Experimentelle Bestätigung des zweiten Newtonschen Gesetzes

Lerne alles über die experimentelle Bestätigung des zweiten Newtonschen Gesetzes. Mit dem Wagenexperiment Kraft, Masse und Beschleunigung einfach verstehen.

📅 Aktualisiert 26. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Experimentelle Bestätigung des zweiten Newtonschen Gesetzes

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Student thinking

Stell dir vor, du testest einen Sportwagen. Baust du einen stärkeren Motor ein (mehr Kraft), beschleunigt er schneller. Belädst du ihn mit schweren Kisten (mehr Masse), wird er träge und beschleunigt langsamer.

Sportwagen mit Motor und Kisten
Sportwagen mit Motor und Kisten

Genau diesen Zusammenhang hat Isaac Newton in seiner berühmten Grundgleichung der Mechanik formuliert. Aber wie beweist man in der Physik, dass diese Formel in der Realität exakt stimmt? In dieser Lektion schauen wir uns die experimentelle Bestätigung des zweiten Newtonschen Gesetzes an – das klassische Laborexperiment, mit dem du Newtons Gesetz selbst auf die Probe stellen kannst!

Vorwissen

  • Die Grundgleichung der Mechanik: Beschreibt den Zusammenhang zwischen Kraft, Masse und Beschleunigung.

    Formel: F=maF = m \cdot a

    Beispiel: Ein 2 kg2 \text{ kg} schweres Objekt, das mit 3 m/s23 \text{ m/s}^{2} beschleunigt wird, erfährt eine Kraft von 6 N6 \text{ N}.

  • Gewichtskraft (FGF_G): Die Kraft, mit der ein Körper von der Erde angezogen wird.

    Formel: FG=mgF_G = m \cdot g (mit g=9.81 m/s2g = 9.81 \text{ m/s}^{2})

    Beispiel: Ein 0.1 kg0.1 \text{ kg} schweres Massestück zieht an einem Faden mit einer Kraft von 0.981 N0.981 \text{ N}.

Aufgabentyp 1: Durchführung und Auswertung des Wagenexperiments

Um die Gleichung F=ma\vec{F} = m \cdot \vec{a} zu überprüfen, nutzen wir einen reibungsarmen Wagen auf einer Schiene. Ein Faden verbindet den Wagen über eine Umlenkrolle mit einer fallenden Antriebsmasse (mAm_A). Die Gewichtskraft dieser fallenden Masse liefert die beschleunigende Kraft: FA=mAg\textcolor{#08BFFF}{F_A} = m_A \cdot g. Wichtig: Da der Faden beide verbindet, wird das gesamte System beschleunigt. Die Gesamtmasse ist also m=mW+mAm = m_W + m_A.

Um das Gesetz vollständig zu testen, führen wir das Experiment in zwei Phasen durch:

Phase 1: Konstante Masse, variable Kraft

Wir wollen sehen, wie sich die Kraft auf die Beschleunigung auswirkt. Dafür muss die Gesamtmasse exakt gleich bleiben. Der Trick: Wir legen kleine Gewichte auf den Wagen und hängen sie nach und nach an die Antriebsmasse um. Dadurch steigt die beschleunigende Kraft, aber das System wird insgesamt nicht schwerer. Die Daten zeigen: Die Beschleunigung steigt proportional zur Kraft.

Phase 2: Konstante Kraft, variable Masse

Nun halten wir die Antriebsmasse (und damit die Kraft) konstant. Stattdessen legen wir immer mehr Gewichte auf den Wagen, um die Gesamtmasse zu erhöhen. Die Daten zeigen: Je schwerer das System, desto geringer die Beschleunigung.

Die Auswertung

Wenn Newtons Gesetz gilt, muss die Kraft genau dem Produkt aus Masse und Beschleunigung entsprechen. Der Quotient FAma\frac{\textcolor{#08BFFF}{F_A}}{\textcolor{#53E5D6}{m} \cdot \textcolor{#9570FF}{a}} sollte also exakt 11 sein. In der Praxis liegt der Wert oft minimal über 11. Das liegt daran, dass ein kleiner Teil der Kraft benötigt wird, um die Reibung der Schiene und die Trägheit der Umlenkrolle zu überwinden.

