Die Lorentzkraft und der Hall-Effekt einfach erklärt
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Stell dir vor, du stehst in einer eisigen Winternacht im hohen Norden und plötzlich leuchtet der Himmel in tanzenden, grünen Schleiern auf – die Polarlichter! Aber was erzeugt dieses gigantische Lichtspektakel?

Es sind winzige, elektrisch geladene Teilchen von der Sonne, die mit rasender Geschwindigkeit auf die Erde zufliegen. Bevor sie uns treffen, werden sie vom Magnetfeld der Erde wie von einem unsichtbaren Schutzschild abgelenkt. In dieser Lektion lernst du die unsichtbare Kraft kennen, die das macht: die Lorentzkraft. Und du wirst sehen, wie wir genau diese Kraft nutzen können, um Magnetfelder sogar mit unserem Smartphone zu messen, nämlich durch den Hall-Effekt!
Vorwissen
- Magnetfeldlinien: Zeigen außerhalb eines Magneten immer vom Nordpol zum Südpol. Beispiel: Bei einem Hufeisenmagneten verlaufen die unsichtbaren Linien im Spalt direkt vom Nord- zum Südpol.
- Elektrische Spannung (): Entsteht immer dann, wenn positive und negative Ladungen räumlich voneinander getrennt werden. Beispiel: In einer Batterie sind die Ladungen an den beiden Polen getrennt, wodurch eine nutzbare Spannung entsteht.
Aufgabentyp 1: Lorentzkraft und Hallspannung berechnen
Wenn ein geladenes Teilchen (wie ein Elektron) durch ein Magnetfeld fliegt, spürt es eine Kraft. Diese Kraft nennen wir Lorentzkraft ().
Das Besondere an der Lorentzkraft ist ihre Richtung: Sie wirkt immer senkrecht zur Flugrichtung des Teilchens und gleichzeitig senkrecht zu den Magnetfeldlinien.
Stell dir die Lorentzkraft wie das Lenkrad eines Autos vor, nicht wie das Gaspedal. Sie ändert nur die Richtung des Teilchens, macht es aber nicht schneller oder langsamer.
Um die Richtung der Kraft für negative Ladungen (wie Elektronen) herauszufinden, nutzen wir die Drei-Finger-Regel der linken Hand:
- Daumen: Zeigt in die Bewegungsrichtung des Elektrons ().
- Zeigefinger: Zeigt in die Richtung der Magnetfeldlinien (, von Nord nach Süd).
- Mittelfinger: Zeigt dann in die Richtung der Lorentzkraft (), wenn du ihn im 90°-Winkel zu den anderen beiden Fingern abspreizst.

Der Betrag (die Stärke) der Kraft lässt sich mit dieser Formel berechnen:
Dabei ist der Betrag der elektrischen Ladung des Teilchens.
Was passiert, wenn nicht nur ein einzelnes Elektron, sondern ein ganzer Strom von Elektronen durch ein flaches Kabel (einen Leiter) fließt, das sich in einem Magnetfeld befindet?
Alle Elektronen spüren die Lorentzkraft und werden zur gleichen Seite des Kabels abgelenkt. Auf dieser Seite stauen sich die Elektronen (es entsteht ein negativer Überschuss). Auf der gegenüberliegenden Seite fehlen sie (es entsteht ein positiver Überschuss).

