Definitions- und Wertemenge im Sachkontext – das klingt abstrakt, ist aber eigentlich ganz nah an deinem Alltag. Stell dir vor, du spielst ein Videospiel: Dein Charakter hat eine Gesundheitsanzeige von 0 bis 100 – das ist die Wertemenge. Du benutzt einen Heiltrank, der 3 Sekunden braucht – das Intervall von 0 bis 3 Sekunden ist die Definitionsmenge. Dieses Prinzip – was kann ich reinstecken (Definitionsmenge) und was kommt raus (Wertemenge) – begegnet dir überall: bei der Ladezeit deines Handys, bei der Temperatur deines Ofens oder bei der Geschwindigkeit eines Autos. Wenn du das verstanden hast, kannst du die Grenzen und Möglichkeiten von fast jedem System analysieren.
Schnellantwort
Die Definitionsmenge (D) einer Funktion im Sachkontext umfasst alle Eingabewerte, die in der jeweiligen Situation logisch und realistisch sind – zum Beispiel kann eine Zeit nicht negativ sein. Die Wertemenge (W) sind alle möglichen Ausgabewerte, die sich ergeben, wenn man nur diese sinnvollen Eingabewerte verwendet. Man findet sie meist, indem man die Randwerte der Definitionsmenge in die Funktion einsetzt.
Vorwissen
Bevor wir starten, wiederholen wir kurz ein paar Grundlagen:
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Definitionsmenge (D): Das sind alle Zahlen, die du für die Variable (meistens x) in eine Funktion einsetzen darfst.
- Beispiel: Bei der Funktion darfst du für x alles außer der 0 einsetzen. Die Definitionsmenge ist .
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Wertemenge (W): Das sind alle möglichen Ergebnisse (y-Werte), die eine Funktion ausgeben kann.
- Beispiel: Die Funktion kann niemals ein negatives Ergebnis haben. Die Wertemenge ist .
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Intervallschreibweise: Eine Art, einen Zahlenbereich anzugeben.
- Beispiel: bedeutet alle Zahlen von 2 bis 5, einschließlich der 2 und der 5. bedeutet alle Zahlen zwischen 2 und 5, aber ohne die 2 und 5 selbst.
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Volumen eines Zylinders: Die Formel zur Berechnung des Rauminhalts eines Zylinders.
- Formel:
- Beispiel: Ein Zylinder mit Radius cm und Höhe cm hat ein Volumen von .
Aufgabentyp 1: Definitions- und Wertemenge im Sachkontext bestimmen
In Matheaufgaben mit Sachkontext (z.B. über Füllhöhen, Zeiten oder Preise) gibt es oft unsichtbare Grenzen, die nicht direkt in der Formel stehen. Diese Grenzen ergeben sich aus der Logik der Geschichte.
1. Definitionsmenge im Sachkontext: Die Definitionsmenge wird durch die Frage bestimmt: „Welche Eingabewerte sind in dieser Situation überhaupt sinnvoll?"
- Eine Zeit kann nicht negativ sein.
- Eine Länge oder Höhe kann nicht negativ sein.
- Ein Behälter hat eine maximale Füllhöhe.
2. Wertemenge im Sachkontext: Die Wertemenge hängt direkt von der eingeschränkten Definitionsmenge ab. Sie beantwortet die Frage: „Welche Ergebnisse kann die Funktion liefern, wenn ich nur die sinnvollen Eingabewerte benutze?"
- Um die Grenzen der Wertemenge zu finden, setzt man die kleinsten und größten Werte der Definitionsmenge in die Funktion ein.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Funktion aufstellen: Lies den Text genau und übersetze die beschriebene Beziehung in eine mathematische Funktionsgleichung. Identifiziere, was die Eingabegröße und was die Ausgabegröße ist.
- Definitionsmenge bestimmen: Überlege, welche Werte für die Eingabegröße im Sachkontext logisch sind. Gibt es eine untere Grenze (z.B. 0, da eine Höhe nicht negativ sein kann)? Gibt es eine obere Grenze (z.B. die maximale Höhe des Behälters)? Schreibe diese Grenzen als Intervall auf.
