Radioaktiver Zerfall einfach erklärt: Formel & C-14-Methode
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Stell dir vor, Archäologen finden tief in einer Höhle einen alten Holzspeer. Woher wissen sie, ob dieser Speer 100 oder 5000 Jahre alt ist? Das Holz hat kein aufgedrucktes Datum.

Die Antwort liegt in den Atomen selbst. Die Natur hat in jedes Lebewesen eine unsichtbare, radioaktive Uhr eingebaut. In diesem Artikel lernst du, wie der radioaktive Zerfall funktioniert, wie man ihn mathematisch berechnet und wie Wissenschaftler damit das Alter von Mumien und Fossilien auf das Jahr genau bestimmen können!
Vorwissen
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Potenzen und Brüche: Eine Zahl mit einem Exponenten gibt an, wie oft die Zahl mit sich selbst multipliziert wird.
Beispiel:
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Isotope: Atome desselben Elements, die unterschiedlich schwer sind (unterschiedliche Neutronenzahl).
Beispiel: Kohlenstoff gibt es als stabiles C-12 und als radioaktives C-14.
Aufgabentyp 1: Das radioaktive Zerfallsgesetz
Radioaktiver Zerfall ist reiner Zufall. Man kann unmöglich vorhersagen, wann ein einzelner Atomkern zerfällt. Es ist wie beim Würfeln: Du weißt nicht, wann du eine „6“ würfelst.
Stell dir vor, jeder Atomkern ist ein Würfel. Ein zerfallener Kern ist ein Würfel, der eine „6“ zeigt und danach aussortiert wird. Wenn du 600 Würfel gleichzeitig wirfst, werden statistisch gesehen etwa 100 Würfel eine „6“ zeigen. Wenn du später nur noch 60 Würfel hast, zeigen beim nächsten Wurf nur noch etwa 10 Würfel eine „6“.

Das bedeutet: Die Anzahl der Kerne, die in einer bestimmten Zeit zerfallen, ist immer proportional zur Menge der noch vorhandenen Kerne. Je weniger Kerne übrig sind, desto weniger zerfallen.
Dadurch entsteht eine exponentielle Abnahme. Die Zeitspanne, in der genau die Hälfte aller Kerne zerfällt, nennt man Halbwertszeit (). Sie ist für jedes radioaktive Isotop fest vorgegeben und ändert sich nie, egal wie viele Atome vorhanden sind.
Um genau zu berechnen, wie viele Atomkerne nach einer bestimmten Zeit noch übrig sind, nutzen Physiker das Zerfallsgesetz.
Die Formel lautet:
Hier ist die Bedeutung der einzelnen Teile:
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: Die Anzahl der Kerne, die jetzt noch übrig sind.
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: Die Anfangsanzahl der Kerne (zum Startzeitpunkt).
-
: Die verstrichene Zeit.
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: Die Halbwertszeit des Isotops.

Der Exponent ist ein cleverer Trick: Er berechnet einfach, wie viele Halbwertszeiten bereits vergangen sind. Wenn die Halbwertszeit ist und vergehen, rechnest du . Die Menge hat sich also dreimal halbiert.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Gegebene Werte identifizieren: Finde im Text die Anfangsmenge (), die vergangene Zeit () und die Halbwertszeit ().
- Formel aufstellen: Schreibe das Zerfallsgesetz auf und setze die Zahlen ein: .
- Den Exponenten berechnen: Teile die vergangene Zeit durch die Halbwertszeit, um herauszufinden, wie oft sich die Menge halbiert hat.
- Ausrechnen: Berechne zuerst die Potenz (den Bruch mit dem Exponenten) und multipliziere das Ergebnis dann mit der Anfangsmenge.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Labor hat eine Probe mit radioaktiven Atomkernen. Die Halbwertszeit dieses Isotops beträgt . Berechne, wie viele Atomkerne nach noch übrig sind.
- Schritt 1Gegebene Werte identifizieren
Anfangsmenge Vergangene Zeit Halbwertszeit
- Schritt 2Formel aufstellen
- Schritt 3Den Exponenten berechnen
Wir teilen durch (die Einheiten kürzen sich weg):
- Schritt 4 · ErgebnisAusrechnen
Zuerst die Potenz berechnen: Jetzt mit der Anfangsmenge multiplizieren:
Nach sind noch radioaktive Atomkerne übrig. (Realitätscheck: Die Zeit entspricht genau drei Halbwertszeiten. Die Menge halbiert sich dreimal: . Das Ergebnis ist logisch.)
Quiz zu Radioaktiver Zerfall: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Radioaktiver Zerfall und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Radioaktiver Zerfall
Welcher Unterschied besteht zwischen dem stabilen Kohlenstoff C-12 und dem radioaktiven Kohlenstoff C-14?
Quizfrage 2 zu Radioaktiver Zerfall
Nur mit AccountWas berechnet der Exponent im Zerfallsgesetz?
Übungsaufgabe zu Radioaktiver Zerfall
Nur mit AccountAufgabentyp 2: Die Radiokarbonmethode (C-14-Methode)
Die Radiokarbonmethode ist eine geniale Anwendung des Zerfallsgesetzes, um das Alter von organischen Materialien (wie Holz, Knochen oder Stoff) zu bestimmen.
So funktioniert die unsichtbare Uhr:
- Entstehung: Hoch oben in der Atmosphäre wandelt kosmische Strahlung aus dem Weltall normalen Stickstoff in radioaktiven Kohlenstoff (C-14) um.
- Gleichgewicht: Dieser C-14-Kohlenstoff vermischt sich mit normalem Kohlenstoff (C-12). In der Luft gibt es immer ein konstantes Verhältnis zwischen C-14 und C-12.
- Aufnahme: Pflanzen atmen dieses Gemisch als CO2 ein. Tiere und Menschen essen die Pflanzen. Solange ein Lebewesen lebt, nimmt es ständig neues C-14 auf. Der Anteil in seinem Körper ist genau so hoch wie in der Luft.

