Reale Gase einfach erklärt: Van-der-Waals-Gleichung
Erklärvideo – jetzt freischalten
Stell dir eine leere U-Bahn vor. Du kannst stehen, wo du willst, und interagierst nicht mit den wenigen anderen Fahrgästen. Genau so verhält sich ein „ideales Gas“. Aber was passiert zur Rushhour?

Plötzlich ist die Bahn brechend voll. Die Menschen nehmen physischen Platz weg und du wirst vielleicht vom Rucksack deines Nachbarn mitgezogen. In der Welt der Physik passiert diese „Rushhour“ bei extrem hohem Druck. In dieser Lektion lernen wir, warum das ideale Gasgesetz unter solchen Bedingungen zusammenbricht und wie die Van-der-Waals-Gleichung den Tag rettet!
Schnellantwort
Ein reales Gas ist ein Gas, bei dem das Eigenvolumen der Gasteilchen und deren gegenseitige Anziehungskräfte nicht mehr vernachlässigt werden können. Dies tritt besonders bei extrem hohem Druck auf, weshalb das ideale Gasgesetz hier durch die Van-der-Waals-Gleichung ersetzt werden muss.
Vorwissen
- Ideales Gasgesetz: Beschreibt das Verhalten von Gasen unter normalen Bedingungen. Formel: Beispiel: Ein Ballon mit Gas dehnt sich aus, wenn die Temperatur steigt, damit der Druck im Inneren konstant bleibt.
Aufgabentyp 1: Abweichungen und die Van-der-Waals-Gleichung
Das ideale Gasmodell geht von zwei großen Vereinfachungen aus: Die Gasteilchen sind unendlich kleine Punkte (ohne eigenes Volumen) und sie ziehen sich nicht gegenseitig an. Bei normalem Druck und Raumtemperatur funktioniert das sehr gut.
Real-World Context: In technischen Anwendungen, wie zum Beispiel in Gasflaschen für Taucher, herrscht jedoch ein extrem hoher Druck. Die Teilchen werden dicht zusammengepresst.
Unter diesen extremen Bedingungen wird das Gas zu einem realen Gas und weicht vom idealen Verhalten ab:
- Eigenvolumen: Die Teilchen haben eine tatsächliche Größe. Sie können nicht auf ein Volumen von null zusammengepresst werden.
- Anziehungskräfte: Wenn die Teilchen sehr nah beieinander sind, ziehen sie sich gegenseitig an.

Um diese Effekte zu berechnen, hat der Physiker Johannes Diderik van der Waals das ideale Gasgesetz erweitert. Die Van-der-Waals-Gleichung fügt zwei Korrekturwerte hinzu:
- Die Konstante korrigiert das Eigenvolumen. Das Gas hat weniger Platz zur Verfügung, also rechnen wir .
- Die Konstante korrigiert die Anziehungskräfte. Weil sich die Teilchen gegenseitig zurückziehen, prallen sie schwächer gegen die Wand. Der gemessene Druck ist also kleiner. Um auf den idealen Druck zu kommen, müssen wir einen Wert addieren: .
Wenn wir diese beiden Korrekturen in das ideale Gasgesetz () einbauen, erhalten wir die vollständige Formel:
Schritt-für-Schritt-Anleitung
In Prüfungen musst du oft den tatsächlichen Druck eines realen Gases berechnen. Dafür müssen wir die Van-der-Waals-Gleichung umstellen.
- Werte und Konstanten notieren: Schreibe alle gegebenen Werte () und die materialspezifischen Konstanten ( und ) auf. Achte auf die SI-Einheiten (z.B. Volumen in ).
- Formel nach dem Druck umstellen: Teile zuerst durch die Volumen-Klammer und ziehe dann den Druck-Korrekturterm ab. Die umgestellte Formel lautet immer:
- Teilterme einzeln berechnen: Berechne zuerst den linken Bruch (den "idealen" Teil mit Volumenkorrektur) und dann den rechten Bruch (die Druckkorrektur).
- Endergebnis ausrechnen: Subtrahiere den rechten Wert vom linken Wert, um den realen Druck in Pascal () zu erhalten.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
In einem robusten Stahltank mit einem Volumen von befinden sich eines realen Gases bei einer Temperatur von . Berechne den Druck im Tank. Verwende die universelle Gaskonstante . Die Van-der-Waals-Konstanten für dieses Gas sind: und .

