Kreisbewegung und Bezugssysteme einfach erklärt: Die Fliehkraft
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Stell dir vor, du sitzt als Beifahrer in einem Auto. Plötzlich lenkt der Fahrer scharf nach links. Was passiert? Du wirst scheinbar mit voller Wucht nach rechts gegen die Autotür gedrückt!

Aber gibt es da wirklich eine unsichtbare Hand, die dich nach außen schiebt? Wenn wir uns das Thema Kreisbewegung und Bezugssysteme ansehen, hängt die Antwort auf diese Frage davon ab, von wo aus man das Geschehen beobachtet. In dieser Lektion werden wir das Geheimnis dieser „Fliehkraft“ lüften. Du wirst lernen, warum dein Körper in der Kurve eigentlich nur geradeaus fliegen möchte und wie dein eigener Blickwinkel (dein Bezugssystem) die Gesetze der Physik auf den Kopf stellen kann.
Vorwissen
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Erstes Newtonsches Gesetz (Trägheitsgesetz): Ein Körper bleibt in Ruhe oder bewegt sich geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit weiter, solange keine Kraft auf ihn wirkt.
Beispiel: Ein Puck gleitet auf einer perfekten Eisfläche unendlich lange geradeaus, bis er gegen eine Bande stößt.
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Drittes Newtonsches Gesetz (Actio = Reactio): Übt ein Körper eine Kraft auf einen anderen aus, so übt dieser eine gleich große, aber entgegengesetzte Kraft zurück aus.
Beispiel: Wenn du gegen eine Wand drückst, drückt die Wand mit der exakt gleichen Kraft gegen deine Hände zurück.
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Zentripetalkraft: Die Kraft, die einen Körper auf einer Kreisbahn hält. Sie zeigt immer zum Mittelpunkt des Kreises.
Beispiel: Wenn du einen Eimer an einem Seil im Kreis schleuderst, ist die Zugkraft des Seils die Zentripetalkraft.
Aufgabentyp 1: Kräfte und Beschleunigungen in Bezugssystemen
Um Aufgaben zur Kreisbewegung und Bezugssysteme richtig zu lösen, müssen wir zuerst unseren Standpunkt klären. In der Physik nennt man das den Beobachter oder das Bezugssystem.
Stell dir vor, du stehst als unbeteiligter Beobachter am Straßenrand und schaust von oben auf das Auto, das in die Kurve fährt. Du stehst still auf dem Boden. Das nennt man ein unbeschleunigtes Bezugssystem (oder Inertialsystem). Nur aus dieser ruhigen Perspektive gelten die Newtonschen Gesetze perfekt!
Was siehst du von außen?
Nach dem ersten Newtonschen Gesetz möchte der Beifahrer im Auto eigentlich einfach geradeaus weiterfliegen. Das Auto biegt aber nach links ab. Damit der Beifahrer nicht geradeaus durch die Tür bricht, muss die Autotür ihn in die Kurve zwingen. Die Tür drückt den Beifahrer also in Richtung des Kurvenmittelpunkts.

Diese nach innen gerichtete Kraft ist die Zentripetalkraft. Für dich als Beobachter am Straßenrand ist völlig klar: Es gibt keine Kraft, die den Beifahrer nach außen zieht. Es gibt nur die Zentripetalkraft, die ihn nach innen schiebt und ihn so auf der Kreisbahn hält.
Wechseln wir nun die Perspektive. Du bist jetzt der Beifahrer im Auto. Das Auto lenkt ein und du spürst, wie du stark nach außen gegen die Tür gepresst wirst. Dein Bezugssystem (das Auto) bewegt sich im Kreis und ist daher ein beschleunigtes Bezugssystem.
In diesem rotierenden System spürst du eine Kraft, die dich scheinbar nach außen drückt. Man nennt sie oft „Fliehkraft“ oder Zentrifugalkraft. Aber woher kommt dieses Gefühl, wenn der Beobachter draußen doch gar keine Kraft nach außen sieht?
