Gedämpfte elektrische Schwingungen einfach erklärt: Formeln

Lerne, wie gedämpfte elektrische Schwingungen funktionieren. Formeln, Dämpfungskonstante und durchgerechnete Beispiele Schritt für Schritt erklärt.

📅 Aktualisiert 28. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Gedämpfte elektrische Schwingungen einfach erklärt: Formeln

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Student thinking

Stell dir vor, du schaukelst auf einem Spielplatz und hörst auf, Schwung zu holen. Was passiert? Du wirst langsam immer weniger hoch schwingen, bis du schließlich komplett stehen bleibst.

Kind auf einer Schaukel
Kind auf einer Schaukel

Genau das Gleiche passiert in der Physik bei gedämpften elektrischen Schwingungen! Ein elektrischer Schwingkreis schwingt nicht ewig weiter. In dieser Lektion lernen wir, wie der elektrische Widerstand wie eine unsichtbare Bremse wirkt und wie wir genau berechnen können, wann die elektrische Schwingung zum Stillstand kommt.

Vorwissen

  • Idealer Schwingkreis: Ein System aus Spule und Kondensator, das theoretisch ewig schwingt. Formel: ω0=1LC\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L \cdot C}} Beispiel: Ein idealer Schwingkreis tauscht elektrische Energie verlustfrei zwischen elektrischem und magnetischem Feld hin und her.
  • Maschenregel (Kirchhoff): In einem geschlossenen Stromkreis ist die Summe aller Spannungen null. Formel: U=0\sum U = 0 Beispiel: Die Spannung der Quelle entspricht exakt der Summe der Spannungen an allen Verbrauchern in der Masche.
  • Mechanische Reibung: Ein Effekt, der Bewegung bremst und Bewegungsenergie in Wärme umwandelt. Beispiel: Ein rollendes Skateboard wird auf rauem Asphalt langsam abgebremst und stoppt schließlich.

Aufgabentyp 1: Gedämpfte Schwingkreise berechnen

In einer perfekten Welt würde ein elektrischer Schwingkreis ewig weiterschwingen. In der Realität besitzt jedoch jedes Kabel und jede Spule einen natürlichen ohmschen Widerstand (RR).

Dieser Widerstand wirkt genau wie die mechanische Reibung bei einem Skateboard. Er entzieht dem System kontinuierlich Energie, indem er einen Teil der elektrischen Energie in Wärme umwandelt. Man nennt diesen Vorgang auch Dissipation.

Weil bei jedem Hin- und Herschwingen der Elektronen ein bisschen Energie als Wärme verloren geht, wird die Amplitude (der maximale Ausschlag von Spannung oder Stromstärke) mit der Zeit immer kleiner.

Graph einer gedämpften Schwingung
Graph einer gedämpften Schwingung

Wenn dem System keine neue Energie von außen zugeführt wird, nimmt die Schwingung exponentiell ab, bis sie schließlich ganz zum Erliegen kommt.

Um dieses "Ausfaden" mathematisch zu beschreiben, nutzen wir die Maschenregel. In unserem Stromkreis addieren sich die Spannungen von Kondensator (C\textcolor{#9570FF}{C}), Widerstand (R\textcolor{#FF7D57}{R}) und Spule (L\textcolor{#08BFFF}{L}) zu null:

UC+UR+UL=0U_C + U_R + U_L = 0

Wir wissen, dass der Strom II die Änderung der Ladung Q˙\textcolor{#53E5D6}{\dot{Q}} ist. Setzen wir die passenden Formeln für die Bauteile ein, erhalten wir die Differentialgleichung des gedämpften Schwingkreises:

1CQ+RQ˙+LQ¨=0\frac{1}{\textcolor{#9570FF}{C}} \cdot \textcolor{#53E5D6}{Q} + \textcolor{#FF7D57}{R} \cdot \textcolor{#53E5D6}{\dot{Q}} + \textcolor{#08BFFF}{L} \cdot \textcolor{#53E5D6}{\ddot{Q}} = 0

Die Lösung dieser Gleichung verrät uns, wie sich die Ladung Q\textcolor{#53E5D6}{Q} über die Zeit verhält:

