Schmelz- und Siedetemperaturen einfach erklärt: Stoffe erkennen
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Stell dir vor, du hast zwei Gläser mit einer völlig klaren Flüssigkeit vor dir. Das eine ist normales Wasser, das andere ist reiner Alkohol. Wie kannst du sie unterscheiden? Daran riechen oder sie gar probieren, kann im Chemieraum sehr gefährlich sein!

Zum Glück hat jeder Stoff in der Natur eine Art unsichtbaren „Fingerabdruck“. Wasser verhält sich beim Erhitzen oder Einfrieren völlig anders als Alkohol oder Eisen. In diesem Artikel lernst du alles über Schmelz- und Siedetemperaturen, wie wir Stoffe damit ganz sicher identifizieren können und wie man sie in einem Diagramm sichtbar macht.
Schnellantwort
Die Schmelz- und Siedetemperaturen sind einzigartige, messbare Eigenschaften eines Stoffes. Die Schmelztemperatur ist die genaue Temperatur, bei der ein fester Stoff flüssig wird. Die Siedetemperatur ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit anfängt zu kochen und gasförmig wird. Da diese Werte für jeden Stoff spezifisch sind, wirken sie wie ein chemischer Fingerabdruck zur sicheren Identifikation.
Vorwissen
- Die drei Aggregatzustände: Stoffe können fest, flüssig oder gasförmig sein. Beispiel: Wasser ist als Eis fest, aus dem Wasserhahn flüssig und als Wasserdampf gasförmig.
- Thermometer ablesen: Ein Gerät, um die Temperatur in Grad Celsius () zu messen. Beispiel: Wenn das rote Wasser im Thermometer bis zur Zahl 20 steigt, beträgt die Temperatur .
Aufgabentyp 1: Einen Stoff aus einem Diagramm identifizieren
Einige Eigenschaften von Stoffen, wie Farbe oder Geruch, können wir direkt sehen oder riechen. Andere Eigenschaften müssen wir messen. Zwei der wichtigsten messbaren Eigenschaften sind die Schmelztemperatur und die Siedetemperatur.
Wenn wir einen festen Stoff erhitzen, wird er irgendwann flüssig. Die genaue Temperatur, bei der das passiert, nennen wir Schmelztemperatur. Erhitzen wir die Flüssigkeit weiter, fängt sie irgendwann an zu kochen und wird zu Gas. Das passiert bei der Siedetemperatur.

Das Besondere daran ist: Wenn wir den Stoff wieder abkühlen, passieren die umgekehrten Vorgänge bei genau denselben Temperaturen!
- Flüssig zu Fest (Erstarren): Wasser gefriert zu Eis bei exakt . Das ist dieselbe Temperatur wie die Schmelztemperatur von Eis.
- Gas zu Flüssig (Kondensieren): Wasserdampf wird wieder zu flüssigem Wasser bei exakt . Das ist dieselbe Temperatur wie die Siedetemperatur.
Weil diese Temperaturen für jeden Stoff einzigartig sind, können wir sie wie einen Fingerabdruck nutzen, um unbekannte Stoffe zu identifizieren. Hier sind einige Beispiele:
Um die Siedetemperatur eines unbekannten Stoffes herauszufinden, müssen wir ihn erhitzen und dabei kontinuierlich messen. Wir lesen die Temperatur in regelmäßigen Zeitabständen (zum Beispiel jede Minute) ab und tragen die Werte in eine Tabelle ein.
Aus dieser Tabelle können wir ein Diagramm zeichnen: Ein sogenanntes Temperatur-Zeit-Diagramm oder auch Erhitzungskurve. Dabei tragen wir die Zeit auf der waagerechten Achse (x-Achse) und die Temperatur auf der senkrechten Achse (y-Achse) ein. Wenn wir die Punkte verbinden, entsteht eine Linie.

Das Wichtigste an diesem Diagramm ist das Plateau (die waagerechte Linie). Wenn Wasser erhitzt wird, steigt die Temperatur zunächst stetig an. Aber sobald das Wasser bei zu sieden beginnt, passiert etwas Erstaunliches: Das Thermometer zeigt keinen weiteren Temperaturanstieg mehr an!
Die Linie im Diagramm wird völlig waagerecht. Die gesamte Energie der Herdplatte wird nun genutzt, um das flüssige Wasser in Gas (Wasserdampf) zu verwandeln. Erst wenn das gesamte Wasser verdampft ist, könnte die Temperatur des Gases weiter steigen.
Wir messen die Siedetemperatur von Wasser
Zweck: Wir wollen beobachten, dass die Temperatur beim Sieden nicht weiter ansteigt.
Materialien: Becherglas, Wasser, Thermometer, Heizplatte, Stoppuhr.
⚠️ Sicherheitshinweis: Heißes Wasser und die heiße Heizplatte können zu schweren Verbrennungen führen. Schutzbrille tragen und das heiße Becherglas nur mit einer Tiegelzange berühren.
Durchführung:
- Fülle das Wasser in das Becherglas und stelle es auf die Heizplatte.
- Tauche das Thermometer in das Wasser.
- Schalte die Heizplatte ein und starte gleichzeitig die Stoppuhr.
- Lies jede Minute die Temperatur auf dem Thermometer ab und notiere sie.