(Hinweis: Diese klassische Mechanik stößt erst bei extrem hohen Geschwindigkeiten in der Relativitätstheorie oder bei winzigen Teilchen in der Quantenmechanik an ihre Grenzen.)

Ziel: Praktische Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Kraft, Masse und Beschleunigung.

Materialien: Reibungsarme Fahrbahn, Wagen, Umlenkrolle, Faden, Massestücke (z.B. 10 g10 \text{ g} und 50 g50 \text{ g}), Lichtschranken zur Messung der Beschleunigung.

Durchführung:

  1. Baue die Fahrbahn exakt waagerecht auf.

  2. Verbinde den Wagen mit dem Faden, führe den Faden über die Umlenkrolle am Ende der Bahn und hänge einen Masseträger daran.

Aufbau des Wagenexperiments auf Fahrbahn
Aufbau des Wagenexperiments auf Fahrbahn
  1. Für Phase 1 (Konstante Masse): Lege fünf 10 g10 \text{ g} Stücke auf den Wagen. Miss die Beschleunigung. Nimm ein 10 g10 \text{ g} Stück vom Wagen und hänge es an den Masseträger. Miss erneut. Wiederhole dies, bis alle Stücke umgehängt sind.

  2. Für Phase 2 (Konstante Kraft): Lasse eine feste Masse am Träger hängen. Miss die Beschleunigung. Lege ein 50 g50 \text{ g} Stück auf den Wagen und miss erneut. Wiederhole dies mit weiteren Gewichten.

Beobachtung: In Phase 1 wird der Wagen von Durchgang zu Durchgang sichtbar schneller, da die ziehende Masse zunimmt. In Phase 2 wird der Wagen immer träger und braucht länger für die Strecke, je mehr Gewichte auf ihm liegen.

Erklärung: Das Experiment macht die Theorie sichtbar: Mehr Kraft führt zu mehr Beschleunigung, während mehr Masse die Beschleunigung verringert.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Beschleunigende Kraft berechnen: Berechne die Gewichtskraft der fallenden Antriebsmasse mit der Formel FA=mAgF_A = m_A \cdot g. Achte darauf, die Masse in Kilogramm (kg\text{kg}) umzurechnen.
  2. Gesamtmasse bestimmen: Addiere die Masse des Wagens (inklusive aller darauf liegenden Gewichte) und die Antriebsmasse: m=mW+mAm = m_W + m_A.
  3. Produkt aus Masse und Beschleunigung berechnen: Multipliziere die berechnete Gesamtmasse mit der im Experiment gemessenen Beschleunigung: mam \cdot a.
  4. Quotienten bilden und vergleichen: Teile die Kraft durch das Produkt aus Masse und Beschleunigung: FAma\frac{F_A}{m \cdot a}. Wenn das Ergebnis nahe 11 liegt, ist das zweite Newtonsche Gesetz bestätigt.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

In einem Experiment zur Überprüfung des zweiten Newtonschen Gesetzes hat der Wagen (inklusive Zusatzgewichten) eine Masse von mW=0.4 kgm_W = 0.4 \text{ kg}. Die fallende Antriebsmasse beträgt mA=0.1 kgm_A = 0.1 \text{ kg}. Die Lichtschranken messen eine Beschleunigung von a=1.9 m/s2a = 1.9 \text{ m/s}^{2}. Berechne den Quotienten FAma\frac{F_A}{m \cdot a} und erkläre kurz, warum das Ergebnis nicht exakt 11 ist. Verwende g=9.81 m/s2g = 9.81 \text{ m/s}^{2}.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Beschleunigende Kraft berechnen

    Die Antriebsmasse ist mA=0.1 kgm_A = 0.1 \text{ kg}.

    FA=mAg\textcolor{#08BFFF}{F_A} = m_A \cdot g

    FA=0.1 kg9.81 m/s2\textcolor{#08BFFF}{F_A} = 0.1 \text{ kg} \cdot 9.81 \text{ m/s}^{2}

    FA=0.981 N\textcolor{#08BFFF}{F_A} = \textcolor{#08BFFF}{0.981 \text{ N}}

  2. Schritt 2
    Gesamtmasse bestimmen

    Die Gesamtmasse besteht aus Wagen und Antriebsmasse.