- Wertemenge bestimmen: Nimm die kleinste und die größte Zahl aus deiner Definitionsmenge und setze sie in die Funktion ein. Die beiden Ergebnisse sind die untere und obere Grenze deiner Wertemenge. Schreibe auch diese als Intervall auf.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Gegeben ist ein Zylinder mit dem Grundkreisdurchmesser und der Höhe . In den Zylinder wird Wasser gefüllt. Gib die Funktion an, die jeder Füllhöhe eine Wassermenge zuordnet, sowie deren Definitions- und Wertemenge.

- Schritt 1Funktion aufstellen
Das Wasservolumen in einem Zylinder wird mit der Formel berechnet. Hier ist die Höhe die Füllhöhe und der Radius ist die Hälfte des Durchmessers.
Radius
Die Funktion lautet also:
- Schritt 2Definitionsmenge bestimmen
Wir überlegen, welche Werte für die Füllhöhe sinnvoll sind.
- Die Füllhöhe kann nicht negativ sein, also ist die untere Grenze . .
- Der Zylinder ist hoch, also kann die Füllhöhe maximal sein. .
Zusammengefasst ergibt das die Definitionsmenge:
- Schritt 3 · ErgebnisWertemenge bestimmen
Wir setzen die Grenzen der Definitionsmenge ( und ) in unsere Funktion ein, um die Grenzen der Wertemenge zu finden.
Untere Grenze (kleinstes Volumen):
Obere Grenze (größtes Volumen):
Die Wertemenge ist also:
Die Funktion hat die Definitionsmenge und die Wertemenge .
Beispiel 2
Ein quadratisches Stück Pappe mit einer Seitenlänge von wird an allen vier Ecken eingeschnitten. Von jeder Ecke wird ein Quadrat mit der Seitenlänge entfernt. Danach werden die Seiten hochgeklappt, um eine offene Schachtel zu formen. Gib die Funktion für das Volumen der Schachtel sowie die sinnvolle Definitionsmenge an.

- Schritt 1Funktion aufstellen
Das Volumen einer Schachtel (Quader) ist .
- Nach dem Falten ist die Höhe der Schachtel .
- Die ursprüngliche Seitenlänge war . An beiden Enden wird weggeschnitten, also sind Länge und Breite der neuen Grundfläche .
Die Volumenfunktion ist:
- Schritt 2Definitionsmenge bestimmen
Wir überlegen, welche Werte für die Schnittlänge sinnvoll sind.
- Die Länge muss größer als 0 sein, sonst schneiden wir nichts weg. .
- An jeder Seite (20 cm) werden zwei Längen von weggeschnitten. muss also kleiner als 20 cm sein, sonst bleibt keine Pappe übrig. .
Zusammengefasst ergibt das die Definitionsmenge:
- Schritt 3 · ErgebnisWertemenge bestimmen
Diese Aufgabe fragt nur nach der Definitionsmenge. Die Bestimmung der Wertemenge würde hier die Analyse von Extremwerten erfordern, was über die aktuelle Fragestellung hinausgeht.
Die Volumenfunktion lautet mit der Definitionsmenge .
Beispiel 3
Eine Kerze ist zu Beginn hoch. Sie brennt pro Stunde um ab. Gib eine Funktion an, die die Höhe der Kerze in Abhängigkeit von der Zeit (in Stunden) beschreibt. Bestimme die Definitions- und Wertemenge.
- Schritt 1Funktion aufstellen
Die Anfangshöhe ist . Pro Stunde verliert sie . Dies ist eine lineare Funktion.
- Schritt 2Definitionsmenge bestimmen
Wir überlegen, welche Werte für die Zeit sinnvoll sind.
- Die Zeit beginnt bei . .
- Die Kerze brennt, bis ihre Höhe 0 ist. Wir müssen ausrechnen, wann das passiert: Stunden.