Weil nun Plus und Minus räumlich getrennt sind, entsteht quer zum Kabel eine elektrische Spannung! Das nennt man den Hall-Effekt und die Spannung heißt Hallspannung ().
Je stärker das Magnetfeld ist, desto mehr Elektronen werden an die Seite gedrückt und desto höher ist die Hallspannung. Deshalb nutzt man sogenannte Hallsonden, um Magnetfelder zu messen.
Es gibt zwei Wege, die Hallspannung zu berechnen:
- Wenn du die Driftgeschwindigkeit () der Elektronen und die Breite des Leiters kennst:
- Wenn du den Strom , die Dicke des Leiters und die Materialeigenschaft (Hall-Konstante ) kennst:
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Gegebene und gesuchte Größen notieren: Lies die Aufgabe genau und schreibe alle Zahlenwerte mit ihren Formelzeichen (z. B. , , ) auf. Achte auf die Einheiten!
- Die passende Formel auswählen: Entscheide, was gesucht ist. Kraft auf ein Teilchen? Nutze . Spannung an einem Leiter? Nutze oder die Formel mit .
- Werte einsetzen: Setze die Zahlen in die Formel ein.
- Ausrechnen und überprüfen: Berechne das Ergebnis und prüfe, ob die Einheit am Ende Sinn ergibt (z. B. Newton für Kraft, Volt für Spannung).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Elektron mit einem Ladungsbetrag von fliegt mit einer Geschwindigkeit von senkrecht in ein Magnetfeld mit einer Flussdichte von . Berechne die Lorentzkraft, die auf das Elektron wirkt.
- Schritt 1Gegebene und gesuchte Größen notieren
Gegeben: , , Gesucht:
- Schritt 2Die passende Formel auswählen
Da es um die Kraft auf ein einzelnes Teilchen geht, nutzen wir:
- Schritt 3Werte einsetzen
- Schritt 4 · ErgebnisAusrechnen und überprüfen
Die Einheit ist Newton (), was für eine Kraft korrekt ist. Die Kraft ist extrem klein, was für ein einzelnes, winziges Elektron absolut Sinn ergibt.
Quiz zu Die Lorentzkraft und der Hall: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Die Lorentzkraft und der Hall und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Die Lorentzkraft und der Hall
In welche Richtung verlaufen die Magnetfeldlinien außerhalb eines Magneten?
Quizfrage 2 zu Die Lorentzkraft und der Hall
Nur mit AccountWelche Auswirkung hat die Lorentzkraft auf ein geladenes Teilchen, das durch ein Magnetfeld fliegt?
Übungsaufgabe zu Die Lorentzkraft und der Hall
Nur mit AccountBeispiel 2
Ein flacher Leiterstreifen ist breit. Die Elektronen bewegen sich darin mit einer Driftgeschwindigkeit von . Das Magnetfeld durchdringt den Leiter senkrecht mit . Berechne die entstehende Hallspannung.
- Schritt 1Gegebene und gesuchte Größen notieren
Gegeben: , , Gesucht:
- Schritt 2Die passende Formel auswählen
Da wir die Breite und die Geschwindigkeit kennen, nutzen wir:
- Schritt 3Werte einsetzen
- Schritt 4 · ErgebnisAusrechnen und überprüfen
(oder )
Die Einheit ist Volt (), was für eine Spannung korrekt ist. Hallspannungen sind im Alltag meist sehr klein (im Millivolt-Bereich), das Ergebnis ist also realistisch.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Lorentzkraft wirkt auf bewegte Ladungen im Magnetfeld und ändert nur ihre Richtung, nicht ihr Tempo.
- Die Richtung der Kraft auf Elektronen bestimmst du mit der Drei-Finger-Regel der linken Hand.
- Der Hall-Effekt entsteht, weil die Lorentzkraft Elektronen in einem Leiter auf eine Seite drückt.
- Die dadurch entstehende Ladungstrennung erzeugt die Hallspannung, die man zur Messung von Magnetfeldern nutzt.
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Häufige Fragen
Was ist die Lorentzkraft?
Die Lorentzkraft ist die Kraft, die auf ein elektrisch geladenes Teilchen wirkt, wenn es sich durch ein Magnetfeld bewegt. Sie wirkt immer senkrecht zur Bewegungsrichtung des Teilchens und senkrecht zu den Magnetfeldlinien. Wichtig: Sie ändert nur die Richtung des Teilchens, macht es aber nicht schneller oder langsamer.
Wie funktioniert die Drei-Finger-Regel?
Mit der Drei-Finger-Regel der linken Hand bestimmst du die Richtung der Lorentzkraft für negative Ladungen wie Elektronen. Der Daumen zeigt in die Bewegungsrichtung, der Zeigefinger in Richtung der Magnetfeldlinien (Nord nach Süd) und der abgespreizte Mittelfinger zeigt dir dann die Richtung der Lorentzkraft.
Was ist der Hall-Effekt?
Der Hall-Effekt tritt auf, wenn ein Strom durch einen Leiter in einem Magnetfeld fließt. Die Lorentzkraft drückt die Elektronen auf eine Seite des Leiters. Dadurch entsteht ein Elektronenüberschuss auf der einen und ein Mangel auf der anderen Seite. Diese Ladungstrennung erzeugt eine messbare Spannung quer zum Leiter – die sogenannte Hallspannung.
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