    Wagen und Antriebsmasse Schema
    Wagen und Antriebsmasse Schema

    m=mW+mA\textcolor{#53E5D6}{m} = m_W + m_A

    m=0.4 kg+0.1 kg=0.5 kg\textcolor{#53E5D6}{m} = 0.4 \text{ kg} + 0.1 \text{ kg} = \textcolor{#53E5D6}{0.5 \text{ kg}}

  3. Schritt 3
    Produkt aus Masse und Beschleunigung berechnen

    Die gemessene Beschleunigung ist a=1.9 m/s2\textcolor{#9570FF}{a} = \textcolor{#9570FF}{1.9 \text{ m/s}^{2}}.

    ma=0.5 kg1.9 m/s2\textcolor{#53E5D6}{m} \cdot \textcolor{#9570FF}{a} = \textcolor{#53E5D6}{0.5 \text{ kg}} \cdot \textcolor{#9570FF}{1.9 \text{ m/s}^{2}}

    ma=0.95 kg m/s2=0.95 N\textcolor{#53E5D6}{m} \cdot \textcolor{#9570FF}{a} = 0.95 \text{ kg m/s}^{2} = 0.95 \text{ N}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Quotienten bilden und vergleichen

    Nun teilen wir die Werte durcheinander:

    FAma=0.981 N0.95 N1.03\frac{\textcolor{#08BFFF}{F_A}}{\textcolor{#53E5D6}{m} \cdot \textcolor{#9570FF}{a}} = \frac{\textcolor{#08BFFF}{0.981 \text{ N}}}{0.95 \text{ N}} \approx 1.03

Ergebnis:

Der Quotient beträgt ungefähr 1.031.03. Er ist nicht exakt 11, da ein kleiner Teil der beschleunigenden Kraft benötigt wird, um die Reibung der Fahrbahn und die Trägheit der Umlenkrolle zu überwinden. Diese Verluste führen dazu, dass die tatsächliche Beschleunigung minimal kleiner ist als in einer perfekten, reibungsfreien Theorie. Ein Wert von 1.031.03 ist physikalisch sehr sinnvoll. Er liegt extrem nah am theoretischen Idealwert von 11. Die leichte Abweichung nach oben bestätigt, dass in der Realität immer ein wenig Kraft durch Reibung „verloren“ geht.


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Wichtige Erkenntnisse

  • Das Wagenexperiment bestätigt die Grundgleichung der Mechanik: F=ma\vec{F} = m \cdot \vec{a}.
  • Die beschleunigende Kraft entsteht durch die Gewichtskraft der fallenden Masse (FA=mAgF_A = m_A \cdot g).
  • Die Gesamtmasse des Systems ist immer die Summe aus Wagenmasse und fallender Masse.
  • Um die Masse konstant zu halten, werden Gewichte zwischen Wagen und fallender Masse umgehängt.
  • Der experimentelle Quotient FAma\frac{\textcolor{#08BFFF}{F_A}}{\textcolor{#53E5D6}{m} \cdot \textcolor{#9570FF}{a}} liegt nahe 11. Kleine Abweichungen entstehen durch Reibung und die Trägheit der Rolle.

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Häufige Fragen

Was ist die experimentelle Bestätigung des zweiten Newtonschen Gesetzes?

Die experimentelle Bestätigung des zweiten Newtonschen Gesetzes zeigt in der Praxis, dass die Formel F = m · a (Kraft gleich Masse mal Beschleunigung) in der Realität gilt. Meistens nutzt man dafür ein Wagenexperiment auf einer reibungsarmen Fahrbahn, bei dem eine fallende Masse einen Wagen beschleunigt.

Warum ist der Quotient aus Kraft und Masse mal Beschleunigung im Experiment nicht exakt 1?

In der perfekten Theorie wäre der Quotient genau 1. In der Realität gibt es jedoch immer kleine Verluste durch die Reibung der Schiene und die Trägheit der Umlenkrolle. Ein kleiner Teil der Kraft wird dafür aufgewendet, weshalb der gemessene Wert oft minimal über 1 liegt.

Wie hält man beim Wagenexperiment die Gesamtmasse konstant?

Um die Gesamtmasse des Systems konstant zu halten, legt man zu Beginn kleine Gewichte auf den Wagen. Wenn man die ziehende Kraft erhöhen möchte, nimmt man ein Gewicht vom Wagen und hängt es an die fallende Antriebsmasse. So ändert sich die Kraft, aber die Gesamtmasse bleibt gleich.

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