Die Kerze kann also maximal 12,5 Stunden brennen. Die Definitionsmenge ist:
- Schritt 3 · ErgebnisWertemenge bestimmen
Wir setzen die Grenzen der Definitionsmenge ( und ) in ein.
Untere Grenze (kleinste Höhe):
Obere Grenze (größte Höhe):
Die Wertemenge ist also:
Die Funktion hat die Definitionsmenge und die Wertemenge .
Beispiel 4
Ein Auto fährt mit konstanter Geschwindigkeit von . Gib eine Funktion an, die die zurückgelegte Strecke (in km) nach einer Zeit (in Stunden) beschreibt. Bestimme die Definitions- und Wertemenge für eine maximale Fahrtdauer von 4 Stunden.
- Schritt 1Funktion aufstellen
Die Strecke ist Geschwindigkeit mal Zeit.
- Schritt 2Definitionsmenge bestimmen
Die Zeit ist die Eingabegröße.
- Die Zeitmessung beginnt bei . .
- Die maximale Fahrtdauer ist laut Aufgabe auf 4 Stunden begrenzt. .
Die Definitionsmenge ist:
- Schritt 3 · ErgebnisWertemenge bestimmen
Wir setzen die Grenzen der Definitionsmenge ( und ) in ein.
Untere Grenze (kürzeste Strecke):
Obere Grenze (längste Strecke):
Die Wertemenge ist also:
Die Funktion hat die Definitionsmenge und die Wertemenge .
Beispiel 5
Der Eintritt in einen Freizeitpark kostet pauschal 5 €. Jede Fahrt mit einer Attraktion kostet zusätzlich 2 €. Ein Besucher hat ein Budget von maximal 25 €. Gib eine Funktion an, die die Kosten in Abhängigkeit von der Anzahl der Fahrten beschreibt. Bestimme die sinnvolle Definitions- und Wertemenge.
- Schritt 1Funktion aufstellen
Die Kosten setzen sich aus einer Grundgebühr und variablen Kosten zusammen.
- Schritt 2Definitionsmenge bestimmen
Die Anzahl der Fahrten ist die Eingabegröße.
- Die kleinste Anzahl an Fahrten ist 0. .
- Die Anzahl der Fahrten muss eine ganze Zahl sein ().
- Das Budget ist auf 25 € begrenzt. Wir berechnen die maximale Anzahl an Fahrten:
Der Besucher kann also 0, 1, 2, ..., bis zu 10 Fahrten machen. Die Definitionsmenge ist:
- Schritt 3 · ErgebnisWertemenge bestimmen
Wir setzen die kleinste und größte Anzahl an Fahrten in ein.
Untere Grenze (minimale Kosten):
Obere Grenze (maximale Kosten):
Da nur ganze Fahrten möglich sind, sind auch nur bestimmte Kostenwerte möglich. Die Wertemenge ist:
Die Funktion hat die Definitionsmenge und die Wertemenge .
Aufgabentyp 2: Bedeutung des Vorzeichens der Wertemenge
Wenn eine Funktion eine Änderungsrate beschreibt (z.B. Geschwindigkeit, Wasserzufluss, Wachstumsrate), dann verrät uns das Vorzeichen des Funktionswertes (des y-Wertes), was gerade passiert:
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Positiver Funktionswert (): Die Größe nimmt zu. Der Graph verläuft oberhalb der x-Achse.
- Beispiel: Eine positive Geschwindigkeit bedeutet, man bewegt sich vorwärts.
-
Negativer Funktionswert (): Die Größe nimmt ab. Der Graph verläuft unterhalb der x-Achse.
- Beispiel: Ein negativer Wasserzufluss bedeutet, dass Wasser abfließt.
-
Funktionswert ist Null (): Die Größe ändert sich in diesem Moment nicht. Der Graph schneidet die x-Achse (eine Nullstelle).
- Beispiel: Die Geschwindigkeit ist null, das Auto steht.
