Van-der-Waals-Kräfte einfach erklärt: London- & Dipol-Kräfte

Lerne alles über Van-der-Waals-Kräfte, London-Dispersionskräfte und Dipol-Dipol-Wechselwirkungen. Einfach erklärt mit Schritt-für-Schritt Beispielen.

📅 Aktualisiert 27. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Van-der-Waals-Kräfte einfach erklärt: London- & Dipol-Kräfte

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Student thinking

Hast du dich jemals gefragt, wie ein Gecko kopfüber an einer glatten Glasscheibe laufen kann, ohne herunterzufallen? Er benutzt keinen Kleber, keine Saugnäpfe und keinen Klettverschluss! Das Geheimnis liegt in winzigen, unsichtbaren Kräften zwischen den Molekülen seiner Füße und dem Glas – den Van-der-Waals-Kräften.

Gecko an einer Glasscheibe
Gecko an einer Glasscheibe

In diesem Artikel lernst du genau diese unsichtbaren Kräfte kennen. Du erfährst, wie Moleküle sich gegenseitig anziehen können, selbst wenn sie gar nicht fest miteinander verbunden sind, und warum manche dieser Anziehungskräfte stärker sind als andere.

Vorwissen

  • Kovalente Bindung (Elektronenpaarbindung): Atome teilen sich Elektronen, um stabile Moleküle zu bilden. Beispiel: In einem Wassermolekül teilen sich Sauerstoff und Wasserstoff die Elektronen.
  • Elektronegativität (EN): Ein Maß dafür, wie stark ein Atom in einer Bindung die geteilten Elektronen an sich zieht (wie beim Tauziehen). Beispiel: Sauerstoff zieht stärker an den Elektronen als Wasserstoff.
  • Dipol: Ein Molekül, das zwei unterschiedliche Pole hat – ein leicht positives Ende und ein leicht negatives Ende (Partialladungen). Beispiel: Weil Sauerstoff die Elektronen stärker anzieht, wird seine Seite des Wassermoleküls leicht negativ, die andere leicht positiv.

Aufgabentyp 1: Die Art der zwischenmolekularen Kraft bestimmen

Bisher haben wir uns chemische Bindungen innerhalb von Molekülen angesehen. Nun schauen wir uns zwischenmolekulare Kräfte an. Das sind Kräfte, die zwischen ganzen Molekülen wirken. Sie sind wie kleine Magnete, die Moleküle zusammenhalten, aber sie sind viel schwächer als echte chemische Bindungen.

Es gibt zwei wichtige Arten, die unter dem Überbegriff Van-der-Waals-Kräfte zusammengefasst werden:

1. London-Dispersionskräfte (Temporäre Dipole) Stell dir ein unpolares Atom vor, zum Beispiel ein Edelgas. Normalerweise sind die negativen Elektronen gleichmäßig um den positiven Atomkern verteilt. Aber Elektronen bewegen sich ständig rasend schnell, fast wie ein wilder Bienenschwarm. Durch reinen Zufall können sich für einen winzigen Augenblick fast alle Elektronen auf einer Seite des Atoms ansammeln. Diese Seite wird dadurch kurzzeitig negativ, die andere Seite positiv. Das nennt man eine spontane, asymmetrische Elektronenverteilung.

Temporärer Dipol im Atom
Temporärer Dipol im Atom

Das Atom ist nun für den Bruchteil einer Sekunde ein temporärer Dipol (ein Dipol auf Zeit). Wenn dieser temporäre Dipol nun einem anderen Atom nahe kommt, passiert etwas Spannendes: Seine negative Seite stößt die Elektronen des Nachbaratoms ab und schiebt sie auf die andere Seite. Er zwingt dem Nachbarn also ebenfalls einen Dipol auf. Das nennt man einen induzierten Dipol.

Induzierter Dipol beim Nachbaratom
Induzierter Dipol beim Nachbaratom

Jetzt haben wir ein leicht positives und ein leicht negatives Ende, die sich gegenseitig anziehen. Diese schwache, elektrostatische Anziehung nennt man London-Dispersionskräfte (oder kurz London-Kräfte). Sie treten bei allen unpolaren Stoffen auf, zum Beispiel zwischen Edelgasatomen, Alkan-Molekülen (wie Methan, CH4\text{CH}_4) oder Iod-Molekülen (I2\text{I}_2) in einem Kristallgitter.

2. Dipol-Dipol-Kräfte (Permanente Dipole) Manche Moleküle müssen nicht auf den Zufall warten, um ein Dipol zu werden. Sie sind permanente Dipole – sie haben immer einen Plus- und einen Minuspol. Das passiert, wenn Atome mit unterschiedlicher Elektronegativität verbunden sind und das Molekül asymmetrisch gebaut ist. Ein Atom zieht beim Tauziehen die Elektronen dauerhaft stärker zu sich heran. Dadurch entstehen feste Partialladungen (Teilladungen).

Wenn sich solche Moleküle treffen, richten sie sich wie kleine Magnete aus: Der Pluspol des einen Moleküls zieht den Minuspol des anderen Moleküls an. Diese Anziehung nennt man Dipol-Dipol-Kräfte.

Dipol-Dipol-Wechselwirkung zwischen Molekülen
Dipol-Dipol-Wechselwirkung zwischen Molekülen

Da diese Pole immer vorhanden sind und nicht nur zufällig für einen Bruchteil einer Sekunde entstehen, sind Dipol-Dipol-Kräfte in der Regel deutlich stärker als die London-Kräfte. Beispiele für Moleküle mit permanenten Dipolen sind Chlormethan (CH3Cl\text{CH}_3\text{Cl}), Chlorfluorid (ClF\text{ClF}), Bromfluorid (BrF\text{BrF}) und Dimethylether (CH3OCH3\text{CH}_3\text{OCH}_3).

