Reale Gase einfach erklärt: Van-der-Waals-Gleichung

Reale Gase weichen vom idealen Verhalten ab. Erfahre hier, wie Eigenvolumen und Anziehungskräfte wirken und wie du mit der Van-der-Waals-Gleichung rechnest.

📅 Aktualisiert 27. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Reale Gase einfach erklärt: Van-der-Waals-Gleichung

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Student thinking

Stell dir eine leere U-Bahn vor. Du kannst stehen, wo du willst, und interagierst nicht mit den wenigen anderen Fahrgästen. Genau so verhält sich ein „ideales Gas“. Aber was passiert zur Rushhour?

Menschen in voller U-Bahn
Menschen in voller U-Bahn

Plötzlich ist die Bahn brechend voll. Die Menschen nehmen physischen Platz weg und du wirst vielleicht vom Rucksack deines Nachbarn mitgezogen. In der Welt der Physik passiert diese „Rushhour“ bei extrem hohem Druck. In dieser Lektion lernen wir, warum das ideale Gasgesetz unter solchen Bedingungen zusammenbricht und wie die Van-der-Waals-Gleichung den Tag rettet!

Schnellantwort

Ein reales Gas ist ein Gas, bei dem das Eigenvolumen der Gasteilchen und deren gegenseitige Anziehungskräfte nicht mehr vernachlässigt werden können. Dies tritt besonders bei extrem hohem Druck auf, weshalb das ideale Gasgesetz hier durch die Van-der-Waals-Gleichung ersetzt werden muss.

Vorwissen

  • Ideales Gasgesetz: Beschreibt das Verhalten von Gasen unter normalen Bedingungen. Formel: pV=nRTp \cdot V = n \cdot R \cdot T Beispiel: Ein Ballon mit 1 mol1 \text{ mol} Gas dehnt sich aus, wenn die Temperatur TT steigt, damit der Druck pp im Inneren konstant bleibt.

Aufgabentyp 1: Abweichungen und die Van-der-Waals-Gleichung

Das ideale Gasmodell geht von zwei großen Vereinfachungen aus: Die Gasteilchen sind unendlich kleine Punkte (ohne eigenes Volumen) und sie ziehen sich nicht gegenseitig an. Bei normalem Druck und Raumtemperatur funktioniert das sehr gut.

Real-World Context: In technischen Anwendungen, wie zum Beispiel in Gasflaschen für Taucher, herrscht jedoch ein extrem hoher Druck. Die Teilchen werden dicht zusammengepresst.

Unter diesen extremen Bedingungen wird das Gas zu einem realen Gas und weicht vom idealen Verhalten ab:

  1. Eigenvolumen: Die Teilchen haben eine tatsächliche Größe. Sie können nicht auf ein Volumen von null zusammengepresst werden.
  2. Anziehungskräfte: Wenn die Teilchen sehr nah beieinander sind, ziehen sie sich gegenseitig an.
Teilchen im realen Gas
Teilchen im realen Gas

Um diese Effekte zu berechnen, hat der Physiker Johannes Diderik van der Waals das ideale Gasgesetz erweitert. Die Van-der-Waals-Gleichung fügt zwei Korrekturwerte hinzu:

  • Die Konstante b\textcolor{#08BFFF}{b} korrigiert das Eigenvolumen. Das Gas hat weniger Platz zur Verfügung, also rechnen wir (Vnb)(V - n \cdot \textcolor{#08BFFF}{b}).
  • Die Konstante a\textcolor{#9570FF}{a} korrigiert die Anziehungskräfte. Weil sich die Teilchen gegenseitig zurückziehen, prallen sie schwächer gegen die Wand. Der gemessene Druck ist also kleiner. Um auf den idealen Druck zu kommen, müssen wir einen Wert addieren: (p+n2aV2)(p + \frac{n^2 \cdot \textcolor{#9570FF}{a}}{V^2}).