Wenn du also begründen sollst, dass etwas „nicht abnimmt", musst du zeigen, dass die Änderungsrate nie negativ ist, also gilt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Bedingung in Mathe-Sprache übersetzen: Formuliere die Frage aus dem Text in eine mathematische Ungleichung um. „nimmt nicht ab" ; „wächst" ; „nimmt ab" ; „sinkt nicht" .
- Kritische Punkte finden (Nullstellen): Die Stellen, an denen das Vorzeichen wechseln könnte, sind die Nullstellen. Berechne also die Nullstellen der Funktion, indem du setzt.
- Vorzeichen im Intervall prüfen: Schau dir den Graphen an oder setze einen Testwert aus dem gefragten Intervall in die Funktion ein. Entscheide, ob die Bedingung aus Schritt 1 in diesem Bereich erfüllt ist. Die Nullstellen aus Schritt 2 sind dabei deine Grenzen.
- Antwort im Sachkontext formulieren: Beziehe deine mathematische Erkenntnis zurück auf die ursprüngliche Frage und formuliere einen Antwortsatz.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Die Abbildung zeigt den Graphen der Funktion mit , die für die momentane Änderungsrate des Wasservolumens in einem Becken beschreibt ( in Stunden, in Kubikmeter pro Stunde). Begründen Sie, dass das Wasservolumen in den ersten beiden Stunden nach Beobachtungsbeginn niemals abnimmt.

- Schritt 1Bedingung in Mathe-Sprache übersetzen
Die Aussage „das Wasservolumen ... niemals abnimmt" bedeutet, dass die Änderungsrate nicht negativ sein darf. Wir müssen also zeigen, dass für den Zeitraum der ersten beiden Stunden () gilt:
- Schritt 2Kritische Punkte finden (Nullstellen)
Wir berechnen die Nullstellen von , um die Grenzen zu finden, an denen das Vorzeichen wechseln könnte.
Nach dem Satz vom Nullprodukt muss einer der Faktoren null sein. Der Term ist als e-Funktion immer positiv und kann nie null werden. Also betrachten wir nur den ersten Faktor:
Wir klammern aus:
Das ergibt die Nullstellen: und
- Schritt 3Vorzeichen im Intervall prüfen
Die Nullstellen sind bei und . Genau das ist das Intervall, das wir untersuchen sollen. Aus dem Graphen können wir direkt ablesen, dass die Funktion zwischen und oberhalb der t-Achse verläuft oder sie berührt. Das bedeutet, in diesem Intervall sind die Funktionswerte positiv oder null.
- Schritt 4 · ErgebnisAntwort im Sachkontext formulieren
Da die Änderungsrate im Intervall immer größer oder gleich null ist, nimmt das Wasservolumen in den ersten beiden Stunden niemals ab.
Das Wasservolumen nimmt in niemals ab, da für alle gilt.
Beispiel 2
Die Temperatur in einem Raum wird durch die Funktion für beschrieben ( in Stunden nach Mitternacht, in °C). Die Änderungsrate der Temperatur ist . Bestimmen Sie, wann die Temperatur sinkt.
- Schritt 1Bedingung in Mathe-Sprache übersetzen
„Die Temperatur sinkt" bedeutet, dass die Änderungsrate der Temperatur, also , negativ sein muss.
- Schritt 2Kritische Punkte finden (Nullstellen der Ableitung)
Wir finden den Punkt, an dem das Sinken beginnt, indem wir die Änderungsrate gleich null setzen.
Zum Zeitpunkt Stunden ändert sich das Vorzeichen der Änderungsrate.
- Schritt 3Vorzeichen im Intervall prüfen
Wir müssen prüfen, für welches Intervall gilt. Wir testen einen Wert, der größer als 6 ist, z.B. .
Das Ergebnis ist negativ. Also ist die Änderungsrate für alle negativ.
