Verdünnte Schwefelsäure einfach erklärt: Regeln & Reaktionen
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„Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure!“ Hast du diesen berühmten Spruch schon einmal gehört? Er ist die wichtigste Überlebensregel in jedem Chemielabor, wenn es um konzentrierte und verdünnte Schwefelsäure geht.

Schwefelsäure ist eine der wichtigsten Chemikalien der Welt und steckt in Autobatterien, Düngemitteln und Reinigungsmitteln. In dieser Lektion lernst du, warum man beim Verdünnen dieser Säure extrem vorsichtig sein muss und wie sich die fertige, verdünnte Schwefelsäure in chemischen Reaktionen verhält.
Vorwissen
- Exotherme Reaktionen: Reaktionen, bei denen Energie (meist in Form von Wärme) an die Umgebung abgegeben wird. Beispiel: Wenn Holz verbrennt, wird es heiß.
- Dichte: Bestimmt, ob ein Stoff in einer Flüssigkeit schwimmt oder sinkt. Stoffe mit geringerer Dichte schwimmen oben. Beispiel: Öl hat eine geringere Dichte als Wasser und schwimmt deshalb auf der Wasseroberfläche.
- Säuren und Ionen: Säuren geben in Wasser Wasserstoff-Ionen (Protonen) ab und bilden saure -Ionen. Beispiel: Chlorwasserstoffgas löst sich in Wasser und bildet Salzsäure.
Aufgabentyp 1: Sicheres Verdünnen von konzentrierter Schwefelsäure
Wenn konzentrierte Schwefelsäure mit Wasser in Berührung kommt, findet eine stark exotherme Reaktion statt. Das bedeutet, es wird schlagartig extrem viel Hitze frei. Um die Säure sicher zu verdünnen, musst du die Dichte der beiden Flüssigkeiten beachten: Wasser ist leichter (geringere Dichte) als die schwere, ölige konzentrierte Schwefelsäure.
Was passiert, wenn man es FALSCH macht (Wasser in die Säure gießen)?
Weil Wasser leichter ist, sinkt es nicht ab, sondern bleibt als Schicht oben auf der Säure schwimmen. Genau an der Stelle, wo sich beide berühren, entsteht sofort gewaltige Hitze. Diese lokale Überhitzung bringt das wenige Wasser schlagartig zum Sieden. Es bilden sich Dampfblasen, die explosionsartig platzen und die ätzende Säure wie kleine Geschosse aus dem Gefäß spritzen lassen. Das kann zu schwersten Verätzungen führen!

Wie man es RICHTIG macht (Säure in das Wasser gießen):
Die Sicherheitsregel lautet: Die Säure muss immer in kleinen Portionen unter Rühren zum Wasser gegeben werden.
Da die Säure schwerer ist, sinkt sie im Wasser sofort nach unten. Wenn du dabei rührst, verteilt sie sich schnell. Die große Menge an Wasser nimmt die entstehende Hitze sicher auf, ohne zu kochen. Es spritzt nichts!

Wärmeentwicklung beim Verdünnen
Zweck: Wir messen die Hitze, die beim korrekten Verdünnen von Schwefelsäure entsteht.
Materialien: 50 mL destilliertes Wasser, 5 mL konzentrierte Schwefelsäure, Becherglas, Glasstab, Thermometer, Pipette.
⚠️ Sicherheitshinweis: Konzentrierte Schwefelsäure ist stark ätzend! Schutzbrille und Handschuhe tragen. Dieses Experiment darf nur als Lehrerversuch oder unter strenger Aufsicht durchgeführt werden.
Durchführung:
- Fülle 50 mL Wasser in das Becherglas und miss die Starttemperatur mit dem Thermometer.
- Gib mit der Pipette sehr langsam und tropfenweise 5 mL der konzentrierten Schwefelsäure in das Wasser.
- Rühre dabei ununterbrochen mit dem Glasstab um.
- Beobachte die Temperatur auf dem Thermometer.

Beobachtung: Die Temperatur des Wassers steigt innerhalb weniger Sekunden stark an, obwohl wir die Flüssigkeit nicht erhitzt haben.
Erklärung: Das Mischen von Schwefelsäure und Wasser ist eine stark exotherme Reaktion. Die chemische Energie wird als Wärmeenergie an das Wasser abgegeben.
Aufgabentyp 2: Protolyse und Reaktionen verdünnter Schwefelsäure
Die chemische Formel für Schwefelsäure lautet . Wenn wir sie in Wasser geben, verhält sie sich wie eine typische Säure: Sie gibt Wasserstoff-Ionen (Protonen, H⁺) an das Wasser ab. Diesen Vorgang nennt man Protolyse.
Weil die Schwefelsäure gleich zwei Protonen besitzt, passiert das in zwei Schritten:
Protolyseschritt 1: Die Säure gibt ihr erstes Proton ab. Es entsteht ein einfach negativ geladenes Hydrogensulfat-Ion ().
Protolyseschritt 2: Das Hydrogensulfat-Ion kann nun auch sein zweites Proton abgeben. Es bleibt das zweifach negativ geladene Sulfat-Ion ().

