Stöße und Impulserhaltung einfach erklärt: Regeln & Beispiele
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Stell dir vor, du spielst Billard. Die weiße Kugel trifft eine rote Kugel, es macht „Klack“, und beide Kugeln rollen sauber in verschiedene Richtungen weiter. Stell dir nun vor, du wirfst zwei weiche Kugeln aus Knetmasse gegeneinander. Es macht „Patsch“, sie verformen sich und fallen als ein einziger, dicker Klumpen zu Boden. Wenn du dich fragst, warum das so ist, bist du beim Thema Stöße und Impulserhaltung genau richtig.

Warum verhalten sich Gegenstände bei einem Zusammenstoß so unterschiedlich? Und wie können Unfallforscher genau berechnen, wie schnell zwei Autos vor einem Crash waren? Die Antwort liegt in zwei der mächtigsten Werkzeuge der Physik: der Energie und dem Impuls. In dieser Lektion lernst du, wie du jeden Zusammenstoß im Universum berechnen kannst!
Vorwissen
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Kinetische Energie (): Die Bewegungsenergie eines Körpers. Formel: Beispiel: Ein schweres Auto, das mit fährt, hat eine kinetische Energie von .
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Impuls (): Der „Schwung“ oder die Wucht eines Körpers. Er ist eine gerichtete Größe (Vektor). Formel: Beispiel: Ein schweres Auto bei hat einen Impuls von .
Aufgabentyp 1: Stoßprobleme mit der Impulserhaltung lösen
In der Physik unterscheiden wir bei Zusammenstößen (Stößen) zwischen zwei Extremfällen, je nachdem, was mit der kinetischen Energie passiert.
Der elastische Stoß
Bei einem perfekt elastischen Stoß (wie bei harten Billardkugeln) prallen die Körper aneinander ab und bewegen sich danach unabhängig voneinander weiter. Die Wechselwirkung ist so kurz, dass keine Energie durch Reibung oder Verformung verloren geht. Die gesamte kinetische Energie bleibt erhalten.
Wenn zwei gleich schwere Kugeln () elastisch zusammenstoßen, lautet die Energiegleichung:
(Hinweis: Das kleine Strich-Symbol bedeutet immer „nach dem Stoß“). Da die Masse überall gleich ist, können wir die Formel stark vereinfachen:
Stell dir vor, Kugel 2 ruht vor dem Stoß (). Dann bleibt übrig: . Hier stoßen wir auf ein Problem: Wir haben nur eine Gleichung, aber zwei Unbekannte ( und ). Die Energieerhaltung allein reicht also nicht aus, um vorherzusagen, wie schnell die Kugeln nach dem Stoß sind!
Der unelastische Stoß
Bei einem unelastischen Stoß (wie bei einem Autounfall oder zwei Knetkugeln) verformen sich die Körper. Sie verhaken sich, kleben aneinander und bewegen sich nach dem Stoß mit einer gemeinsamen Endgeschwindigkeit weiter.

Bei dieser Verformung geht massiv kinetische Energie verloren, weil sie in Wärme und Verformungsarbeit umgewandelt wird. Deshalb darfst du den Energieerhaltungssatz hier nicht verwenden, um die Geschwindigkeiten nach dem Stoß zu berechnen.
Der Impulserhaltungssatz
Da uns die Energieerhaltung oft im Stich lässt, brauchen wir ein mächtigeres Werkzeug. Hier kommt der Impuls ins Spiel.
Der Impulserhaltungssatz besagt: In einem abgeschlossenen System (ein System, auf das keine äußeren Kräfte wie Reibung oder Anschieben von außen wirken) bleibt der Gesamtimpuls immer konstant. Die Summe aller Impulse vor dem Stoß ist exakt gleich der Summe aller Impulse nach dem Stoß.
Das Geniale daran: Dieses Gesetz gilt immer – egal ob der Stoß elastisch oder unelastisch ist, und egal ob er in einer Linie (1D) oder im Raum (3D) stattfindet!
Warum die Energieerhaltung allein nicht reicht: Das Kugelstoßpendel
Stell dir ein Kugelstoßpendel (Newton-Wiege) vor. Du lässt eine Kugel aus einer bestimmten Höhe los. Sie trifft mit der Geschwindigkeit auf die anderen. Warum fliegt auf der anderen Seite immer genau eine Kugel weg und niemals zwei?