- Schritt 4 · ErgebnisAntwort im Sachkontext formulieren
Die Temperatur sinkt im Zeitraum von 6 Stunden nach Mitternacht bis 12 Stunden nach Mitternacht, also im Intervall .
Die Temperatur sinkt im Intervall .
Beispiel 3
Ein Unternehmen macht einen Gewinn, der durch die Funktion beschrieben wird, wobei die produzierte Stückzahl in Tausend ist. Die Änderungsrate des Gewinns ist . Begründen Sie, warum eine Erhöhung der Produktion von 6000 auf 7000 Stück zu einem geringeren Gewinn führt.
- Schritt 1Bedingung in Mathe-Sprache übersetzen
„Zu einem geringeren Gewinn führt" bedeutet, dass der Gewinn abnimmt. Die Änderungsrate des Gewinns, , muss also in diesem Bereich negativ sein.
Wir müssen zeigen, dass für zwischen 6 und 7 (da in Tausend angegeben ist) gilt: .
- Schritt 2Kritische Punkte finden (Nullstellen der Ableitung)
Wir setzen die Änderungsrate gleich null, um den Punkt des maximalen Gewinns zu finden.
Bei 5000 Stück ist der Gewinn maximal. Danach muss er sinken.
- Schritt 3Vorzeichen im Intervall prüfen
Das Intervall, das uns interessiert, ist von bis . Dieser Bereich liegt rechts von der Nullstelle . Wir testen einen Wert aus diesem Intervall, z.B. .
Das Ergebnis ist negativ.
- Schritt 4 · ErgebnisAntwort im Sachkontext formulieren
Da die Änderungsrate des Gewinns für eine Produktion von mehr als 5000 Stück negativ ist, führt eine Erhöhung der Produktion von 6000 auf 7000 Stück zu einem sinkenden und damit geringeren Gewinn.
Im Intervall ist , der Gewinn sinkt also bei Produktionserhöhung von 6000 auf 7000 Stück.
Beispiel 4
Die Höhe eines Balles nach dem Wurf wird durch beschrieben ( in Sekunden, in Metern). Die Geschwindigkeit (Änderungsrate der Höhe) ist . In welchem Zeitraum steigt der Ball?
- Schritt 1Bedingung in Mathe-Sprache übersetzen
„Der Ball steigt" bedeutet, dass seine Höhe zunimmt. Die Änderungsrate der Höhe, also die Geschwindigkeit , muss positiv sein.
- Schritt 2Kritische Punkte finden (Nullstellen der Geschwindigkeit)
Wir finden den höchsten Punkt (wo die Geschwindigkeit null ist), indem wir setzen.
Nach 2 Sekunden erreicht der Ball seinen höchsten Punkt.
- Schritt 3Vorzeichen im Intervall prüfen
Wir suchen den Zeitraum, in dem ist. Das muss vor dem höchsten Punkt sein. Wir testen einen Wert aus dem Intervall , z.B. .
Das Ergebnis ist positiv.
- Schritt 4 · ErgebnisAntwort im Sachkontext formulieren
Der Ball steigt in den ersten beiden Sekunden nach dem Abwurf, also im Zeitraum .
Der Ball steigt im Zeitraum .
Beispiel 5
Die Population von Bakterien wächst exponentiell nach der Funktion ( in Stunden). Die Wachstumsrate ist . Begründen Sie, warum die Population niemals abnimmt.
- Schritt 1Bedingung in Mathe-Sprache übersetzen
„Niemals abnimmt" bedeutet, die Wachstumsrate ist immer größer oder gleich null.
- Schritt 2Kritische Punkte finden (Nullstellen der Ableitung)
Wir versuchen, die Änderungsrate gleich null zu setzen.
- Schritt 3Vorzeichen im Intervall prüfen
Die e-Funktion ist für alle Werte von immer streng positiv. Sie kann niemals null oder negativ werden. Der Faktor 50 ist ebenfalls positiv.
Ein Produkt aus zwei positiven Zahlen ist immer positiv. Daher ist für alle immer größer als 0.
