Elektromagnetische Kräfte auf Teilchen einfach erklärt

Lerne, wie elektromagnetische Kräfte auf geladene Teilchen wirken. Fadenstrahlrohr und Wien-Filter einfach erklärt mit Formeln und durchgerechneten Beispielen.

📅 Aktualisiert 27. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Elektromagnetische Kräfte auf Teilchen einfach erklärt

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Student thinking

Stell dir vor, du müsstest winzige, unsichtbare Rennautos sortieren, die mit Tausenden von Kilometern pro Sekunde durch die Gegend fliegen. Wie fängt man genau die Autos ab, die die perfekte Geschwindigkeit haben, oder wie wiegt man sie ohne eine Waage?

Geladene Teilchen im Magnetfeld
Geladene Teilchen im Magnetfeld

Physiker nutzen bei den Anwendungen elektromagnetischer Kräfte auf Teilchen clevere Kombinationen aus elektrischen und magnetischen Feldern, um geladene Teilchen wie Elektronen zu lenken. In diesem Artikel lernst du, wie man Elektronen auf eine Kreisbahn zwingt und wie man eine „Radarfalle“ baut, die nur Teilchen mit einer ganz bestimmten Geschwindigkeit durchlässt.

Vorwissen

  • Lorentzkraft (FLF_L): Die Kraft, die ein Magnetfeld auf bewegte Ladungen ausübt. Formel: FL=qvBF_L = q \cdot v \cdot B Beispiel: Ein Elektron, das durch ein Magnetfeld fliegt, wird zur Seite abgelenkt.
  • Zentripetalkraft (FZF_Z): Die Kraft, die einen Körper auf einer Kreisbahn hält. Formel: FZ=mv2rF_Z = \frac{m \cdot v^2}{r} Beispiel: Ein Auto im Kreisverkehr benötigt die Reibung der Reifen als Zentripetalkraft.
  • Elektrische Kraft (FelF_{el}): Die Kraft auf eine Ladung in einem elektrischen Feld. Formel: Fel=qEF_{el} = q \cdot E Beispiel: Ein Elektron wird von einer positiv geladenen Platte angezogen.
  • Kinetische Energie durch Beschleunigung (EkinE_{kin}): Energie, die eine Ladung durch eine Spannung erhält. Formel: Ekin=qUE_{kin} = q \cdot U Beispiel: Ein Elektron, das durch eine Spannung UU beschleunigt wird, gewinnt an Geschwindigkeit.

Aufgabentyp 1: Kreisbewegung von Ladungen in Magnetfeldern

Wenn ein Elektron senkrecht in ein Magnetfeld fliegt, wirkt die Lorentzkraft auf das Teilchen. Da diese Kraft immer senkrecht zur Bewegungsrichtung steht, ändert sie nicht die Geschwindigkeit, sondern nur die Richtung. Sie wirkt genau wie eine Zentripetalkraft und zwingt das Elektron auf eine Kreisbahn.

Realer Kontext: Um das sichtbar zu machen, nutzen Physiker ein sogenanntes Fadenstrahlrohr. Das ist eine Glaskugel, die mit etwas Gas gefüllt ist.

  1. Elektronen werden durch eine elektrische Spannung UU beschleunigt.
  2. Sie fliegen in ein Magnetfeld BB.
  3. Die Elektronen regen das Gas zum Leuchten an, sodass wir ihre Kreisbahn mit dem Radius rr sehen und messen können.
Fadenstrahlrohr mit Kreisbahn
Fadenstrahlrohr mit Kreisbahn

Da die Lorentzkraft die Zentripetalkraft liefert, gilt: FL=FZ\textcolor{#08BFFF}{F_L} = \textcolor{#9570FF}{F_Z}.

