Schweflige Säure einfach erklärt: Bildung, Zerfall & Protolyse
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Stell dir vor, du hast schweflige Säure in einem Becherglas. Sie sieht aus wie normales Wasser und verhält sich auch wie eine typische Säure. Doch sobald du das Glas auf eine heiße Herdplatte stellst, beginnt die Flüssigkeit wild zu sprudeln und die Säure löst sich buchstäblich in Luft auf!

Genau dieses faszinierende Verhalten zeigt die sogenannte schweflige Säure. In diesem Artikel werden wir herausfinden, wie man aus einem unsichtbaren Gas diese besondere Säure herstellt, warum sie so hitzeempfindlich ist und wie sie ihre sauren Eigenschaften im Wasser Schritt für Schritt entfaltet.
Vorwissen
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Nichtmetalloxide und Wasser: Gase aus Nichtmetallen (wie Kohlenstoffdioxid) reagieren mit Wasser zu sauren Lösungen.
Beispiel: und Wasser reagieren zu Kohlensäure.
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Protolyse (Protonenübertragung): Säuren geben Wasserstoff-Ionen (Protonen, ) an Wasser ab. Dabei entstehen Oxonium-Ionen ().
Beispiel: Chlorwasserstoff () gibt ein an Wasser ab, es entstehen und .
Aufgabentyp 1: Bildung, Protolyse und Instabilität der schwefligen Säure
Um die schweflige Säure richtig zu verstehen, schauen wir uns ihre Bildung, ihren Zerfall und ihre Eigenschaften im Wasser genauer an.
1. Die Bildung
Schweflige Säure entsteht, wenn man das Gas Schwefeldioxid () in Wasser einleitet. Das Gas verbindet sich mit dem Wasser zu einem neuen Molekül.

Die Reaktionsgleichung dafür lautet:
2. Die Instabilität (Der Zerfall)
Schweflige Säure ist eine sehr unbeständige Säure. Das bedeutet, sie fällt leicht wieder auseinander, besonders wenn man sie erhitzt. Sie zerfällt dann exakt in die Bausteine, aus denen sie entstanden ist: Wasser und Schwefeldioxid-Gas. Die Gleichung ist einfach die Umkehrung der Bildung:
3. Die zweistufige Protolyse
Wenn schweflige Säure in Wasser vorliegt, verhält sie sich wie eine typische Säure: Sie gibt Wasserstoff-Ionen () ab. Da sie aber zwei davon besitzt (), gibt sie diese nicht auf einmal ab, sondern nacheinander in zwei Stufen:
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Stufe 1: Die Säure gibt ihr erstes an ein Wasser-Molekül ab. Es entsteht ein Oxonium-Ion () und ein Rest-Teilchen, das noch ein Wasserstoffatom besitzt. Dieses Rest-Teilchen nennt man Hydrogensulfit-Ion.
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Stufe 2: Das Hydrogensulfit-Ion kann nun sein zweites an ein weiteres Wasser-Molekül abgeben. Es entsteht wieder ein Oxonium-Ion und das endgültige Rest-Teilchen ganz ohne Wasserstoff: das Sulfit-Ion.
4. Die zwei Arten von Salzen
Weil die schweflige Säure zwei verschiedene Rest-Teilchen (Anionen) bilden kann, bildet sie auch zwei verschiedene Reihen von Salzen:
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Hydrogensulfite: Salze, die das -Ion enthalten (z. B. Calciumhydrogensulfit, ).
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Sulfite: Salze, die das -Ion enthalten (z. B. Magnesiumsulfit, ).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn eine Säure mehrere Wasserstoff-Ionen () besitzt, gibt sie diese schrittweise ab. So stellst du die Gleichungen fehlerfrei auf:
- Schritt 1: Die erste Stufe formulieren – Lass die Start-Säure mit Wasser () reagieren. Nimm genau ein von der Säure weg und gib es dem Wasser. Das Wasser wird zu . Das Säure-Rest-Teilchen erhält eine negative Ladung ().
- Schritt 2: Das Zwischenprodukt identifizieren – Nimm das negativ geladene Rest-Teilchen aus Schritt 1. Es hat immer noch mindestens ein Wasserstoffatom in seiner Formel. Dies ist dein neuer Startstoff für die zweite Stufe.
- Schritt 3: Die zweite Stufe formulieren – Lass das Rest-Teilchen aus Schritt 2 erneut mit einem neuen Wasser-Molekül reagieren. Nimm das nächste weg. Das Wasser wird wieder zu . Das neue Rest-Teilchen erhält nun eine zweifach negative Ladung ().
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Formuliere die Reaktionsgleichungen für die zweistufige Protolyse der schwefligen Säure () in Wasser und benenne die beiden entstehenden Säurerest-Ionen.
- Schritt 1Die erste Stufe formulieren
Die schweflige Säure gibt ein an das Wasser ab. Aus wird .
Das entstandene Ion heißt Hydrogensulfit-Ion.
- Schritt 2Das Zwischenprodukt identifizieren
Wir nehmen das Hydrogensulfit-Ion () als neuen Startstoff für die nächste Reaktion.
- Schritt 3 · ErgebnisDie zweite Stufe formulieren
Das Hydrogensulfit-Ion gibt sein letztes an ein weiteres Wasser-Molekül ab. Aus wird .
Das endgültige Ion heißt Sulfit-Ion.
Die zweistufige Protolyse liefert im ersten Schritt das Hydrogensulfit-Ion () und im zweiten Schritt das Sulfit-Ion ().
Quiz zu Schweflige Säure: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Schweflige Säure und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Schweflige Säure
Was entsteht laut dem Artikel, wenn Gase aus Nichtmetallen mit Wasser reagieren?
Quizfrage 2 zu Schweflige Säure
Nur mit AccountWie lautet die Reaktionsgleichung für die Bildung von schwefliger Säure?
Übungsaufgabe zu Schweflige Säure
Nur mit AccountAufgabentyp 2: Lehrerversuch – Der Zerfall der schwefligen Säure
Hier betrachten wir praktisch, was passiert, wenn man die unbeständige schweflige Säure erhitzt.
Zweck: Wir wollen beobachten, was passiert, wenn man die unbeständige schweflige Säure erhitzt.
Materialien: Verdünnte schweflige Säure, Reagenzglas, Reagenzglashalter, Bunsenbrenner.
⚠️ Sicherheitshinweis: Schwefeldioxid-Gas ist giftig und reizt die Atemwege. Dieser Versuch darf nur von der Lehrkraft unter einem eingeschalteten Abzug durchgeführt werden!
Durchführung:
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Die Lehrkraft füllt etwas verdünnte schweflige Säure in ein Reagenzglas.
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Das Reagenzglas wird vorsichtig über der Flamme des Bunsenbrenners erhitzt.

