Stöße und Impulserhaltung einfach erklärt: Regeln & Beispiele

Lerne alles über Stöße und Impulserhaltung in der Physik. Wir erklären dir den Unterschied zwischen elastischen und unelastischen Stößen mit Beispielen.

📅 Aktualisiert 27. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Stöße und Impulserhaltung einfach erklärt: Regeln & Beispiele

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Student thinking

Stell dir vor, du spielst Billard. Die weiße Kugel trifft eine rote Kugel, es macht „Klack“, und beide Kugeln rollen sauber in verschiedene Richtungen weiter. Stell dir nun vor, du wirfst zwei weiche Kugeln aus Knetmasse gegeneinander. Es macht „Patsch“, sie verformen sich und fallen als ein einziger, dicker Klumpen zu Boden. Wenn du dich fragst, warum das so ist, bist du beim Thema Stöße und Impulserhaltung genau richtig.

Billardkugeln beim Stoß
Billardkugeln beim Stoß

Warum verhalten sich Gegenstände bei einem Zusammenstoß so unterschiedlich? Und wie können Unfallforscher genau berechnen, wie schnell zwei Autos vor einem Crash waren? Die Antwort liegt in zwei der mächtigsten Werkzeuge der Physik: der Energie und dem Impuls. In dieser Lektion lernst du, wie du jeden Zusammenstoß im Universum berechnen kannst!

Vorwissen

  • Kinetische Energie (EkinE_{kin}): Die Bewegungsenergie eines Körpers. Formel: Ekin=12mv2E_{kin} = \frac{1}{2} \cdot m \cdot v^2 Beispiel: Ein 1000 kg1000 \text{ kg} schweres Auto, das mit 10 m/s10 \text{ m/s} fährt, hat eine kinetische Energie von 50000 J50000 \text{ J}.

  • Impuls (pp): Der „Schwung“ oder die Wucht eines Körpers. Er ist eine gerichtete Größe (Vektor). Formel: p=mvp = m \cdot v Beispiel: Ein 1000 kg1000 \text{ kg} schweres Auto bei 10 m/s10 \text{ m/s} hat einen Impuls von 10000 kg m/s10000 \text{ kg m/s}.

Aufgabentyp 1: Stoßprobleme mit der Impulserhaltung lösen

In der Physik unterscheiden wir bei Zusammenstößen (Stößen) zwischen zwei Extremfällen, je nachdem, was mit der kinetischen Energie passiert.

Der elastische Stoß

Bei einem perfekt elastischen Stoß (wie bei harten Billardkugeln) prallen die Körper aneinander ab und bewegen sich danach unabhängig voneinander weiter. Die Wechselwirkung ist so kurz, dass keine Energie durch Reibung oder Verformung verloren geht. Die gesamte kinetische Energie bleibt erhalten.

Wenn zwei gleich schwere Kugeln (m1=m2=mm_1 = m_2 = m) elastisch zusammenstoßen, lautet die Energiegleichung:

12mv12+12mv22=12mv12+12mv22\frac{1}{2} m \cdot v_1^2 + \frac{1}{2} m \cdot v_2^2 = \frac{1}{2} m \cdot v_1'^2 + \frac{1}{2} m \cdot v_2'^2

(Hinweis: Das kleine Strich-Symbol ' bedeutet immer „nach dem Stoß“). Da die Masse überall gleich ist, können wir die Formel stark vereinfachen:

v12+v22=v12+v22v_1^2 + v_2^2 = v_1'^2 + v_2'^2

Stell dir vor, Kugel 2 ruht vor dem Stoß (v2=0v_2 = 0). Dann bleibt übrig: v12=v12+v22v_1^2 = v_1'^2 + v_2'^2. Hier stoßen wir auf ein Problem: Wir haben nur eine Gleichung, aber zwei Unbekannte (v1v_1' und v2v_2'). Die Energieerhaltung allein reicht also nicht aus, um vorherzusagen, wie schnell die Kugeln nach dem Stoß sind!

Der unelastische Stoß

Bei einem unelastischen Stoß (wie bei einem Autounfall oder zwei Knetkugeln) verformen sich die Körper. Sie verhaken sich, kleben aneinander und bewegen sich nach dem Stoß mit einer gemeinsamen Endgeschwindigkeit weiter.

Zwei verformte Autos nach Crash
Zwei verformte Autos nach Crash

Bei dieser Verformung geht massiv kinetische Energie verloren, weil sie in Wärme und Verformungsarbeit umgewandelt wird. Deshalb darfst du den Energieerhaltungssatz hier nicht verwenden, um die Geschwindigkeiten nach dem Stoß zu berechnen.

