgabentyp 1: Schmelz- und Siedetemperaturen als Stoffeigenschaften

Jeder reine Stoff hat bestimmte Eigenschaften, an denen man ihn erkennen kann – wie an einem Fingerabdruck. Zwei der wichtigsten Eigenschaften sind die Temperaturen, bei denen der Stoff seinen Aggregatzustand ändert.

Die Schmelztemperatur ist die genaue Temperatur, bei der ein fester Stoff flüssig wird. Die Siedetemperatur ist die genaue Temperatur, bei der ein flüssiger Stoff anfängt zu kochen und gasförmig wird.

Für reines Wasser gelten folgende Werte:

  • Schmelztemperatur von Wasser = 0 C0 \text{ }^\circ\text{C}

  • Siedetemperatur von Wasser = 100 C100 \text{ }^\circ\text{C}

Thermometer für Schmelz- und Siedetemperatur
Thermometer für Schmelz- und Siedetemperatur

Weil diese Temperaturen für jeden Stoff einzigartig sind, nennt man sie messbare Stoffeigenschaften. Wenn du im Labor eine unbekannte durchsichtige Flüssigkeit hast und misst, dass sie genau bei 100 C100 \text{ }^\circ\text{C} siedet, weißt du: Es muss Wasser sein!

Warum ist der Luftdruck wichtig?

Die Luft um uns herum hat ein Gewicht und drückt von oben auf alle Flüssigkeiten. Dieser Druck macht es der Flüssigkeit schwerer, gasförmig zu werden und als Bläschen aufzusteigen.

Luftdruck drückt auf eine Flüssigkeit
Luftdruck drückt auf eine Flüssigkeit

Wenn du auf einen hohen Berg steigst, ist dort weniger Luft über dir. Der Luftdruck ist schwächer. Weil die Luft weniger stark auf das Wasser drückt, kann das Wasser schon bei einer niedrigeren Temperatur kochen (zum Beispiel schon bei 70 C70 \text{ }^\circ\text{C}). Das ist der Grund, warum die Nudeln auf dem Mount Everest nicht weich werden: Das kochende Wasser ist dort einfach nicht heiß genug!

Damit Chemiker auf der ganzen Welt ihre Messwerte fair vergleichen können, haben sie sich auf einen Standard geeinigt: den Normdruck. Dieser beträgt genau 1013 hPa1013 \text{ hPa} (Hektopascal). Wenn du in einem Buch liest, dass Wasser bei 100 C100 \text{ }^\circ\text{C} siedet, gilt das immer nur für diesen Normdruck.

Wir messen die Siedetemperatur von Wasser

Zweck: Beobachten, was mit der Temperatur passiert, wenn Wasser kocht.

Materialien: 100 mL100 \text{ mL} Wasser, Becherglas, Thermometer, Stativmaterial, Heizplatte.

⚠️ Sicherheitshinweis: Vorsicht beim Umgang mit der heißen Heizplatte und dem kochenden Wasser. Verbrennungsgefahr! Schutzbrille tragen.

Durchführung:

  1. Fülle 100 mL100 \text{ mL} Wasser in das Becherglas und stelle es auf die Heizplatte.
  2. Befestige das Thermometer am Stativ, sodass es in das Wasser taucht, aber nicht den Boden des Becherglases berührt.
  3. Schalte die Heizplatte ein und lies jede Minute die Temperatur ab.
Experiment zur Siedetemperatur von Wasser
Experiment zur Siedetemperatur von Wasser

Beobachtung: Die Temperatur des Wassers steigt stetig an. Sobald das Wasser anfängt stark zu sprudeln (zu sieden), bleibt das Thermometer bei genau 100 C100 \text{ }^\circ\text{C} stehen. Die Temperatur steigt nicht weiter, obwohl die Heizplatte noch an ist.

Erklärung: Die Siedetemperatur von Wasser ist erreicht. Die gesamte Energie der Heizplatte wird nun genutzt, um das flüssige Wasser in gasförmigen Wasserdampf zu verwandeln. Erst wenn das gesamte Wasser verdampft wäre, könnte der Dampf noch heißer werden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Rufe die bekannten Stoffeigenschaften (wie die Siedetemperatur bei Normdruck) ab.
  2. Bestimme den Einfluss des Ortes und des Luftdrucks auf die Messung.
  3. Vergleiche die gemessenen Werte mit den bekannten Stoffeigenschaften.
  4. Ziehe deine Schlussfolgerung und identifiziere den Stoff.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Im Labor stehen drei unbeschriftete Flaschen mit durchsichtigen Flüssigkeiten. Du misst die Siedetemperaturen bei Normdruck (1013 hPa1013 \text{ hPa}):

  • Flüssigkeit A siedet bei 78 C78 \text{ }^\circ\text{C}.
  • Flüssigkeit B siedet bei 100 C100 \text{ }^\circ\text{C}.
  • Flüssigkeit C siedet bei 56 C56 \text{ }^\circ\text{C}.