- Schritt 1Werte und Konstanten notieren
Gegeben: (Hinweis: ) Gesucht: Druck
- Schritt 2Formel nach dem Druck umstellen
Wir nutzen die umgestellte Van-der-Waals-Gleichung:
- Schritt 3Teilterme einzeln berechnen
Wir setzen die Werte in den ersten Bruch ein:
Nun berechnen wir den zweiten Bruch (die Korrektur durch Anziehungskräfte):
- Schritt 4 · ErgebnisEndergebnis ausrechnen
Jetzt ziehen wir die Korrektur ab:
Der Druck des realen Gases im Tank beträgt (oder ca. ). Ein ideales Gas hätte unter diesen Bedingungen einen Druck von ca. erzeugt. Da sich die Teilchen des realen Gases gegenseitig anziehen, prallen sie mit weniger Wucht gegen die Wand. Ein geringerer Druck als beim idealen Gas ergibt also physikalisch absolut Sinn!
Quiz zu Reale Gase: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Reale Gase und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Reale Gase
Unter welchen Bedingungen muss das ideale Gasgesetz durch die Van-der-Waals-Gleichung ersetzt werden?
Quizfrage 2 zu Reale Gase
Nur mit AccountWelche zwei großen Vereinfachungen trifft das ideale Gasmodell laut Artikel?
Übungsaufgabe zu Reale Gase
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- Bei hohen Drücken weichen Gase vom idealen Verhalten ab, da die Teilchen dicht zusammengedrängt werden.
- Reale Gasteilchen besitzen ein Eigenvolumen (Korrekturfaktor ).
- Reale Gasteilchen üben Anziehungskräfte aufeinander aus (Korrekturfaktor ).
- Die Van-der-Waals-Gleichung berücksichtigt diese beiden Eigenschaften: .
Stell deine eigene Aufgabe zu „Reale Gase einfach erklärt: Van-der-Waals-Gleichung“
Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.
Häufige Fragen
Was sind reale Gase?
Ein reales Gas ist ein Gas, bei dem die Teilchen ein eigenes Volumen besitzen und sich gegenseitig anziehen. Diese Eigenschaften werden im Modell des idealen Gases vernachlässigt, spielen aber bei hohem Druck oder niedrigen Temperaturen eine entscheidende Rolle.
Was ist der Unterschied zwischen einem idealen und einem realen Gas?
Beim idealen Gas nimmt man an, dass die Teilchen unendlich klein sind (kein Eigenvolumen) und keine Kräfte aufeinander ausüben. Beim realen Gas berücksichtigt man das tatsächliche Volumen der Teilchen und ihre Anziehungskräfte, was zu Abweichungen bei der Druck- und Volumenberechnung führt.
Wofür braucht man die Van-der-Waals-Gleichung?
Die Van-der-Waals-Gleichung erweitert das ideale Gasgesetz um zwei Korrekturfaktoren: den Parameter a für die Anziehungskräfte und den Parameter b für das Eigenvolumen der Teilchen. Mit ihr lässt sich das Verhalten realer Gase mathematisch präzise beschreiben.
Verwandte Themen
Themen aus demselben Kapitel deines Lehrplans.
Als Nächstes lernen
Passende Themen rund um Reale Gase, die dein Wissen vertiefen.
Weiter lernen
„Reale Gase einfach erklärt: Van-der-Waals-Gleichung“ kommt in Physik Klasse 5 dran – im Kapitel Gase. Alle Themen der Klassenstufe: Physik Klasse 5.
„Reale Gase einfach erklärt: Van-der-Waals-Gleichung“ kommt in Physik Klasse 6 dran – im Kapitel Gase. Alle Themen der Klassenstufe: Physik Klasse 6.
„Reale Gase einfach erklärt: Van-der-Waals-Gleichung“ kommt in Physik Klasse 7 dran – im Kapitel Gase. Alle Themen der Klassenstufe: Physik Klasse 7.
„Reale Gase einfach erklärt: Van-der-Waals-Gleichung“ kommt in Physik Klasse 8 dran – im Kapitel Gase. Alle Themen der Klassenstufe: Physik Klasse 8.
Physik nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Physik-Themen