Elektromagnetische Induktion & Lenzsche Regel einfach erklärt
Erklärvideo – jetzt freischalten
Hast du schon einmal eine Schütteltaschenlampe gesehen? Sie braucht keine Batterien. Du schüttelst sie einfach, und sie leuchtet! Aber wie wird aus reiner Bewegung plötzlich Strom?

Das Geheimnis dahinter ist die elektromagnetische Induktion und die Lenzsche Regel. In dieser Lektion lernst du, wie Magnete und Spulen zusammenarbeiten, um Spannung zu erzeugen, und warum die Natur dabei manchmal ziemlich „stur“ reagiert.
Vorwissen
- Magnetfeld (): Gibt an, wie stark ein Magnetfeld ist. Beispiel: Ein starker Neodym-Magnet hat eine hohe magnetische Flussdichte .
- Änderungsrate: Beschreibt, wie schnell sich ein Wert in einer bestimmten Zeit ändert. Beispiel: Die Geschwindigkeit ist die Änderungsrate des Ortes.
Aufgabentyp 1: Magnetischer Fluss und das Induktionsgesetz
Um zu verstehen, wie die Taschenlampe funktioniert, müssen wir uns ansehen, wie viel Magnetfeld durch eine Spule strömt. Das nennen wir den magnetischen Fluss ().
Stell dir vor, du hältst einen Ring in den Regen. Der Regen ist das Magnetfeld (Flussdichte ) und der Ring ist die wirksame Fläche (). Je größer der Ring oder je stärker der Regen, desto mehr Wasser (Fluss) geht hindurch.
Formel:

Das Wichtigste bei der Induktion ist Veränderung. Eine Spule reagiert nicht auf ein ruhendes Magnetfeld. Nur wenn sich der magnetische Fluss ändert, entsteht eine induzierte Spannung ().
Das Induktionsgesetz lautet:
- ist die Anzahl der Windungen der Spule.
- Der Punkt über dem bedeutet „Änderung pro Zeit“ (wie schnell es sich ändert).
Ein Fluss kann sich auf zwei Arten ändern:
- Die Fläche ändert sich (z. B. wenn man die Spule zusammendrückt).
- Das Magnetfeld ändert sich (z. B. wenn man einen Magneten bewegt, wie in der Taschenlampe).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Was ändert sich? Finde heraus, ob sich die Fläche () oder das Magnetfeld () ändert. Der andere Wert bleibt konstant.
- Änderungsrate berechnen: Berechne, wie schnell sich der Wert ändert. Wenn sich das Magnetfeld gleichmäßig ändert, rechnest du: .
- Induktionsgesetz anwenden: Setze die Werte in die Formel ein. Wenn sich das Magnetfeld ändert, lautet die Formel: .
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Eine Spule mit Windungen und einer wirksamen Fläche von befindet sich in einem Magnetfeld. Die magnetische Flussdichte steigt in gleichmäßig von auf . Berechne die induzierte Spannung.

- Schritt 1Was ändert sich?
Die Fläche bleibt konstant bei . Das Magnetfeld ändert sich.
- Schritt 2Änderungsrate berechnen
Wir berechnen die Änderung des Magnetfeldes pro Sekunde:
- Schritt 3 · ErgebnisInduktionsgesetz anwenden
Wir setzen alles in die angepasste Formel ein:
Die induzierte Spannung beträgt . Realitätscheck: Die Einheit ist Volt (), was für eine Spannung korrekt ist. Der Wert ist klein, was für eine einfache Spule realistisch ist.
Quiz zu Elektromagnetische Induktion & Lenzsche Regel: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Elektromagnetische Induktion & Lenzsche Regel und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Elektromagnetische Induktion & Lenzsche Regel
Wie berechnet man den magnetischen Fluss durch eine Spule?
Quizfrage 2 zu Elektromagnetische Induktion & Lenzsche Regel
Nur mit AccountUnter welcher Bedingung entsteht in einer Spule eine induzierte Spannung?
Übungsaufgabe zu Elektromagnetische Induktion & Lenzsche Regel
Nur mit AccountAufgabentyp 2: Lenzsche Regel und Energieerhaltung
Vielleicht ist dir das Minuszeichen in der Formel aufgefallen. Dieses kleine Zeichen hat eine riesige Bedeutung in der Physik: Es steht für die Lenzsche Regel.
Die Lenzsche Regel besagt: Die induzierte Spannung ist immer so gepolt, dass sie ihrer Ursache entgegenwirkt.
Die Natur ist gewissermaßen „stur“ und wehrt sich gegen Veränderungen.

