Gravitationsfeld und Kräfte einfach erklärt: So berechnest du sie
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Stell dir vor, du stellst dich am Nordpol auf eine hochpräzise Waage. Danach reist du an den Äquator und stellst dich auf exakt dieselbe Waage. Das Verblüffende: Am Äquator bist du plötzlich ein kleines bisschen leichter!

Wie ist das möglich? Du hast auf der Reise weder abgenommen noch hat die Erde an Masse verloren. Die Antwort liegt in der unsichtbaren Hülle, die unsere Erde umgibt – dem Gravitationsfeld – und der Tatsache, dass sich unsere Erde wie ein riesiges Karussell dreht. In diesem Artikel lüften wir das Geheimnis, warum die Anziehungskraft der Erde nicht immer genau das ist, was die Waage anzeigt, und wie das Gravitationsfeld und Kräfte zusammenhängen.
Vorwissen
- Newtonsches Gravitationsgesetz: Zwei Massen ziehen sich gegenseitig an. Formel: Beispiel: Die Erde zieht einen Apfel an, und der Apfel zieht die Erde an.
- Zentripetalkraft: Die Kraft, die nötig ist, um einen Körper auf einer Kreisbahn zu halten. Formel: oder mit der Umlaufdauer : Beispiel: Wenn du einen Eimer Wasser an einem Seil im Kreis schleuderst, ist die Zugkraft im Seil die Zentripetalkraft.
- Feldlinien (aus der E-Lehre): Linien, die die Richtung einer Kraft anzeigen. Je dichter die Linien, desto stärker die Kraft.
Aufgabentyp 1: Das Gravitationsfeld und seine Stärke
Jede Masse verändert den Raum um sich herum. Sie erzeugt ein unsichtbares Gravitationsfeld. Wenn eine andere Masse (wir nennen sie Probemasse ) in dieses Feld gerät, spürt sie eine anziehende Gravitationskraft.
Um zu beschreiben, wie stark dieses Feld an einem bestimmten Ort ist, nutzen wir die Gravitationsfeldstärke (Formelzeichen oder oft auch einfach ). Sie gibt an, wie viel Newton Gravitationskraft pro Kilogramm Probemasse an diesem Ort wirken.
Wir berechnen sie, indem wir die Gravitationskraft durch die Probemasse teilen:
Wenn wir das Newtonsche Gravitationsgesetz () für einsetzen, kürzt sich die Probemasse weg. Übrig bleibt die Formel für die Feldstärke, die nur von der großen Zentralmasse (z. B. der Erde) und dem Abstand zu ihrem Mittelpunkt abhängt:
Die Einheit der Gravitationsfeldstärke ist . Da das Gleiche ist wie , entspricht die Einheit exakt der Einheit einer Beschleunigung (). Deshalb nennt man sie auf der Erde auch Fallbeschleunigung.

Wir können dieses Feld mit Feldlinien zeichnen. Dabei gelten zwei einfache Regeln:
- Die Richtung: Die Pfeile zeigen immer in die Richtung der Kraft (also zum Mittelpunkt der Masse hin).
- Die Stärke: Je dichter die Linien beieinander liegen, desto stärker ist das Gravitationsfeld an diesem Ort. Nah an der Erde sind die Linien dicht (starkes Feld), weiter draußen sind sie weiter auseinander (schwächeres Feld).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Identifiziere die Zentralmasse: Finde die Masse des Himmelskörpers, der das Feld erzeugt. Die Masse des Objekts im Feld wird nicht benötigt.
- Bestimme den Abstand zum Mittelpunkt: Miss den Abstand vom Mittelpunkt. Addiere bei einer Höhe über der Oberfläche den Radius .
- Setze die Werte in die Formel ein: Nutze mit der Gravitationskonstante .