- Die Uhr tickt: Wenn das Lebewesen stirbt, nimmt es kein neues C-14 mehr auf. Das vorhandene C-14 zerfällt nun langsam mit einer Halbwertszeit von .
Wenn Wissenschaftler heute einen alten Knochen finden, messen sie, wie viel C-14 noch übrig ist. Je weniger C-14 vorhanden ist, desto länger ist das Lebewesen schon tot.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Gegebene Werte identifizieren: Bestimme den verbleibenden Anteil des Isotops und die Halbwertszeit.
- Formel aufstellen: Setze den verbleibenden Anteil mit der Potenz gleich.
- Gleichung lösen: Finde heraus, wie viele Halbwertszeiten vergangen sind.
- Die Zeit berechnen: Multipliziere die Anzahl der Halbwertszeiten mit der Dauer einer Halbwertszeit.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Wissenschaftler untersuchten die berühmte Gletschermumie „Ötzi“. Sie stellten fest, dass der Anteil an C-14 in seinem Körper nur noch (also ) des normalen Wertes ausmacht. Die Halbwertszeit von C-14 beträgt . Berechne, wie lange Ötzi schon im Eis liegt.
- Schritt 1Gegebene Werte identifizieren
Verbleibender Anteil = (Das entspricht ) Halbwertszeit Gesucht: Vergangene Zeit
- Schritt 2Formel aufstellen
Wir wissen, dass der verbleibende Anteil durch die Potenz berechnet wird: (Dabei ist die Anzahl der vergangenen Halbwertszeiten, also ).
- Schritt 3Gleichung lösen
Um herauszufinden, welche Zahl sein muss, nutzt man einen Taschenrechner (oder probiert Werte aus). Das Lösen der Gleichung ergibt: Das bedeutet, es sind Halbwertszeiten vergangen.
- Schritt 4 · ErgebnisDie Zeit berechnen
Wir multiplizieren die Anzahl der Halbwertszeiten mit der Dauer einer Halbwertszeit:
Ötzi liegt seit etwa im Eis. (Realitätscheck: Nach einer ganzen Halbwertszeit wären noch übrig. Da bei Ötzi noch übrig sind, muss er etwas kürzer als eine Halbwertszeit tot sein. passt perfekt zu dieser Überlegung.)
Wichtige Erkenntnisse
- Zufall und Gesetzmäßigkeit: Der Zerfall eines einzelnen Atomkerns ist reiner Zufall. Bei vielen Kernen ist die Zerfallsrate jedoch proportional zur noch vorhandenen Menge.
- Halbwertszeit (): Die Zeit, in der genau die Hälfte der ursprünglich vorhandenen radioaktiven Atomkerne zerfällt.
- Zerfallsgesetz: Mit der Formel kannst du berechnen, wie viel Material nach einer bestimmten Zeit noch übrig ist.
- C-14-Methode: Lebewesen nehmen radioaktives C-14 auf, solange sie leben. Nach dem Tod zerfällt es. Über die verbleibende Menge kann man das Alter von organischen Überresten berechnen.
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Häufige Fragen
Was ist der radioaktive Zerfall?
Der radioaktive Zerfall ist ein natürlicher Prozess, bei dem instabile Atomkerne zerfallen und dabei Strahlung abgeben. Welcher Kern wann zerfällt, ist reiner Zufall. Bei einer großen Menge an Kernen lässt sich jedoch genau vorhersagen, dass in einer bestimmten Zeitspanne – der sogenannten Halbwertszeit – immer genau die Hälfte der Kerne zerfällt.
Wie lautet das Zerfallsgesetz?
Das Zerfallsgesetz beschreibt mathematisch, wie viele Atomkerne nach einer bestimmten Zeit noch übrig sind. Die Formel lautet N(t) = N_0 · (1/2)^(t/T_H). Dabei ist N_0 die Anfangsmenge, t die vergangene Zeit und T_H die Halbwertszeit des jeweiligen Isotops.
Was ist die Halbwertszeit?
Die Halbwertszeit ist die Zeitspanne, in der genau die Hälfte aller ursprünglich vorhandenen radioaktiven Atomkerne eines Materials zerfällt. Sie ist für jedes Isotop fest vorgegeben. Bei Kohlenstoff-14 (C-14) beträgt sie zum Beispiel 5730 Jahre, bei anderen Elementen können es nur wenige Sekunden oder Millionen Jahre sein.
Wie funktioniert die C-14-Methode?
Die C-14-Methode (Radiokarbonmethode) nutzt den radioaktiven Zerfall von Kohlenstoff-14, um das Alter organischer Materialien zu bestimmen. Lebewesen nehmen C-14 auf, solange sie leben. Nach dem Tod stoppt die Aufnahme und das C-14 zerfällt. Durch Messung der noch vorhandenen Menge können Wissenschaftler berechnen, wie lange das Lebewesen schon tot ist.
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