Lass uns das mathematisch prüfen. Angenommen, eine Kugel (Masse ) kommt mit Geschwindigkeit an.
- Ihre Energie ist:
- Ihr Impuls ist:
Könnten auf der anderen Seite zwei Kugeln (Masse ) wegfliegen, ohne die Energieerhaltung zu verletzen? Ja! Wenn sie mit der geringeren Geschwindigkeit wegfliegen, wäre ihre Energie:
Die Energie wäre also perfekt erhalten! Aber was sagt der Impuls dazu? Berechnen wir den Impuls für diese zwei Kugeln:
Da etwa ist, wäre der neue Impuls plötzlich größer als der alte ( ist größer als ). Der Impuls hätte sich aus dem Nichts vermehrt! Da der Impulserhaltungssatz das strengstens verbietet, ist dieses Szenario physikalisch unmöglich. Es muss immer genau eine Kugel wegfliegen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Skizziere Start- und Endzustand: Zeichne die Körper vor und nach dem Stoß. Notiere Massen und Geschwindigkeiten. Achte auf das Vorzeichen der Richtung!
- Bestimme die Stoßart: Überlege, ob die Körper abprallen (elastisch) oder zusammenkleben (unelastisch).
- Stelle die Impulserhaltung auf: Nutze (elastisch) oder (unelastisch).
- Setze die Werte ein: Trage deine Zahlen mit Einheiten in die Formel ein und löse sie nach der gesuchten Unbekannten auf.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Ein Güterwaggon mit einer Masse von rollt mit einer Geschwindigkeit von auf einen zweiten, ruhenden Waggon mit einer Masse von zu. Beim Aufprall verhaken sich die Kupplungen der beiden Waggons, sodass sie gemeinsam weiterrollen. Berechne die gemeinsame Endgeschwindigkeit der beiden Waggons nach dem Stoß.

- Schritt 1Start- und Endzustand skizzieren
Vor dem Stoß: Waggon 1: , Waggon 2: , (ruht) Nach dem Stoß: Beide Waggons zusammen: Masse = , gemeinsame Geschwindigkeit = (gesucht)
- Schritt 2Stoßart bestimmen
Da sich die Kupplungen verhaken und sie gemeinsam weiterrollen, handelt es sich um einen unelastischen Stoß.
- Schritt 3Impulserhaltung aufstellen
Wir nutzen die Formel für den unelastischen Stoß:
- Schritt 4 · ErgebnisWerte einsetzen und auflösen
Wir setzen die bekannten Werte ein: Nun teilen wir beide Seiten durch :
Die gemeinsame Endgeschwindigkeit der beiden Waggons nach dem Stoß beträgt . Realitätscheck: Die Einheit ist korrekt für eine Geschwindigkeit. Da der zweite Waggon schwerer ist und stand, macht es physikalisch Sinn, dass die gemeinsame Geschwindigkeit deutlich geringer ist als die anfängliche Geschwindigkeit des ersten Waggons.
Quiz zu Stöße und Impulserhaltung: Teste dein Wissen
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Quizfrage 1 zu Stöße und Impulserhaltung
Wie lautet die Formel zur Berechnung des Impulses?
Quizfrage 2 zu Stöße und Impulserhaltung
Nur mit AccountBei welchem Vorgang geht kinetische Energie verloren?
Übungsaufgabe zu Stöße und Impulserhaltung
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- Elastischer Stoß: Körper prallen ab. Die kinetische Energie bleibt vollständig erhalten.
- Unelastischer Stoß: Körper verformen sich und kleben zusammen. Kinetische Energie geht verloren (wird zu Wärme/Verformung).
- Impulserhaltung: In einem abgeschlossenen System bleibt der Gesamtimpuls () immer erhalten, egal welche Art von Stoß vorliegt.
- Die goldene Regel: ist dein wichtigstes Werkzeug, um Geschwindigkeiten nach einem Zusammenstoß zu berechnen.
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Häufige Fragen
Was sind Stöße und Impulserhaltung in der Physik?
Stöße und Impulserhaltung beschreiben, wie sich Körper bei einem Zusammenstoß verhalten. Der Impulserhaltungssatz besagt, dass in einem abgeschlossenen System der Gesamtimpuls vor und nach dem Stoß immer gleich bleibt. Der Impuls ist dabei das Produkt aus Masse und Geschwindigkeit (p = m · v).
Was ist der Unterschied zwischen einem elastischen und unelastischen Stoß?
Bei einem elastischen Stoß prallen die Körper voneinander ab, ohne dass kinetische Energie verloren geht (z. B. Billardkugeln). Bei einem unelastischen Stoß verformen sich die Körper und bewegen sich oft gemeinsam weiter (z. B. Autounfall). Dabei wird ein Teil der kinetischen Energie in Wärme oder Verformungsarbeit umgewandelt.
Warum reicht die Energieerhaltung bei Stößen oft nicht aus?
Bei unelastischen Stößen geht kinetische Energie durch Verformung und Wärme verloren. Daher kannst du den Energieerhaltungssatz hier nicht anwenden, um Geschwindigkeiten zu berechnen. Der Impulserhaltungssatz gilt hingegen immer – egal ob der Stoß elastisch oder unelastisch ist.
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