Stell dir vor, du schiebst den Nordpol eines Magneten in eine Spule. Die Spule „mag“ diese Veränderung nicht. Der induzierte Strom erzeugt ein eigenes Magnetfeld, das an der Öffnung ebenfalls einen Nordpol bildet. Nordpol und Nordpol stoßen sich ab! Du musst also Kraft aufwenden, um den Magneten weiter hineinzuschieben.
Warum ist das so?
Der Grund dafür ist die Energieerhaltung. Würde die Spule einen Südpol bilden, würde sie den Magneten anziehen. Der Magnet würde immer schneller werden, noch mehr Strom erzeugen und sich selbst beschleunigen – wir hätten unendlich viel Energie aus dem Nichts erschaffen (ein Perpetuum Mobile).
Da Energie aber nicht aus dem Nichts entstehen kann, musst du mechanische Arbeit verrichten (gegen die Abstoßung drücken), um elektrische Energie zu gewinnen.
Der fallende Magnet im Kupferrohr
Zweck: Wir machen die unsichtbare Gegenwehr der Lenzschen Regel sichtbar.
Materialien: Ein langes Kupferrohr, ein starker Neodym-Magnet, ein unmagnetisches Stück Eisen.
⚠️ Sicherheitshinweis: Starke Neodym-Magnete können beim unvorsichtigen Hantieren die Haut einklemmen. Vorsichtig greifen!
Durchführung:
- Halte das Kupferrohr senkrecht in der Luft.
- Lass das normale Stück Eisen oben in das Rohr fallen und beobachte, wie schnell es unten ankommt.
- Lass danach den Neodym-Magneten in das Rohr fallen.

Beobachtung: Das Eisenstück fällt in Sekundenbruchteilen ganz normal hindurch. Der Magnet hingegen schwebt fast in Zeitlupe durch das Rohr und braucht viel länger, bis er unten herausfällt.
Erklärung: Kupfer ist nicht magnetisch, aber es leitet Strom. Wenn der Magnet fällt, ändert sich der magnetische Fluss im Rohr. Das induziert einen Strom im Kupfer. Nach der Lenzschen Regel erzeugt dieser Strom ein eigenes Magnetfeld, das dem fallenden Magneten entgegenwirkt. Es drückt ihn nach oben und bremst seinen Fall ab!
Wichtige Erkenntnisse
- Der magnetische Fluss ist das Produkt aus Fläche und Magnetfeld: .
- Induktion entsteht nur durch Veränderung. Das Induktionsgesetz lautet: .
- Lenzsche Regel: Der induzierte Strom wehrt sich gegen seine Ursache (daher das Minuszeichen).
- Dies ist eine direkte Folge der Energieerhaltung: Elektrische Energie entsteht nur, weil wir mechanische Arbeit gegen diesen Widerstand verrichten.
Stell deine eigene Aufgabe zu „Elektromagnetische Induktion & Lenzsche Regel einfach erklärt“
Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.
Häufige Fragen
Was ist die elektromagnetische Induktion und die Lenzsche Regel?
Die elektromagnetische Induktion ist ein Vorgang, bei dem durch die Änderung eines Magnetfeldes eine elektrische Spannung erzeugt wird. Die Lenzsche Regel besagt dabei, dass der induzierte Strom immer so gerichtet ist, dass er seiner Ursache entgegenwirkt. Das ist der Grund für das Minuszeichen im Induktionsgesetz.
Wie berechnet man die Induktionsspannung?
Die Induktionsspannung berechnest du mit dem Induktionsgesetz: U = −N · Φ̇. Du brauchst dafür die Windungszahl N der Spule und die Änderungsrate des magnetischen Flusses. Der Fluss ändert sich, wenn sich entweder das Magnetfeld oder die durchsetzte Fläche ändert.
Warum fällt ein Magnet im Kupferrohr langsamer?
Das ist ein klassisches Experiment zur Lenzschen Regel. Der fallende Magnet ändert den magnetischen Fluss im Kupferrohr und induziert dort einen Strom. Dieser Strom erzeugt ein eigenes Magnetfeld, das dem Magneten entgegenwirkt und ihn so beim Fallen abbremst.
Weiter lernen
Physik nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Physik-Themen