Welche der drei Flüssigkeiten ist reines Wasser? Begründe deine Antwort.

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Die Stoffeigenschaft von Wasser abrufen

    Wir wissen, dass die Siedetemperatur eine feste Stoffeigenschaft ist. Für reines Wasser liegt diese bei Normdruck immer bei genau 100 C100 \text{ }^\circ\text{C}.

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Messwerte vergleichen

    Flüssigkeit B siedet bei 100 C100 \text{ }^\circ\text{C}. Daher muss Flüssigkeit B das reine Wasser sein. Die anderen Flüssigkeiten sind andere Stoffe (zum Beispiel Alkohol oder Aceton), da sie andere Siedetemperaturen haben.

Ergebnis:

Flüssigkeit B ist das reine Wasser, da sie bei exakt 100 C100 \text{ }^\circ\text{C} siedet.

Beispiel 2

Aufgabe

Ein Forscher kocht Wasser in einem Labor in einer Stadt am Meer (Normdruck 1013 hPa1013 \text{ hPa}). Ein anderer Forscher kocht Wasser in einer Forschungsstation hoch oben in den Alpen, wo der Luftdruck viel niedriger ist. Werden beide Forscher eine Siedetemperatur von 100 C100 \text{ }^\circ\text{C} messen? Erkläre, was passiert.

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Den Einfluss des Ortes auf den Luftdruck bestimmen

    Am Meer herrscht der normale Luftdruck (1013 hPa1013 \text{ hPa}). Hoch oben in den Alpen ist weniger Luft über dem Forscher, also ist der Luftdruck dort niedriger.

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Die Auswirkung auf das Wasser ableiten

    Nein, sie messen nicht die gleiche Temperatur. Der Forscher am Meer misst genau 100 C100 \text{ }^\circ\text{C}. In den Alpen drückt die Luft weniger stark auf das Wasser. Dadurch kann das Wasser leichter gasförmig werden und siedet schon bei einer niedrigeren Temperatur (unter 100 C100 \text{ }^\circ\text{C}).

Ergebnis:

Die Forscher messen unterschiedliche Temperaturen, da der niedrigere Luftdruck in den Alpen die Siedetemperatur senkt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Schmelztemperatur ist die Temperatur, bei der ein fester Stoff flüssig wird.
  • Die Siedetemperatur ist die Temperatur, bei der ein flüssiger Stoff gasförmig wird.
  • Diese Temperaturen sind Stoffeigenschaften: Jeder reine Stoff hat seine eigenen, unverwechselbaren Werte.
  • Für Wasser gilt: Schmelztemperatur = 0 C0 \text{ }^\circ\text{C}, Siedetemperatur = 100 C100 \text{ }^\circ\text{C}.
  • Siedetemperaturen werden immer für den Normdruck (1013 hPa1013 \text{ hPa}) angegeben, da ein niedrigerer Luftdruck (z. B. auf einem Berg) die Siedetemperatur sinken lässt.

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Häufige Fragen

Was sind Schmelz- und Siedetemperaturen?

Die Schmelztemperatur ist die Temperatur, bei der ein fester Stoff flüssig wird. Die Siedetemperatur ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit anfängt zu kochen und gasförmig wird. Beide sind einzigartige Stoffeigenschaften, an denen man reine Stoffe wie an einem Fingerabdruck erkennen kann.

Warum kocht Wasser auf einem Berg schneller?

Auf einem Berg ist der Luftdruck niedriger, weil weniger Luft von oben auf das Wasser drückt. Dadurch kann das Wasser leichter gasförmig werden und siedet schon bei einer niedrigeren Temperatur, zum Beispiel bei 70 °C statt bei den üblichen 100 °C.

Was ist der Normdruck in der Chemie?

Der Normdruck ist ein international festgelegter Standardwert von genau 1013 hPa (Hektopascal). Chemiker nutzen ihn, um Messwerte wie Siedetemperaturen weltweit fair vergleichen zu können, da der Luftdruck die Siedetemperatur stark beeinflusst.

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