- Berechne das Ergebnis: Rechne den Wert aus und gib die korrekte Einheit oder an.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Die Internationale Raumstation (ISS) umkreist die Erde in einer Höhe von ca. über der Erdoberfläche. Berechne die Gravitationsfeldstärke in dieser Höhe. Daten der Erde: Masse , Erdradius .
- Schritt 1Zentralmasse identifizieren
Die Zentralmasse ist die Erde: .
- Schritt 2Abstand zum Mittelpunkt bestimmen
Die ISS ist über der Oberfläche. Wir müssen den Erdradius addieren, um den Abstand zum Erdmittelpunkt zu erhalten: . Wir rechnen dies in die Standardeinheit Meter um: .
- Schritt 3Werte in die Formel einsetzen
- Schritt 4 · ErgebnisAusrechnen und Einheit angeben
Zuerst den Nenner quadrieren: Nun alles zusammenrechnen:
Die Gravitationsfeldstärke auf der Höhe der ISS beträgt ca. (oder ).
(Reality Check: Auf der Erdoberfläche beträgt der Wert ca. . Da die ISS weiter entfernt ist, muss der Wert kleiner sein. ist ein logisches und physikalisch sinnvolles Ergebnis. Dass Astronauten dort schwerelos sind, liegt nicht an fehlender Gravitation, sondern daran, dass sie sich im freien Fall um die Erde befinden!)
Aufgabentyp 2: Gravitationskraft vs. Gewichtskraft
Kommen wir zurück zu unserem Rätsel vom Anfang. Warum wiegst du am Äquator weniger als am Nordpol?
Die Gravitationskraft () zieht dich gnadenlos in Richtung Erdmittelpunkt. Wenn die Erde stillstehen würde, wäre das genau die Kraft, mit der du auf den Boden gedrückt wirst. Diese Kraft, die dich auf den Boden (oder eine Waage) drückt, nennen wir Gewichtskraft ().
Aber die Erde steht nicht still! Sie dreht sich einmal am Tag um ihre eigene Achse. Du befindest dich also auf einem gigantischen Karussell.
Aus dem Vorwissen weißt du: Damit ein Körper auf einer Kreisbahn bleibt und nicht geradeaus wegfliegt, braucht er eine Kraft, die ihn zur Mitte der Kreisbahn zieht – die Zentripetalkraft ().
Woher kommt diese Kraft? Die Gravitationskraft muss diesen Job übernehmen! Ein kleiner Teil der Gravitationskraft wird quasi „abgezweigt“, um dich auf der Kreisbahn der rotierenden Erde zu halten.

Nur der Rest, der nach Abzug der Zentripetalkraft noch übrig bleibt, drückt dich tatsächlich auf die Waage. Das ist deine Gewichtskraft.
Es gilt also (vereinfacht für den Äquator):
Der Breitengrad macht den Unterschied:
- Am Nordpol: Du stehst genau auf der Drehachse. Du drehst dich zwar um dich selbst, machst aber keine Kreisbewegung um die Achse. Der Radius deiner Kreisbahn ist null. Daher brauchst du keine Zentripetalkraft (). Deine Gewichtskraft ist hier am größten und exakt gleich der Gravitationskraft.
- Am Äquator: Hier bist du am weitesten von der Drehachse entfernt. Der Radius deiner Kreisbahn ist riesig (der Erdradius). Du bewegst dich sehr schnell im Kreis und brauchst die maximale Zentripetalkraft. Es wird am meisten von der Gravitationskraft „abgezweigt“. Deine Gewichtskraft ist hier am kleinsten.
(Hinweis: An Orten zwischen Pol und Äquator, wie z. B. in Deutschland, ist die Rechnung etwas komplizierter, da die Zentripetalkraft nicht genau in die gleiche Richtung zeigt wie die Gravitationskraft. Man muss dann mit Winkeln rechnen. Das Prinzip bleibt aber gleich!)
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Berechne die Gravitationskraft: Nutze das Newtonsche Gravitationsgesetz für die reine Anziehungskraft.