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wenn du herausfinden sollst, welche Kräfte zwischen den Molekülen eines Stoffes wirken, kannst du diesen Plan nutzen:

  1. Schritt 1: Prüfe auf permanente Dipole. Schau dir das Molekül an. Gibt es einen Unterschied in der Elektronegativität zwischen den Atomen? Ist das Molekül asymmetrisch gebaut, sodass sich die Ladungen nicht gegenseitig aufheben?
  2. Schritt 2: Kraft zuordnen. Wenn JA (es ist ein polarer Stoff): Das Molekül ist ein permanenter Dipol. Es wirken Dipol-Dipol-Kräfte (und zusätzlich immer auch schwache London-Kräfte). Wenn NEIN (es ist ein unpolarer Stoff): Das Molekül hat keine festen Pole. Es können sich nur temporäre Dipole bilden. Es wirken ausschließlich London-Kräfte.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Welche zwischenmolekularen Kräfte wirken hauptsächlich zwischen den Molekülen von Methan (CH4\text{CH}_4)? Begründe deine Antwort.

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Prüfe auf permanente Dipole

    Methan besteht aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Der Elektronegativitätsunterschied ist sehr gering. Außerdem ist das Molekül völlig symmetrisch aufgebaut. Es gibt keine dauerhaften Partialladungen.

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Kraft zuordnen

    Da Methan ein unpolares Molekül ist, können sich nur durch zufällige Elektronenbewegungen temporäre Dipole bilden.

Ergebnis:

Daher wirken zwischen Methan-Molekülen ausschließlich London-Kräfte.

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Quizfrage 1 zu Van

Was beschreibt die Elektronegativität in einer kovalenten Bindung?

Quizfrage 2 zu Van

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Wie entsteht ein temporärer Dipol bei unpolaren Atomen?

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Übungsaufgabe zu Van

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Beispiel 2

Aufgabe

Welche zwischenmolekularen Kräfte wirken hauptsächlich zwischen den Molekülen von Chlormethan (CH3Cl\text{CH}_3\text{Cl})? Begründe deine Antwort.

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Prüfe auf permanente Dipole

    Chlor ist deutlich elektronegativer als Kohlenstoff und Wasserstoff. Es zieht die Elektronen stark zu sich heran. Da das Molekül asymmetrisch ist (ein Chloratom, drei Wasserstoffatome), heben sich die Ladungen nicht auf. Das Chlor-Ende ist dauerhaft negativ geladen, das andere Ende positiv.

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Kraft zuordnen

    Da Chlormethan ein permanenter Dipol ist, ziehen sich die festen Plus- und Minuspole der Moleküle gegenseitig an.

Ergebnis:

Es wirken hauptsächlich Dipol-Dipol-Kräfte.

Wichtige Erkenntnisse

  • Zwischenmolekulare Kräfte wirken zwischen Molekülen und sind viel schwächer als echte chemische Bindungen.
  • London-Kräfte: Entstehen durch zufällige, temporäre Dipole in unpolaren Stoffen (z. B. Alkane, Edelgase).
  • Dipol-Dipol-Kräfte: Entstehen zwischen permanenten Dipolen (polaren Molekülen) und sind meist stärker als London-Kräfte.
  • Van-der-Waals-Kräfte: Ist der Überbegriff für Wechselwirkungen, die auf Dipolen beruhen (sowohl temporär als auch permanent).

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Häufige Fragen

Was sind Van-der-Waals-Kräfte?

Van-der-Waals-Kräfte ist der chemische Überbegriff für alle schwachen Wechselwirkungen zwischen Molekülen, die auf Dipolen beruhen. Dazu zählen sowohl die London-Dispersionskräfte (bei temporären Dipolen) als auch die Dipol-Dipol-Kräfte (bei permanenten Dipolen). Sie sind deutlich schwächer als echte kovalente Bindungen innerhalb eines Moleküls.

Was ist der Unterschied zwischen London-Kräften und Dipol-Dipol-Kräften?

London-Kräfte treten bei unpolaren Molekülen auf und entstehen durch zufällige, nur kurzzeitig existierende (temporäre) Dipole. Dipol-Dipol-Kräfte hingegen wirken zwischen polaren Molekülen, die aufgrund von Elektronegativitätsunterschieden dauerhafte (permanente) Plus- und Minuspole besitzen. Dipol-Dipol-Kräfte sind in der Regel stärker.

Wie entstehen temporäre Dipole?

Elektronen in einem Atom oder Molekül bewegen sich ständig. Durch reinen Zufall können sich für einen winzigen Moment mehr Elektronen auf der einen Seite ansammeln als auf der anderen. Dadurch entsteht eine spontane, asymmetrische Elektronenverteilung – die eine Seite wird kurzzeitig negativ, die andere positiv. Das Molekül wird zu einem temporären Dipol.

Wann wirken ausschließlich London-Kräfte?

Ausschließlich London-Kräfte wirken bei unpolaren Stoffen. Das sind Moleküle, bei denen es keinen nennenswerten Unterschied in der Elektronegativität gibt oder die völlig symmetrisch aufgebaut sind (wie Methan oder Edelgase). Da sie keine permanenten Pole haben, können sie sich nur über temporäre Dipole anziehen.

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