- Schritt 4 · ErgebnisAntwort im Sachkontext formulieren
Da die Wachstumsrate eine e-Funktion mit positiven Faktoren ist, ist sie selbst immer positiv. Eine positive Wachstumsrate bedeutet, dass die Population zu jedem Zeitpunkt wächst und somit niemals abnimmt.
Die Population nimmt niemals ab, da für alle gilt.
Aufgabentyp 3: Definitionsbereich zu gegebenem Wertebereich finden
Manchmal ist die Frage umgekehrt: Wir kennen das gewünschte Ergebnis (z.B. „Geschwindigkeit soll über 50 km/h liegen") und wollen wissen, welcher Eingabebereich dazu führt (z.B. „In welchem Zeitraum war das der Fall?").
Das ist die Suche nach dem Definitionsbereich (x-Werte), der zu einem bestimmten Wertebereich (y-Werte) gehört.
Bei Aufgaben mit einem Graphen lässt sich das sehr einfach visuell lösen:
- Zeichne eine horizontale Linie bei dem y-Wert, der in der Aufgabe genannt wird (z.B. bei y = 0,5).
- Finde die Schnittpunkte dieser Linie mit dem Graphen der Funktion.
- Lies die x-Koordinaten dieser Schnittpunkte ab.
- Der Bereich auf der x-Achse zwischen diesen x-Koordinaten ist die Antwort. Achte darauf, ob der Bereich über oder unter der Linie gesucht ist.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Ziellinie im Graphen einzeichnen: Identifiziere den y-Wert aus der Aufgabenstellung (z.B. „größer als 0,5"). Zeichne gedanklich oder mit dem Lineal eine waagerechte Linie auf dieser Höhe im Koordinatensystem.
- Schnittpunkte ablesen: Finde die Punkte, an denen der Graph der Funktion deine Ziellinie kreuzt. Gehe von diesen Punkten senkrecht nach unten zur x-Achse und lies die entsprechenden x-Werte ab. Nennen wir sie und .
- Gültigen Bereich auf der x-Achse markieren: Schau dir den Graphen an: Liegt er zwischen und über oder unter deiner Ziellinie? Markiere den Bereich auf der x-Achse, der zur Bedingung der Aufgabe passt (z.B. der Bereich, wo der Graph über der Linie liegt).
- Länge des Zeitraums berechnen (falls gefragt): Wenn nach der „Dauer" oder „Länge des Zeitraums" gefragt wird, berechne die Differenz zwischen dem Endpunkt und dem Anfangspunkt des Intervalls: .
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Die Funktion beschreibt für modellhaft die Wachstumsgeschwindigkeit eines Apfelbaums ( in Jahren, in Meter pro Jahr). Die Abbildung zeigt den Graphen . Bestimmen Sie die Länge des Zeitraums, in dem die Wachstumsgeschwindigkeit des Apfelbaums größer als ist.

- Schritt 1Ziellinie im Graphen einzeichnen
Wir suchen den Zeitraum, in dem die Wachstumsgeschwindigkeit größer als ist. Wir ziehen also eine gedankliche waagerechte Linie bei .
- Schritt 2Schnittpunkte ablesen
Wir schauen, wo der Graph diese Linie schneidet. Von den Schnittpunkten gehen wir senkrecht zur t-Achse (x-Achse) und lesen die Werte ab:
- Erster Schnittpunkt bei
- Zweiter Schnittpunkt bei
- Schritt 3Gültigen Bereich auf der t-Achse markieren
Die Frage lautet „größer als 0,5". Wir sehen im Graphen, dass die Kurve zwischen und oberhalb der Linie verläuft. Das ist also unser gesuchter Zeitraum.
- Schritt 4 · ErgebnisLänge des Zeitraums berechnen
Die Länge des Zeitraums ist die Differenz zwischen dem End- und dem Anfangszeitpunkt.
Länge = Jahre.