Beobachtung: Schon bei leichtem Erhitzen beginnt die Flüssigkeit stark zu sprudeln. Es steigen viele Gasblasen auf. Ein stechender Geruch (ähnlich wie beim Anzünden eines Streichholzes) ist wahrnehmbar.
Erklärung: Die Hitze liefert die Energie, um die schweflige Säure zu zerstören. Sie zerfällt in flüssiges Wasser und gasförmiges Schwefeldioxid (). Das Gas steigt als Bläschen auf und verursacht den stechenden Geruch.
Wichtige Erkenntnisse
- Bildung: Schwefeldioxid und Wasser reagieren zu schwefliger Säure ().
- Instabilität: Beim Erhitzen zerfällt die Säure sofort wieder in Wasser und Schwefeldioxid-Gas.
- Protolyse: Sie gibt ihre Protonen in zwei Stufen ab. Dabei entstehen zuerst Hydrogensulfit-Ionen () und dann Sulfit-Ionen ().
- Salze: Die schweflige Säure bildet zwei Arten von Salzen: Hydrogensulfite und Sulfite.
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Häufige Fragen
Was ist schweflige Säure?
Die schweflige Säure (Formel H₂SO₃) ist eine unbeständige Säure, die entsteht, wenn sich Schwefeldioxid in Wasser löst. Sie verhält sich wie eine typische Säure und gibt in wässriger Lösung Protonen ab, zerfällt jedoch bei Erwärmung schnell wieder in ihre Ausgangsstoffe.
Wie entsteht schweflige Säure?
Sie bildet sich, wenn man das Gas Schwefeldioxid (SO₂) in Wasser (H₂O) einleitet. Das Gas verbindet sich mit dem Wasser zu einem neuen Molekül. Die Reaktionsgleichung lautet: H₂O + SO₂ → H₂SO₃.
Warum zerfällt schweflige Säure beim Erhitzen?
Schweflige Säure ist sehr instabil. Die Hitze liefert die nötige Energie, um die Moleküle wieder zu trennen. Dabei zerfällt die Säure exakt in die Bausteine, aus denen sie entstanden ist: flüssiges Wasser und gasförmiges Schwefeldioxid, das als Bläschen aufsteigt.
Was ist der Unterschied zwischen Sulfit und Hydrogensulfit?
Beides sind Salze der schwefligen Säure, die durch die zweistufige Protolyse entstehen. Hydrogensulfite enthalten das HSO₃⁻-Ion, das noch ein Wasserstoffatom besitzt (erste Stufe). Sulfite enthalten das SO₃²⁻-Ion, das kein Wasserstoffatom mehr besitzt (zweite Stufe).
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