Die Antwort liefert das dritte Newtonsche Gesetz (Actio = Reactio):
- Die Aktion: Die Autotür drückt dich nach innen, um dich auf der Kurvenbahn zu halten (das ist die Zentripetalkraft).
- Die Reaktion: Weil dein Körper eigentlich geradeaus fliegen will (Trägheit), wehrt er sich gegen diese Richtungsänderung. Dein Körper drückt als Reaktion mit der exakt gleichen Kraft gegen die Tür zurück nach außen (das ist die Reaktionskraft).

Merksatz: Das, was du im Auto als nach außen gerichtete Zentrifugalkraft spürst, ist in Wirklichkeit nur das Zusammenspiel aus der nach innen gerichteten Kraft der Tür und der Reaktion deines eigenen, trägen Körpers. Es ist eine Scheinkraft, die nur existiert, weil du dich in einem rotierenden System befindest.
Was passiert, wenn ein Objekt die Kreisbahn plötzlich verlässt? Stell dir vor, du fährst auf einem schnell rotierenden Karussell und plötzlich weht der Wind deinen Hut vom Kopf.
Die Sicht des unbeschleunigten Beobachters (außerhalb): Für jemanden, der neben dem Karussell auf dem Boden steht, ist die Sache einfach. Sobald der Hut nicht mehr durch deinen Kopf auf der Kreisbahn gehalten wird, fällt die Zentripetalkraft weg. Nach dem ersten Newtonschen Gesetz fliegt der Hut nun einfach mit konstanter Geschwindigkeit in einer geraden Linie weiter. Es wirkt keine Kraft mehr auf ihn in horizontaler Richtung.
Die Sicht des beschleunigten Beobachters (innerhalb): Für dich auf dem Karussell sieht das völlig verrückt aus! Du drehst dich weiter, aber du merkst es vielleicht nicht direkt. Für dich sieht es so aus, als würde der Hut plötzlich eine Kurve fliegen und immer schneller von dir weg beschleunigen.

Obwohl gar keine echte physikalische Kraft den Hut wegschiebt, nimmst du in deinem rotierenden System eine Beschleunigung wahr. Das zeigt uns: In rotierenden Bezugssystemen scheinen Objekte aus dem Nichts zu beschleunigen, was den normalen Newtonschen Gesetzen widerspricht!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Bestimme das Bezugssystem des Beobachters (ruhend oder rotierend).
- Identifiziere bei ruhenden Systemen die echten Kräfte wie die Zentripetalkraft.
- Erkenne rotierende Systeme als beschleunigte Bezugssysteme.
- Berücksichtige im rotierenden System die Zentrifugalkraft als Scheinkraft.
- Wende die Newtonschen Gesetze entsprechend der Perspektive an.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Fahrgast sitzt in einem rotierenden Karussell und verliert seinen Hut. Der Fahrgast misst die Entfernung, die der Hut scheinbar von ihm wegfliegt, in drei aufeinanderfolgenden, gleich langen Zeitabschnitten (jeweils ). Im ersten Abschnitt legt der Hut zurück, im zweiten und im dritten .
Erkläre anhand dieser Daten, ob der Hut aus Sicht des Fahrgasts beschleunigt wird, und vergleiche dies mit der Sicht eines außenstehenden Beobachters am Boden.
- Schritt 1Analyse der Daten aus Sicht des Fahrgasts
Wir betrachten die zurückgelegten Strecken des Hutes in gleich langen Zeitabschnitten ():
- Zeitabschnitt 1:
- Zeitabschnitt 2:
- Zeitabschnitt 3:
Da die Zeitabschnitte immer gleich lang sind, entspricht die zurückgelegte Strecke direkt der durchschnittlichen Geschwindigkeit in diesem Abschnitt.
Wir sehen, dass die Strecke pro Sekunde immer größer wird (). Wenn ein Objekt in der gleichen Zeit immer mehr Strecke zurücklegt, wird es schneller.