Die Wachstumsgeschwindigkeit ist für einen Zeitraum von 2,5 Jahren größer als 0,5 Meter pro Jahr.
Beispiel 2
Der Graph zeigt die Temperaturkurve an einem Tag ( in Stunden nach Mitternacht). Bestimmen Sie den Zeitraum, in dem die Temperatur über 20°C lag.

- Schritt 1Ziellinie im Graphen einzeichnen
Wir suchen den Zeitraum, in dem die Temperatur über lag. Wir ziehen eine waagerechte Linie bei .
- Schritt 2Schnittpunkte ablesen
Wir lesen die t-Koordinaten der Schnittpunkte des Graphen mit der Linie ab:
- Erster Schnittpunkt bei (10 Uhr)
- Zweiter Schnittpunkt bei (18 Uhr)
- Schritt 3Gültigen Bereich auf der t-Achse markieren
Die Temperatur war „über 20°C", also suchen wir den Bereich, in dem der Graph oberhalb der Linie liegt. Das ist der Fall zwischen und .
- Schritt 4 · ErgebnisLänge des Zeitraums berechnen
Die Länge des Zeitraums ist: Länge = Stunden.
Die Temperatur lag für 8 Stunden über 20°C.
Beispiel 3
Die Funktion beschreibt den Geräuschpegel in Dezibel an einer Baustelle über 10 Stunden. Bestimmen Sie aus dem Graphen, wie lange der Geräuschpegel unter 60 Dezibel lag.

- Schritt 1Ziellinie im Graphen einzeichnen
Wir suchen den Zeitraum, in dem der Pegel unter lag. Wir ziehen eine Linie bei .
- Schritt 2Schnittpunkte ablesen
Die Schnittpunkte des Graphen mit der Linie sind bei:
- Schritt 3Gültigen Bereich auf der x-Achse markieren
Wir suchen, wo der Graph „unter" der Linie liegt. Das ist in zwei Bereichen der Fall:
- Von Beginn an bis zur ersten Stunde:
- Von der neunten Stunde bis zum Ende:
- Schritt 4 · ErgebnisLänge der Zeiträume berechnen
Wir berechnen die Länge beider Zeiträume und addieren sie. Länge 1 = Stunde Länge 2 = Stunde Gesamtlänge = Stunden.
Der Geräuschpegel lag insgesamt 2 Stunden lang unter 60 Dezibel.
Beispiel 4
Der Graph zeigt die Besucherzahl in einem Museum über den Tag ( in Stunden nach Öffnung um 9 Uhr). Bestimmen Sie, wann mehr als 150 Besucher im Museum waren.

- Schritt 1Ziellinie im Graphen einzeichnen
Wir suchen den Zeitraum, in dem die Besucherzahl über war. Wir ziehen eine Linie bei .
- Schritt 2Schnittpunkte ablesen
Die Schnittpunkte sind bei:
- (2 Stunden nach 9 Uhr, also 11 Uhr)
- (6 Stunden nach 9 Uhr, also 15 Uhr)
- Schritt 3Gültigen Bereich auf der t-Achse markieren
Wir suchen, wo der Graph „über" der Linie liegt. Das ist im Intervall .
- Schritt 4 · ErgebnisLänge des Zeitraums berechnen
Die Frage lautet „wann", nicht „wie lange". Wir müssen also den Zeitraum angeben. Der Zeitraum beginnt bei (11 Uhr) und endet bei (15 Uhr).
Zwischen 11 Uhr und 15 Uhr waren mehr als 150 Besucher im Museum.
Beispiel 5
Die Funktion im Graphen zeigt die Konzentration eines Medikaments im Blut ( in Stunden). Bestimmen Sie die Dauer, in der die Konzentration mindestens betrug.

- Schritt 1Ziellinie im Graphen einzeichnen
„Mindestens " bedeutet . Wir ziehen eine Linie bei .
- Schritt 2Schnittpunkte ablesen
Die Schnittpunkte sind bei:
- Schritt 3Gültigen Bereich auf der x-Achse markieren
Wir suchen, wo der Graph über oder auf der Linie liegt. Das ist im Intervall .