Der Impulserhaltungssatz

Da uns die Energieerhaltung oft im Stich lässt, brauchen wir ein mächtigeres Werkzeug. Hier kommt der Impuls ins Spiel.

Der Impulserhaltungssatz besagt: In einem abgeschlossenen System (ein System, auf das keine äußeren Kräfte wie Reibung oder Anschieben von außen wirken) bleibt der Gesamtimpuls immer konstant. Die Summe aller Impulse vor dem Stoß ist exakt gleich der Summe aller Impulse nach dem Stoß.

p1+p2=p1+p2\textcolor{#9570FF}{p_1} + \textcolor{#9570FF}{p_2} = \textcolor{#9570FF}{p_1'} + \textcolor{#9570FF}{p_2'}

Das Geniale daran: Dieses Gesetz gilt immer – egal ob der Stoß elastisch oder unelastisch ist, und egal ob er in einer Linie (1D) oder im Raum (3D) stattfindet!

Warum die Energieerhaltung allein nicht reicht: Das Kugelstoßpendel

Stell dir ein Kugelstoßpendel (Newton-Wiege) vor. Du lässt eine Kugel aus einer bestimmten Höhe los. Sie trifft mit der Geschwindigkeit vv auf die anderen. Warum fliegt auf der anderen Seite immer genau eine Kugel weg und niemals zwei?

Kugelstoßpendel in Bewegung
Kugelstoßpendel in Bewegung

Lass uns das mathematisch prüfen. Angenommen, eine Kugel (Masse mm) kommt mit Geschwindigkeit vv an.

  • Ihre Energie ist: E=12mv2E = \frac{1}{2} \cdot m \cdot v^2
  • Ihr Impuls ist: p=mvp = m \cdot v

Könnten auf der anderen Seite zwei Kugeln (Masse 2m2m) wegfliegen, ohne die Energieerhaltung zu verletzen? Ja! Wenn sie mit der geringeren Geschwindigkeit v=v2v' = \frac{v}{\sqrt{2}} wegfliegen, wäre ihre Energie:

Eneu=12(2m)(v2)2=122mv22=12mv2E_{neu} = \frac{1}{2} \cdot (2m) \cdot \left(\frac{v}{\sqrt{2}}\right)^2 = \frac{1}{2} \cdot 2m \cdot \frac{v^2}{2} = \frac{1}{2} \cdot m \cdot v^2

Die Energie wäre also perfekt erhalten! Aber was sagt der Impuls dazu? Berechnen wir den Impuls für diese zwei Kugeln:

pneu=(2m)v2=2mvp_{neu} = (2m) \cdot \frac{v}{\sqrt{2}} = \sqrt{2} \cdot m \cdot v

Da 2\sqrt{2} etwa 1.411.41 ist, wäre der neue Impuls plötzlich größer als der alte (1.41mv1.41 \cdot m \cdot v ist größer als 1mv1 \cdot m \cdot v). Der Impuls hätte sich aus dem Nichts vermehrt! Da der Impulserhaltungssatz das strengstens verbietet, ist dieses Szenario physikalisch unmöglich. Es muss immer genau eine Kugel wegfliegen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Skizziere Start- und Endzustand: Zeichne die Körper vor und nach dem Stoß. Notiere Massen und Geschwindigkeiten. Achte auf das Vorzeichen der Richtung!
  2. Bestimme die Stoßart: Überlege, ob die Körper abprallen (elastisch) oder zusammenkleben (unelastisch).
  3. Stelle die Impulserhaltung auf: Nutze m1v1+m2v2=m1v1+m2v2m_1 \cdot v_1 + m_2 \cdot v_2 = m_1 \cdot v_1' + m_2 \cdot v_2' (elastisch) oder =(m1+m2)v= (m_1 + m_2) \cdot v' (unelastisch).
  4. Setze die Werte ein: Trage deine Zahlen mit Einheiten in die Formel ein und löse sie nach der gesuchten Unbekannten auf.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

Ein Güterwaggon mit einer Masse von 10000 kg10000 \text{ kg} rollt mit einer Geschwindigkeit von 4 m/s4 \text{ m/s} auf einen zweiten, ruhenden Waggon mit einer Masse von 15000 kg15000 \text{ kg} zu. Beim Aufprall verhaken sich die Kupplungen der beiden Waggons, sodass sie gemeinsam weiterrollen. Berechne die gemeinsame Endgeschwindigkeit der beiden Waggons nach dem Stoß.