Wenn wir diese beiden Korrekturen in das ideale Gasgesetz (pV=nRTp \cdot V = n \cdot R \cdot T) einbauen, erhalten wir die vollständige Formel:

(p+n2aV2)(Vnb)=nRT\left( p + \frac{n^2 \cdot \textcolor{#9570FF}{a}}{V^2} \right) \cdot (V - n \cdot \textcolor{#08BFFF}{b}) = n \cdot R \cdot T

Schritt-für-Schritt-Anleitung

In Prüfungen musst du oft den tatsächlichen Druck pp eines realen Gases berechnen. Dafür müssen wir die Van-der-Waals-Gleichung umstellen.

  1. Werte und Konstanten notieren: Schreibe alle gegebenen Werte (n,V,Tn, V, T) und die materialspezifischen Konstanten (a\textcolor{#9570FF}{a} und b\textcolor{#08BFFF}{b}) auf. Achte auf die SI-Einheiten (z.B. Volumen in m3\text{m}^3).
  2. Formel nach dem Druck umstellen: Teile zuerst durch die Volumen-Klammer und ziehe dann den Druck-Korrekturterm ab. Die umgestellte Formel lautet immer: p=nRTVnbn2aV2p = \frac{n \cdot R \cdot T}{V - n \cdot \textcolor{#08BFFF}{b}} - \frac{n^2 \cdot \textcolor{#9570FF}{a}}{V^2}
  3. Teilterme einzeln berechnen: Berechne zuerst den linken Bruch (den "idealen" Teil mit Volumenkorrektur) und dann den rechten Bruch (die Druckkorrektur).
  4. Endergebnis ausrechnen: Subtrahiere den rechten Wert vom linken Wert, um den realen Druck in Pascal (Pa\text{Pa}) zu erhalten.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einem robusten Stahltank mit einem Volumen von 0.1 m30.1 \text{ m}^3 befinden sich 100 mol100 \text{ mol} eines realen Gases bei einer Temperatur von 300 K300 \text{ K}. Berechne den Druck pp im Tank. Verwende die universelle Gaskonstante R=8.31 J/(mol K)R = 8.31 \text{ J/(mol K)}. Die Van-der-Waals-Konstanten für dieses Gas sind: a=0.4 Pa m6/mol2a = 0.4 \text{ Pa m}^6/\text{mol}^2 und b=0.00004 m3/molb = 0.00004 \text{ m}^3/\text{mol}.

Gastank mit realem Gas
Gastank mit realem Gas
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Werte und Konstanten notieren

    Gegeben: V=0.1 m3V = 0.1 \text{ m}^3 n=100 moln = 100 \text{ mol} T=300 KT = 300 \text{ K} R=8.31 J/(mol K)R = 8.31 \text{ J/(mol K)} (Hinweis: 1 J=1 Pa m31 \text{ J} = 1 \text{ Pa m}^3) a=0.4 Pa m6/mol2\textcolor{#9570FF}{a} = 0.4 \text{ Pa m}^6/\text{mol}^2 b=0.00004 m3/mol\textcolor{#08BFFF}{b} = 0.00004 \text{ m}^3/\text{mol} Gesucht: Druck p=?p = ?

  2. Schritt 2
    Formel nach dem Druck umstellen

    Wir nutzen die umgestellte Van-der-Waals-Gleichung: p=nRTVnbn2aV2p = \frac{n \cdot R \cdot T}{V - n \cdot \textcolor{#08BFFF}{b}} - \frac{n^2 \cdot \textcolor{#9570FF}{a}}{V^2}

  3. Schritt 3
    Teilterme einzeln berechnen

    Wir setzen die Werte in den ersten Bruch ein: nRTVnb=100 mol8.31 J/(mol K)300 K0.1 m3100 mol0.00004 m3/mol\frac{n \cdot R \cdot T}{V - n \cdot \textcolor{#08BFFF}{b}} = \frac{100 \text{ mol} \cdot 8.31 \text{ J/(mol K)} \cdot 300 \text{ K}}{0.1 \text{ m}^3 - 100 \text{ mol} \cdot \textcolor{#08BFFF}{0.00004 \text{ m}^3/\text{mol}}} =249300 J0.1 m30.004 m3= \frac{249300 \text{ J}}{0.1 \text{ m}^3 - 0.004 \text{ m}^3} =249300 J0.096 m32596875 Pa= \frac{249300 \text{ J}}{0.096 \text{ m}^3} \approx 2596875 \text{ Pa}