Q(t)=Q0eδtcos(ωt)\textcolor{#53E5D6}{Q}(t) = Q_0 \cdot e^{-\delta \cdot t} \cdot \cos(\omega \cdot t)

Diese Formel besteht aus zwei Teilen, die gleichzeitig passieren:

  1. Das Abklingen (eδte^{-\delta \cdot t}): Die Dämpfungskonstante δ=R2L\delta = \frac{\textcolor{#FF7D57}{R}}{2 \cdot \textcolor{#08BFFF}{L}} bestimmt, wie schnell die Energie verloren geht.
  2. Das Schwingen (cos(ωt)\cos(\omega \cdot t)): Die neue, gedämpfte Kreisfrequenz ist ω=ω02δ2\omega = \sqrt{\omega_0^2 - \delta^2}. Sie ist etwas langsamer als beim idealen Schwingkreis.

Was passiert, wenn der Widerstand R\textcolor{#FF7D57}{R} extrem groß wird? Hier unterscheiden wir drei Fälle:

  • Schwingfall (δ<ω0\delta < \omega_0): Der Widerstand ist klein. Das System schwingt und die Amplitude wird langsam kleiner.
  • Aperiodischer Grenzfall (δ=ω0\delta = \omega_0): Der Widerstand ist genau so groß, dass das System gar nicht mehr schwingt. Die Ladung fällt auf dem schnellstmöglichen Weg auf null ab.
  • Kriechfall (δ>ω0\delta > \omega_0): Der Widerstand ist riesig. Die Ladung "kriecht" extrem langsam auf null zurück, ohne zu schwingen.

Alle drei Fälle zeigen, wie der Widerstand das Verhalten des Stromkreises grundlegend verändert.

Schwingfall Grenzfall und Kriechfall
Schwingfall Grenzfall und Kriechfall

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Werte notieren und Einheiten anpassen: Schreibe alle gegebenen Werte auf. Wandle Einheiten wie Millihenry (mH\text{mH}) in Henry (H\text{H}) und Mikrofarad (μF\mu\text{F}) in Farad (F\text{F}) um.
  2. Ungedämpfte Eigenkreisfrequenz berechnen: Nutze die Formel für den idealen Schwingkreis: ω0=1LC\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L \cdot C}}.
  3. Dämpfungskonstante berechnen: Berechne den Einfluss des Widerstands mit der Formel: δ=R2L\delta = \frac{R}{2 \cdot L}.
  4. Fall unterscheiden: Vergleiche δ\delta und ω0\omega_0. Ist δ<ω0\delta < \omega_0, liegt ein Schwingfall vor und du kannst weiterrechnen.
  5. Gedämpfte Frequenz berechnen: Berechne zuerst die gedämpfte Kreisfrequenz ω=ω02δ2\omega = \sqrt{\omega_0^2 - \delta^2}. Teile das Ergebnis anschließend durch 2π2\pi, um die Frequenz ff in Hertz (Hz\text{Hz}) zu erhalten.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein realer Schwingkreis besteht aus einer Spule mit L=0.5 HL = 0.5 \text{ H}, einem Kondensator mit C=2 μFC = 2 \ \mu\text{F} und einem ohmschen Widerstand von R=100 ΩR = 100 \ \Omega. Berechne die Dämpfungskonstante, prüfe, welcher Fall vorliegt, und berechne die Frequenz ff der gedämpften Schwingung.

Schaltplan eines realen Schwingkreises
Schaltplan eines realen Schwingkreises
Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Werte notieren und Einheiten anpassen

    Gegeben: L=0.5 HL = 0.5 \text{ H} C=2 μF=2106 FC = 2 \ \mu\text{F} = 2 \cdot 10^{-6} \text{ F} R=100 ΩR = 100 \ \Omega

  2. Schritt 2
    Ungedämpfte Eigenkreisfrequenz berechnen

    ω0=1LC\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L \cdot C}} ω0=10.5 H2106 F\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{0.5 \text{ H} \cdot 2 \cdot 10^{-6} \text{ F}}} ω0=1000 s1\omega_0 = 1000 \text{ s}^{-1}

  3. Schritt 3
    Dämpfungskonstante berechnen

    δ=R2L\delta = \frac{R}{2 \cdot L} δ=100 Ω20.5 H\delta = \frac{100 \ \Omega}{2 \cdot 0.5 \text{ H}} δ=100 s1\delta = 100 \text{ s}^{-1}

  4. Schritt 4
    Fall unterscheiden

    Wir vergleichen δ\delta und ω0\omega_0: 100 s1<1000 s1100 \text{ s}^{-1} < 1000 \text{ s}^{-1} Da δ<ω0\delta < \omega_0, liegt der Schwingfall vor.