- Schritt 4 · ErgebnisLänge des Zeitraums berechnen
Die Dauer ist die Differenz der x-Werte. Dauer = Stunden.
Die Konzentration betrug für eine Dauer von 4,5 Stunden mindestens 4 mg/l.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Definitionsmenge im Sachkontext fragt: Welche Eingabewerte sind logisch und realistisch? (z.B. Zeit , Füllhöhe max. Höhe).
- Die Wertemenge im Sachkontext fragt: Welche Ergebnisse sind möglich, wenn ich nur die erlaubten Werte einsetze? Man findet sie oft durch Einsetzen der Ränder der Definitionsmenge.
- Das Vorzeichen einer Änderungsrate verrät die Richtung: bedeutet Zunahme, bedeutet Abnahme.
- Um den Definitionsbereich für einen gegebenen Wertebereich grafisch zu finden, zeichne eine horizontale Linie beim y-Wert, lies die x-Werte der Schnittpunkte ab und bestimme das Intervall dazwischen.
Häufige Fragen
Was ist die Definitionsmenge im Sachkontext?
Die Definitionsmenge im Sachkontext umfasst alle Eingabewerte, die in der jeweiligen Situation logisch und realistisch sind. Du fragst dich: „Welche Werte darf die Eingabegröße überhaupt annehmen?" Eine Zeit kann zum Beispiel nicht negativ sein, eine Füllhöhe nicht größer als der Behälter. Diese Einschränkungen ergeben sich nicht aus der Formel selbst, sondern aus der Logik der Aufgabe. Das Ergebnis schreibst du als Intervall auf, z. B. D = [0; 8].
Wie bestimmst du die Wertemenge im Sachkontext?
Um die Wertemenge im Sachkontext zu bestimmen, setzt du die kleinste und die größte Zahl deiner Definitionsmenge in die Funktion ein. Die beiden Ergebnisse sind die untere und obere Grenze der Wertemenge. Bei einer steigenden Funktion wie v(f) = 4π · f mit D = [0; 8] ergibt sich: v(0) = 0 und v(8) = 32π, also W = [0; 32π]. Das Intervall schreibst du genauso auf wie die Definitionsmenge.
Was verrät das Vorzeichen einer Änderungsrate?
Das Vorzeichen einer Änderungsrate zeigt dir, was gerade mit der beschriebenen Größe passiert: Ist f(x) > 0, nimmt die Größe zu – der Graph liegt oberhalb der x-Achse. Ist f(x) < 0, nimmt die Größe ab – der Graph liegt unterhalb. Ist f(x) = 0, ändert sich die Größe in diesem Moment nicht. Willst du zeigen, dass etwas „niemals abnimmt", musst du nachweisen, dass die Änderungsrate stets ≥ 0 ist.
Wie findest du den Definitionsbereich zu einem gegebenen Wertebereich grafisch?
Zeichne eine waagerechte Linie bei dem y-Wert, den die Aufgabe nennt (z. B. y = 0,5). Lies die x-Koordinaten der Schnittpunkte dieser Linie mit dem Graphen ab – nenn sie x₁ und x₂. Schau, ob der Graph zwischen x₁ und x₂ über oder unter der Linie liegt, und markiere den passenden Bereich. Die gesuchte Dauer berechnest du dann als x₂ − x₁.
Was ist der Unterschied zwischen Definitionsmenge und Wertemenge?
Die Definitionsmenge beschreibt die erlaubten Eingabewerte (x-Werte) einer Funktion – also was du „reinsteckst". Die Wertemenge beschreibt die möglichen Ausgabewerte (y-Werte) – also was „rauskommt". Im Sachkontext schränken beide durch die Logik der Situation ein: Eine Füllhöhe kann nicht negativ sein (Definitionsmenge), und das kleinste mögliche Volumen ergibt sich daraus (Wertemenge).