- Berechne die Zentripetalkraft: Bestimme die Kraft für die Kreisbewegung mit . Achte darauf, die Zeit in Sekunden umzurechnen.
- Bestimme die Gewichtskraft: Ziehe die Zentripetalkraft von der Gravitationskraft ab: .
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Eine Person hat eine Masse von . Berechne ihre tatsächliche Gewichtskraft am Äquator und vergleiche sie mit der Gewichtskraft am Nordpol. Daten: , , . Die Erde dreht sich in einmal um sich selbst.
- Schritt 1Gravitationskraft berechnen
Wir berechnen zuerst die reine : Am Nordpol gibt es keine Kreisbewegung (Radius = 0), also ist . Die Gewichtskraft am Nordpol ist exakt gleich der Gravitationskraft: .
- Schritt 2Zentripetalkraft berechnen (für den Äquator)
Zuerst wandeln wir die Zeit in Sekunden um: . Nun berechnen wir die am Äquator:
- Schritt 3 · ErgebnisGewichtskraft bestimmen
Am Äquator müssen wir diese von der Gravitationskraft abziehen, da sie für die Kreisbewegung benötigt werden:
Am Nordpol beträgt die Gewichtskraft der Person , am Äquator jedoch nur .
(Reality Check: Der Unterschied beträgt . Das entspricht ungefähr der Gewichtskraft von Schokolade. Der Effekt ist also klein, aber physikalisch messbar und logisch erklärbar!)
Wichtige Erkenntnisse
- Die Gravitationsfeldstärke () gibt an, wie viel Gravitationskraft pro Kilogramm Masse an einem bestimmten Ort wirkt. Sie wird in oder gemessen.
- Feldlinien zeigen die Richtung der Kraft. Je dichter die Linien, desto stärker das Feld.
- Die Gravitationskraft ist die reine Anziehungskraft zwischen Massen.
- Die Gewichtskraft ist die Kraft, mit der du tatsächlich auf den Boden gedrückt wirst.
- Weil die Erde rotiert, wird ein Teil der Gravitationskraft als Zentripetalkraft benötigt. Daher ist deine Gewichtskraft (außer an den Polen) immer ein kleines bisschen geringer als die reine Gravitationskraft.
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Häufige Fragen
Was ist ein Gravitationsfeld?
Ein Gravitationsfeld ist der unsichtbare Raum um eine Masse, in dem andere Massen eine anziehende Kraft spüren. Jede Masse, wie zum Beispiel die Erde, erzeugt ein solches Feld. Die Stärke dieses Feldes wird durch Feldlinien dargestellt: Je dichter sie sind, desto stärker ist die Anziehung.
Wie berechnet man die Gravitationsfeldstärke?
Du teilst die Gravitationskraft durch die Probemasse oder nutzt die Formel g = G · M / r². Dabei ist G die Gravitationskonstante, M die Masse des Himmelskörpers und r der Abstand zum Mittelpunkt. Auf der Erde entspricht das der Fallbeschleunigung von etwa 9,81 m/s².
Was ist der Unterschied zwischen Gravitationskraft und Gewichtskraft?
Die Gravitationskraft ist die reine Massenanziehung zwischen zwei Körpern. Die Gewichtskraft ist die Kraft, mit der du tatsächlich auf den Boden oder eine Waage gedrückt wirst. Da die Erde rotiert, wird ein Teil der Gravitationskraft als Zentripetalkraft benötigt, wodurch die Gewichtskraft meist etwas kleiner ist.
Warum ist die Gewichtskraft am Äquator geringer als am Nordpol?
Am Äquator ist der Radius der Kreisbahn durch die Erdrotation am größten. Deshalb wird hier die maximale Zentripetalkraft benötigt, um dich auf der Kreisbahn zu halten. Diese Kraft wird von der Gravitationskraft „abgezweigt“, sodass der Rest – deine tatsächliche Gewichtskraft – am Äquator am kleinsten ist.
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