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Gedämpfte Frequenz berechnen

    Zuerst berechnen wir die gedämpfte Kreisfrequenz ω\omega: ω=ω02δ2\omega = \sqrt{\omega_0^2 - \delta^2} ω=(1000 s1)2(100 s1)2\omega = \sqrt{(1000 \text{ s}^{-1})^2 - (100 \text{ s}^{-1})^2} ω=1000000 s210000 s2\omega = \sqrt{1000000 \text{ s}^{-2} - 10000 \text{ s}^{-2}} ω=990000 s2994.99 s1\omega = \sqrt{990000 \text{ s}^{-2}} \approx 994.99 \text{ s}^{-1}

    Nun berechnen wir die Frequenz ff: f=ω2πf = \frac{\omega}{2\pi} f=994.99 s12π158.36 Hzf = \frac{994.99 \text{ s}^{-1}}{2 \cdot \pi} \approx 158.36 \text{ Hz}

Ergebnis:

Die Dämpfungskonstante beträgt 100 s1100 \text{ s}^{-1}, es liegt ein Schwingfall vor und die Frequenz der gedämpften Schwingung ist ca. 158.36 Hz158.36 \text{ Hz}. Realitätscheck: Die Frequenz ist mit ca. 158 Hz158 \text{ Hz} etwas kleiner als die ungedämpfte Frequenz (ca. 159 Hz159 \text{ Hz}). Das ergibt physikalisch Sinn, da die Dämpfung die Schwingung leicht verlangsamt.

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Quizfrage 1 zu Gedämpfte elektrische Schwingungen

Welche Wirkung hat der ohmsche Widerstand in einem realen elektrischen Schwingkreis?

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Mit welcher Formel wird die Dämpfungskonstante berechnet?

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Wichtige Erkenntnisse

  • Reale Schwingkreise besitzen einen ohmschen Widerstand, der wie mechanische Reibung wirkt und elektrische Energie in Wärme umwandelt.
  • Durch diesen Energieverlust nimmt die Amplitude der Schwingung exponentiell ab (Dämpfung).
  • Die Differentialgleichung kombiniert den exponentiellen Abfall (eδte^{-\delta \cdot t}) mit einer Schwingung (cos(ωt)\cos(\omega \cdot t)).
  • Ist der Widerstand zu groß, stoppt die Schwingung komplett. Man spricht dann vom aperiodischen Grenzfall oder Kriechfall.

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Häufige Fragen

Was sind gedämpfte elektrische Schwingungen?

Gedämpfte elektrische Schwingungen entstehen in einem realen Schwingkreis, weil Bauteile wie Spulen und Kabel einen ohmschen Widerstand haben. Dieser Widerstand entzieht dem System Energie und wandelt sie in Wärme um. Dadurch wird die Amplitude der Schwingung mit der Zeit immer kleiner, bis sie schließlich ganz aufhört.

Wie berechnet man die Dämpfungskonstante?

Die Dämpfungskonstante δ berechnest du mit der Formel δ = R / (2 · L). Dabei ist R der ohmsche Widerstand und L die Induktivität der Spule. Sie gibt an, wie schnell die Energie im Schwingkreis verloren geht und die Schwingung abklingt.

Was ist der Unterschied zwischen Schwingfall und Kriechfall?

Beim Schwingfall ist der Widerstand klein genug, sodass das System noch schwingt, während die Amplitude langsam abnimmt. Beim Kriechfall ist der Widerstand so groß, dass gar keine Schwingung mehr zustande kommt. Die elektrische Ladung „kriecht“ dann nur noch extrem langsam auf null zurück.

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