- Schritt 2Schlussfolgerung für das rotierende System
Da der Hut aus Sicht des Fahrgasts immer schneller wird, erfährt er eine Beschleunigung. Für den Fahrgast im Karussell sieht es so aus, als würde eine unsichtbare Kraft (die Zentrifugalkraft) den Hut nach außen beschleunigen.
- Schritt 3 · ErgebnisVergleich mit dem außenstehenden Beobachter
Ein Beobachter, der ruhig auf dem Boden steht, sieht etwas völlig anderes. Für ihn fliegt der Hut, sobald er den Kopf verlässt, einfach mit konstanter Geschwindigkeit geradeaus weiter.
Aus Sicht des Fahrgasts wird der Hut beschleunigt, da er in gleichen Zeitabständen immer größere Strecken zurücklegt (, dann , dann ). Für einen außenstehenden Beobachter bewegt sich der Hut hingegen völlig unbeschleunigt und geradlinig, da keine echte Kraft mehr auf ihn wirkt.
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Quizfrage 1 zu Kreisbewegung und Bezugssysteme
Was besagt das erste Newtonsche Gesetz über einen Körper, auf den keine Kraft wirkt?
Quizfrage 2 zu Kreisbewegung und Bezugssysteme
Nur mit AccountIn welche Richtung zeigt die Zentripetalkraft bei einer Kreisbewegung?
Übungsaufgabe zu Kreisbewegung und Bezugssysteme
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- Unbeschleunigtes System (Beobachter von außen): Hier gelten die Newtonschen Gesetze. Die einzige Kraft bei einer Kreisbewegung ist die nach innen gerichtete Zentripetalkraft.
- Beschleunigtes System (Beobachter im rotierenden Objekt): Hier scheinen zusätzliche Kräfte zu wirken. Die Zentrifugalkraft (Fliehkraft) ist eine Scheinkraft.
- Actio = Reactio: Das Gefühl, nach außen gedrückt zu werden, ist lediglich die Reaktionskraft deines trägen Körpers auf die Zentripetalkraft, die dich in die Kurve zwingt.
- Losgelassene Objekte: Fliegt ein Objekt aus der Kurve, bewegt es sich für Außenstehende geradlinig und gleichförmig. Für Mitfahrende im rotierenden System scheint es jedoch nach außen zu beschleunigen.
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Häufige Fragen
Was sind Bezugssysteme bei einer Kreisbewegung?
Ein Bezugssystem ist der Standpunkt, von dem aus du eine Bewegung beobachtest. Bei einer Kreisbewegung unterscheiden wir zwei Perspektiven: Das unbeschleunigte System (z. B. ein Beobachter am Straßenrand) und das beschleunigte System (z. B. der Mitfahrer im rotierenden Auto). Je nach gewähltem Bezugssystem nimmst du völlig unterschiedliche Kräfte und Beschleunigungen wahr, was die physikalische Beschreibung der Situation verändert.
Was ist der Unterschied zwischen Zentripetalkraft und Zentrifugalkraft?
Die Zentripetalkraft ist eine echte Kraft, die von außen auf einen Körper wirkt und ihn auf einer Kreisbahn hält. Sie zeigt immer zum Mittelpunkt. Die Zentrifugalkraft (Fliehkraft) hingegen ist eine Scheinkraft. Du spürst sie nur, wenn du dich selbst in einem rotierenden, also beschleunigten Bezugssystem befindest. Sie drückt dich scheinbar nach außen.
Warum ist die Fliehkraft in der Physik nur eine Scheinkraft?
Die Fliehkraft ist eine Scheinkraft, weil es keine echte physikalische Ursache (wie ein Seil oder eine Hand) gibt, die dich nach außen zieht. Das Gefühl entsteht durch die Trägheit deines Körpers: Nach dem Newtonschen Gesetz willst du eigentlich geradeaus fliegen. Wenn das Auto abbiegt, drückt es dich nach innen, und dein Körper wehrt sich dagegen. Dieses Zusammenspiel spürst du als Fliehkraft.
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