Wenn man diese Kräfte gleichsetzt und die Energie aus der Beschleunigung berücksichtigt, erhält man eine sehr wichtige Formel. Mit ihr kann man die spezifische Ladung eines Elektrons berechnen. Das ist einfach das Verhältnis von seiner Ladung ee zu seiner Masse mm:

em=2UB2r2\frac{e}{m} = \frac{2 \cdot U}{B^2 \cdot r^2}

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Gegebene Werte identifizieren: Notiere die Beschleunigungsspannung UU, die magnetische Flussdichte BB und den gemessenen Radius rr. Achte darauf, dass alle Einheiten im Standardformat sind (z. B. Radius in Metern).
  2. Formel aufstellen: Verwende die hergeleitete Gleichung für die spezifische Ladung: em=2UB2r2\frac{e}{m} = \frac{2 \cdot U}{B^2 \cdot r^2}.
  3. Werte einsetzen und ausrechnen: Setze die Zahlen ein, quadriere BB und rr im Nenner und berechne das Endergebnis. Die Einheit ist Coulomb pro Kilogramm (C/kg\text{C/kg}).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einem Experiment mit dem Fadenstrahlrohr werden Elektronen mit einer Spannung von 250 V250 \text{ V} beschleunigt. Das Magnetfeld hat eine Stärke von 0.001 T0.001 \text{ T}. Der gemessene Radius der Kreisbahn beträgt 0.053 m0.053 \text{ m}. Berechne die spezifische Ladung em\frac{e}{m} des Elektrons.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte identifizieren

    Gegeben: U=250 VU = 250 \text{ V}, B=0.001 TB = 0.001 \text{ T}, r=0.053 mr = 0.053 \text{ m}. Gesucht: Spezifische Ladung em=?\frac{e}{m} = ?

  2. Schritt 2
    Formel aufstellen

    em=2UB2r2\frac{e}{m} = \frac{2 \cdot U}{B^2 \cdot r^2}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Werte einsetzen und ausrechnen

    em=2250 V(0.001 T)2(0.053 m)2\frac{e}{m} = \frac{2 \cdot 250 \text{ V}}{(0.001 \text{ T})^2 \cdot (0.053 \text{ m})^2}

    Zuerst den Zähler und die Quadrate im Nenner berechnen: em=500 V0.000001 T20.002809 m2\frac{e}{m} = \frac{500 \text{ V}}{0.000001 \text{ T}^2 \cdot 0.002809 \text{ m}^2}

    em=5000.000000002809 C/kg\frac{e}{m} = \frac{500}{0.000000002809} \text{ C/kg}

    em1.781011 C/kg\frac{e}{m} \approx 1.78 \cdot 10^{11} \text{ C/kg}

Ergebnis:

Die spezifische Ladung des Elektrons beträgt ca. 1.781011 C/kg1.78 \cdot 10^{11} \text{ C/kg}. Der Literaturwert für Elektronen liegt bei etwa 1.761011 C/kg1.76 \cdot 10^{11} \text{ C/kg}. Unser berechneter Wert ist sehr nah dran und macht physikalisch Sinn.


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Quizfrage 1 zu Elektromagnetische Kräfte auf Teilchen

Wie lautet die Formel für die Lorentzkraft, die ein Magnetfeld auf bewegte Ladungen ausübt?

Quizfrage 2 zu Elektromagnetische Kräfte auf Teilchen

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Welche beiden Kräfte werden gleichgesetzt, um die Kreisbahn der Elektronen im Fadenstrahlrohr zu beschreiben?

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Übungsaufgabe zu Elektromagnetische Kräfte auf Teilchen

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Aufgabentyp 2: Der Wiensche Geschwindigkeitsfilter

Oft hat man einen Strahl aus vielen Teilchen, die alle unterschiedlich schnell sind. Wenn man für ein Experiment aber nur Teilchen mit einer ganz bestimmten Geschwindigkeit braucht, nutzt man den Wien-Filter.

Dieser Filter ist ein Bereich, in dem ein elektrisches Feld und ein Magnetfeld gekreuzt (also senkrecht zueinander) aufgebaut sind. Wenn ein geladenes Teilchen dort hineinfliegt, wirken zwei Kräfte gleichzeitig:

  1. Die elektrische Kraft zieht das Teilchen in die eine Richtung.
  2. Die Lorentzkraft drückt das Teilchen in die exakt entgegengesetzte Richtung.

Der Trick: Die elektrische Kraft hängt nicht von der Geschwindigkeit ab, die Lorentzkraft aber schon!

Nur bei einer ganz bestimmten Geschwindigkeit sind beide Kräfte exakt gleich stark und heben sich auf (Fel=FL\textcolor{#08BFFF}{F_{el}} = \textcolor{#9570FF}{F_L}). Nur diese Teilchen fliegen schnurgerade durch den Filter. Ist ein Teilchen zu schnell oder zu langsam, gewinnt eine der beiden Kräfte und das Teilchen wird abgelenkt.