Beobachtung: In den ersten Minuten steigt die Temperatur auf dem Thermometer schnell an. Sobald das Wasser stark sprudelt (kocht), bleibt die rote Säule im Thermometer exakt bei stehen, egal wie lange wir weiter erhitzen.
Erklärung: Die Temperatur bleibt konstant, weil der Stoff seinen Aggregatzustand ändert. Diese konstante Temperatur ist die Siedetemperatur.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Finde das Plateau im Diagramm: Suche in der Erhitzungskurve nach der Stelle, an der die Linie völlig waagerecht verläuft (nicht mehr ansteigt).
- Lies die Temperatur ab: Gehe von dieser waagerechten Linie gerade nach links zur y-Achse (Temperaturachse) und lies den Wert ab. Das ist die Schmelz- oder Siedetemperatur.
- Vergleiche mit einer Tabelle: Nimm eine Tabelle mit Stoffeigenschaften zur Hand. Suche den Stoff, der genau diese Temperatur als Schmelz- oder Siedepunkt hat.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Du hast eine unbekannte, klare Flüssigkeit. Du erhitzt sie und misst die Temperatur. Die Flüssigkeit beginnt zu kochen und die Temperatur bleibt konstant bei stehen. Nutze eine Recherche oder dein Wissen, um herauszufinden, um welchen Stoff es sich handeln könnte.
- Schritt 1Finde das Plateau im Diagramm
Die Aufgabe sagt uns bereits, dass die Temperatur bei konstant bleibt. Das ist unser Plateau beim Kochen.
- Schritt 2Lies die Temperatur ab
Die Siedetemperatur beträgt also .
- Schritt 3 · ErgebnisVergleiche mit einer Tabelle
Wenn wir in einer chemischen Tabelle nachschauen, finden wir heraus, dass Alkohol (Ethanol) eine Siedetemperatur von hat.
Die unbekannte Flüssigkeit ist Alkohol.
Quiz zu Schmelz: Teste dein Wissen
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Quizfrage 1 zu Schmelz
Was beschreibt die Schmelztemperatur eines Stoffes?
Quizfrage 2 zu Schmelz
Nur mit AccountBei welcher Temperatur gefriert flüssiges Wasser zu Eis?
Übungsaufgabe zu Schmelz
Nur mit AccountBeispiel 2
Ein Feststoff wird erhitzt. Das Temperatur-Zeit-Diagramm zeigt, dass die Temperatur stetig steigt, dann für 5 Minuten bei exakt waagerecht verläuft, und danach weiter ansteigt. Welcher Stoff wurde hier geschmolzen?
- Schritt 1Finde das Plateau im Diagramm
Das Diagramm verläuft bei waagerecht.
- Schritt 2Lies die Temperatur ab
Da der Stoff vorher fest war, ist diese waagerechte Linie die Schmelztemperatur. Sie liegt bei .
- Schritt 3 · ErgebnisVergleiche mit einer Tabelle
Ein Blick in die Tabelle aus dem ersten Abschnitt zeigt: Eisen hat eine Schmelztemperatur von .
Der Feststoff ist Eisen.
Wichtige Erkenntnisse
- Schmelz- und Siedetemperaturen sind einzigartige Eigenschaften, mit denen man Stoffe identifizieren kann.
- Schmelzen und Erstarren passieren bei derselben Temperatur. Sieden und Kondensieren ebenfalls.
- In einem Temperatur-Zeit-Diagramm (Erhitzungskurve) erkennt man einen Phasenübergang an einer waagerechten Linie (Plateau).
- Während ein Stoff schmilzt oder siedet, bleibt seine Temperatur völlig konstant, auch wenn weiter erhitzt wird.
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Häufige Fragen
Was sind Schmelz- und Siedetemperaturen?
Die Schmelz- und Siedetemperaturen sind stoffspezifische Eigenschaften. Die Schmelztemperatur ist der Punkt, an dem ein fester Stoff flüssig wird. Die Siedetemperatur ist der Punkt, an dem eine Flüssigkeit zu sieden beginnt und gasförmig wird. Sie wirken wie ein „Fingerabdruck“ zur Identifikation von Stoffen.
Warum bleibt die Temperatur beim Sieden konstant?
Während ein Stoff siedet, wird die gesamte zugeführte Energie genutzt, um den Aggregatzustand von flüssig zu gasförmig zu ändern. Deshalb steigt die Temperatur nicht weiter an, bis die gesamte Flüssigkeit verdampft ist. Im Temperatur-Zeit-Diagramm zeigt sich das als waagerechtes Plateau.
Wie liest man eine Erhitzungskurve richtig ab?
In einer Erhitzungskurve suchst du nach dem Plateau, also der Stelle, an der die Linie waagerecht verläuft. Gehe von dort nach links zur y-Achse und lies die Temperatur ab. Vergleiche diesen Wert anschließend mit einer Tabelle für Stoffeigenschaften, um den Stoff zu identifizieren.
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