In einer verdünnten Schwefelsäure-Lösung schwimmen hauptsächlich Hydrogensulfat-Ionen herum. Die Salze der Schwefelsäure heißen entsprechend Sulfate oder Hydrogensulfate.
Verdünnte Schwefelsäure reagiert mit vielen anderen Stoffen:
- Mit unedlen Metallen (wie Magnesium oder Zink) bildet sie Wasserstoffgas und eine Sulfatlösung.
- Mit Metalloxiden (wie Kupferoxid) bildet sie Salzlösungen und Wasser.
- Mit Laugen (wie Natronlauge) bildet sie je nach Menge entweder Hydrogensulfate oder Sulfate und Wasser.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du aufschreiben sollst, wie verdünnte Schwefelsäure mit einem Metall oder Metalloxid reagiert, nutze diesen Plan:
- Edukte (Ausgangsstoffe) notieren: Schreibe das Metall oder Metalloxid und die Schwefelsäure () auf die linke Seite des Reaktionspfeils.
- Produkte bestimmen: Bei einem Metall entsteht immer Wasserstoffgas () und ein Metallsulfat. Bei einem Metalloxid entsteht immer Wasser () und ein Metallsulfat.
- Das Salz zusammensetzen und ausgleichen: Kombiniere das Metall-Ion mit dem Sulfat-Ion (). Achte darauf, dass sich die positiven und negativen Ladungen im Salz genau ausgleichen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Stelle die Reaktionsgleichung für die Reaktion von festem Magnesium mit verdünnter Schwefelsäure auf.
- Schritt 1Edukte notieren
Magnesium () und Schwefelsäure ().
- Schritt 2Produkte bestimmen
Da Magnesium ein unedles Metall ist, entsteht Wasserstoffgas () und ein Salz (Magnesiumsulfat).
- Schritt 3 · ErgebnisDas Salz zusammensetzen und ausgleichen
Magnesium bildet zweifach positive Ionen (). Das Sulfat-Ion ist zweifach negativ (). Sie passen im Verhältnis 1:1 perfekt zusammen. Die fertige Gleichung lautet:
Die fertige Reaktionsgleichung lautet .
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Quizfrage 1 zu Verdünnte Schwefelsäure
Warum schwimmt Wasser auf konzentrierter Schwefelsäure?
Quizfrage 2 zu Verdünnte Schwefelsäure
Nur mit AccountWie lautet die wichtigste Sicherheitsregel beim Verdünnen von konzentrierter Schwefelsäure?
Übungsaufgabe zu Verdünnte Schwefelsäure
Nur mit AccountBeispiel 1
Stelle die Reaktionsgleichung für die Reaktion von schwarzem Kupferoxid () mit verdünnter Schwefelsäure auf.
- Schritt 1Edukte notieren
Kupferoxid () und Schwefelsäure ().
- Schritt 2Produkte bestimmen
Da es sich um ein Metalloxid handelt, entsteht Wasser () und ein Salz (Kupfersulfat).
- Schritt 3 · ErgebnisDas Salz zusammensetzen und ausgleichen
Das Kupfer-Ion im Kupferoxid ist zweifach positiv (). Zusammen mit dem Sulfat-Ion () bildet es Kupfersulfat (). Die Lösung färbt sich dabei wunderschön blau. Die fertige Gleichung lautet:
Die fertige Reaktionsgleichung lautet .
Wichtige Erkenntnisse
- Sicherheitsregel: Immer die Säure langsam unter Rühren in das Wasser gießen, niemals umgekehrt! Sonst kocht das Wasser durch die exotherme Reaktion auf und Säure spritzt umher.
- Formel: Schwefelsäure hat die Formel .
- Protolyse: Sie gibt in zwei Schritten Protonen ab. Dabei entstehen Hydrogensulfat-Ionen () und Sulfat-Ionen ().
- Reaktionen: Mit unedlen Metallen entsteht Wasserstoffgas. Mit Metalloxiden entsteht Wasser. In beiden Fällen bildet sich ein Sulfat-Salz.
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Häufige Fragen
Was ist verdünnte Schwefelsäure?
Verdünnte Schwefelsäure ist eine wässrige Lösung von Schwefelsäure (H₂SO₄). Wenn konzentrierte Schwefelsäure mit Wasser gemischt wird, gibt sie Protonen ab (Protolyse) und es entstehen hauptsächlich Hydrogensulfat-Ionen und Oxonium-Ionen. Sie reagiert typischerweise mit unedlen Metallen unter Bildung von Wasserstoffgas.
Warum muss man beim Verdünnen von Schwefelsäure das Wasser zuerst in das Gefäß geben?
Die wichtigste Laborregel lautet: „Erst das Wasser, dann die Säure!“ Das Mischen ist stark exotherm. Da konzentrierte Schwefelsäure eine höhere Dichte als Wasser hat, sinkt sie ab und die Hitze verteilt sich sicher im Wasser. Gießt du Wasser auf die Säure, bleibt es oben schwimmen, kocht sofort auf und ätzende Säure spritzt umher.
Wie reagiert verdünnte Schwefelsäure mit unedlen Metallen?
Wenn verdünnte Schwefelsäure mit unedlen Metallen wie Magnesium oder Zink reagiert, entsteht Wasserstoffgas und das entsprechende Metallsulfat (ein Salz). Bei Magnesium bildet sich beispielsweise Magnesiumsulfat (MgSO₄) und elementarer Wasserstoff (H₂).
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