Aufbau des Wien-Filters
Aufbau des Wien-Filters

Die Geschwindigkeit vv der Teilchen, die geradeaus durchkommen, berechnet sich ganz einfach aus der Stärke des elektrischen Feldes EE und des Magnetfeldes BB:

v=EBv = \frac{E}{B}

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Feldstärken identifizieren: Finde die elektrische Feldstärke EE und die magnetische Flussdichte BB im Text.
  2. Formel anwenden: Nutze die Bedingung für den geradlinigen Durchflug: v=EBv = \frac{E}{B}.
  3. Ausrechnen: Teile EE durch BB, um die Durchlassgeschwindigkeit zu erhalten. Die Einheit ist Meter pro Sekunde (m/s\text{m/s}).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein Wien-Filter wird mit einem elektrischen Feld der Stärke E=15000 V/mE = 15000 \text{ V/m} und einem Magnetfeld der Stärke B=0.05 TB = 0.05 \text{ T} betrieben. Berechne die Geschwindigkeit der Protonen, die den Filter ohne Ablenkung passieren können.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Feldstärken identifizieren

    Gegeben: E=15000 V/mE = 15000 \text{ V/m}, B=0.05 TB = 0.05 \text{ T}. Gesucht: Geschwindigkeit v=?v = ?

  2. Schritt 2
    Formel anwenden

    Damit die Protonen nicht abgelenkt werden, müssen sich elektrische und magnetische Kraft aufheben. Die Formel lautet: v=EBv = \frac{E}{B}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Ausrechnen

    v=15000 V/m0.05 Tv = \frac{15000 \text{ V/m}}{0.05 \text{ T}}

    v=300000 m/sv = 300000 \text{ m/s}

Ergebnis:

Die Protonen, die den Filter unabgelenkt passieren, haben eine Geschwindigkeit von 300000 m/s300000 \text{ m/s}. Die Einheit m/s\text{m/s} ist korrekt für eine Geschwindigkeit. 300 km/s300 \text{ km/s} ist eine realistische Geschwindigkeit für beschleunigte Teilchen.

Wichtige Erkenntnisse

  • Wenn die Lorentzkraft als Zentripetalkraft wirkt, fliegen geladene Teilchen im Magnetfeld auf einer Kreisbahn.
  • Mit dem Fadenstrahlrohr kann man die spezifische Ladung em\frac{e}{m} eines Elektrons bestimmen.
  • Ein Wien-Filter nutzt gekreuzte elektrische und magnetische Felder, um Teilchen zu sortieren.
  • Nur Teilchen mit der Geschwindigkeit v=EBv = \frac{E}{B} fliegen geradeaus durch den Wien-Filter, weil sich elektrische Kraft und Lorentzkraft genau aufheben.

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Häufige Fragen

Was sind Anwendungen elektromagnetischer Kräfte auf Teilchen?

Zu den wichtigsten Anwendungen elektromagnetischer Kräfte auf Teilchen gehören das Fadenstrahlrohr und der Wien-Filter. Sie nutzen elektrische und magnetische Felder, um geladene Teilchen wie Elektronen oder Protonen gezielt abzulenken, auf Kreisbahnen zu zwingen oder nach ihrer Geschwindigkeit zu sortieren.

Wie funktioniert ein Fadenstrahlrohr?

In einem Fadenstrahlrohr werden Elektronen beschleunigt und fliegen senkrecht in ein Magnetfeld. Die Lorentzkraft wirkt als Zentripetalkraft und zwingt sie auf eine Kreisbahn. Durch das Leuchten eines Gases in der Röhre wird die Bahn sichtbar, wodurch sich die spezifische Ladung des Elektrons berechnen lässt.

Was macht ein Wien-Filter?

Ein Wien-Filter (oder Geschwindigkeitsfilter) nutzt gekreuzte elektrische und magnetische Felder. Nur Teilchen mit einer ganz bestimmten Geschwindigkeit fliegen geradeaus hindurch, weil sich die elektrische Kraft und die Lorentzkraft bei ihnen exakt aufheben. Alle anderen Teilchen werden abgelenkt.

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