    Nun berechnen wir den zweiten Bruch (die Korrektur durch Anziehungskräfte): n2aV2=(100 mol)20.4 Pa m6/mol2(0.1 m3)2\frac{n^2 \cdot \textcolor{#9570FF}{a}}{V^2} = \frac{(100 \text{ mol})^2 \cdot \textcolor{#9570FF}{0.4 \text{ Pa m}^6/\text{mol}^2}}{(0.1 \text{ m}^3)^2} =10000 mol20.4 Pa m6/mol20.01 m6= \frac{10000 \text{ mol}^2 \cdot \textcolor{#9570FF}{0.4 \text{ Pa m}^6/\text{mol}^2}}{0.01 \text{ m}^6} =4000 Pa m60.01 m6=400000 Pa= \frac{4000 \text{ Pa m}^6}{0.01 \text{ m}^6} = 400000 \text{ Pa}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Endergebnis ausrechnen

    Jetzt ziehen wir die Korrektur ab: p=2596875 Pa400000 Pap = 2596875 \text{ Pa} - 400000 \text{ Pa} p=2196875 Pap = 2196875 \text{ Pa}

Ergebnis:

Der Druck des realen Gases im Tank beträgt 2196875 Pa2196875 \text{ Pa} (oder ca. 2.2 MPa2.2 \text{ MPa}). Ein ideales Gas hätte unter diesen Bedingungen einen Druck von ca. 2.49 MPa2.49 \text{ MPa} erzeugt. Da sich die Teilchen des realen Gases gegenseitig anziehen, prallen sie mit weniger Wucht gegen die Wand. Ein geringerer Druck als beim idealen Gas ergibt also physikalisch absolut Sinn!

Quiz zu Reale Gase: Teste dein Wissen

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Quizfrage 1 zu Reale Gase

Unter welchen Bedingungen muss das ideale Gasgesetz durch die Van-der-Waals-Gleichung ersetzt werden?

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Welche zwei großen Vereinfachungen trifft das ideale Gasmodell laut Artikel?

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Wichtige Erkenntnisse

  • Bei hohen Drücken weichen Gase vom idealen Verhalten ab, da die Teilchen dicht zusammengedrängt werden.
  • Reale Gasteilchen besitzen ein Eigenvolumen (Korrekturfaktor b\textcolor{#08BFFF}{b}).
  • Reale Gasteilchen üben Anziehungskräfte aufeinander aus (Korrekturfaktor a\textcolor{#9570FF}{a}).
  • Die Van-der-Waals-Gleichung berücksichtigt diese beiden Eigenschaften: (p+n2aV2)(Vnb)=nRT\left( p + \frac{n^2 \cdot \textcolor{#9570FF}{a}}{V^2} \right) \cdot (V - n \cdot \textcolor{#08BFFF}{b}) = n \cdot R \cdot T.

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Häufige Fragen

Was sind reale Gase?

Ein reales Gas ist ein Gas, bei dem die Teilchen ein eigenes Volumen besitzen und sich gegenseitig anziehen. Diese Eigenschaften werden im Modell des idealen Gases vernachlässigt, spielen aber bei hohem Druck oder niedrigen Temperaturen eine entscheidende Rolle.

Was ist der Unterschied zwischen einem idealen und einem realen Gas?

Beim idealen Gas nimmt man an, dass die Teilchen unendlich klein sind (kein Eigenvolumen) und keine Kräfte aufeinander ausüben. Beim realen Gas berücksichtigt man das tatsächliche Volumen der Teilchen und ihre Anziehungskräfte, was zu Abweichungen bei der Druck- und Volumenberechnung führt.

Wofür braucht man die Van-der-Waals-Gleichung?

Die Van-der-Waals-Gleichung erweitert das ideale Gasgesetz um zwei Korrekturfaktoren: den Parameter a für die Anziehungskräfte und den Parameter b für das Eigenvolumen der Teilchen. Mit ihr lässt sich das Verhalten realer Gase mathematisch präzise beschreiben.

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