Zwei Güterwaggons beim Zusammenstoß
Zwei Güterwaggons beim Zusammenstoß
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Start- und Endzustand skizzieren

    Vor dem Stoß: Waggon 1: m1=10000 kgm_1 = 10000 \text{ kg}, v1=4 m/sv_1 = 4 \text{ m/s} Waggon 2: m2=15000 kgm_2 = 15000 \text{ kg}, v2=0 m/sv_2 = 0 \text{ m/s} (ruht) Nach dem Stoß: Beide Waggons zusammen: Masse = m1+m2m_1 + m_2, gemeinsame Geschwindigkeit = vv' (gesucht)

  2. Schritt 2
    Stoßart bestimmen

    Da sich die Kupplungen verhaken und sie gemeinsam weiterrollen, handelt es sich um einen unelastischen Stoß.

  3. Schritt 3
    Impulserhaltung aufstellen

    Wir nutzen die Formel für den unelastischen Stoß: m1v1+m2v2=(m1+m2)vm_1 \cdot v_1 + m_2 \cdot v_2 = (m_1 + m_2) \cdot v'

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Werte einsetzen und auflösen

    Wir setzen die bekannten Werte ein: 10000 kg4 m/s+15000 kg0 m/s=(10000 kg+15000 kg)v10000 \text{ kg} \cdot 4 \text{ m/s} + 15000 \text{ kg} \cdot 0 \text{ m/s} = (10000 \text{ kg} + 15000 \text{ kg}) \cdot v' 40000 kg m/s+0=25000 kgv40000 \text{ kg m/s} + 0 = 25000 \text{ kg} \cdot v' 40000 kg m/s=25000 kgv40000 \text{ kg m/s} = 25000 \text{ kg} \cdot v' Nun teilen wir beide Seiten durch 25000 kg25000 \text{ kg}: v=40000 kg m/s25000 kgv' = \frac{40000 \text{ kg m/s}}{25000 \text{ kg}} v=1.6 m/sv' = 1.6 \text{ m/s}

Ergebnis:

Die gemeinsame Endgeschwindigkeit der beiden Waggons nach dem Stoß beträgt 1.6 m/s1.6 \text{ m/s}. Realitätscheck: Die Einheit m/s\text{m/s} ist korrekt für eine Geschwindigkeit. Da der zweite Waggon schwerer ist und stand, macht es physikalisch Sinn, dass die gemeinsame Geschwindigkeit deutlich geringer ist als die anfängliche Geschwindigkeit des ersten Waggons.

Quiz zu Stöße und Impulserhaltung: Teste dein Wissen

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Quizfrage 1 zu Stöße und Impulserhaltung

Wie lautet die Formel zur Berechnung des Impulses?

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Bei welchem Vorgang geht kinetische Energie verloren?

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Übungsaufgabe zu Stöße und Impulserhaltung

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Wichtige Erkenntnisse

  • Elastischer Stoß: Körper prallen ab. Die kinetische Energie bleibt vollständig erhalten.
  • Unelastischer Stoß: Körper verformen sich und kleben zusammen. Kinetische Energie geht verloren (wird zu Wärme/Verformung).
  • Impulserhaltung: In einem abgeschlossenen System bleibt der Gesamtimpuls (p=mvp = m \cdot v) immer erhalten, egal welche Art von Stoß vorliegt.
  • Die goldene Regel: pvor=pnach\textcolor{#9570FF}{p_{vor}} = \textcolor{#9570FF}{p_{nach}} ist dein wichtigstes Werkzeug, um Geschwindigkeiten nach einem Zusammenstoß zu berechnen.

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Häufige Fragen

Was sind Stöße und Impulserhaltung in der Physik?

Stöße und Impulserhaltung beschreiben, wie sich Körper bei einem Zusammenstoß verhalten. Der Impulserhaltungssatz besagt, dass in einem abgeschlossenen System der Gesamtimpuls vor und nach dem Stoß immer gleich bleibt. Der Impuls ist dabei das Produkt aus Masse und Geschwindigkeit (p = m · v).

Was ist der Unterschied zwischen einem elastischen und unelastischen Stoß?

Bei einem elastischen Stoß prallen die Körper voneinander ab, ohne dass kinetische Energie verloren geht (z. B. Billardkugeln). Bei einem unelastischen Stoß verformen sich die Körper und bewegen sich oft gemeinsam weiter (z. B. Autounfall). Dabei wird ein Teil der kinetischen Energie in Wärme oder Verformungsarbeit umgewandelt.

Warum reicht die Energieerhaltung bei Stößen oft nicht aus?

Bei unelastischen Stößen geht kinetische Energie durch Verformung und Wärme verloren. Daher kannst du den Energieerhaltungssatz hier nicht anwenden, um Geschwindigkeiten zu berechnen. Der Impulserhaltungssatz gilt hingegen immer – egal ob der Stoß elastisch oder unelastisch ist.

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