3. Keplersches Gesetz einfach erklärt: Umlaufzeiten & Abstände

Das 3. Keplersche Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen der Umlaufzeit und dem Abstand von Planeten. Lerne hier die Formel und die Herleitung.

📅 Aktualisiert 28. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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3. Keplersches Gesetz einfach erklärt: Umlaufzeiten & Abstände

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Student thinking

Ein Jahr auf der Erde dauert genau 365 Tage. Das ist die Zeit, die unser Planet braucht, um einmal die Sonne zu umrunden. Aber was ist mit dem Jupiter, der viel weiter draußen im Sonnensystem kreist?

Jupiter und Erde im Sonnensystem
Jupiter und Erde im Sonnensystem

Je weiter ein Planet von der Sonne entfernt ist, desto länger ist sein Weg und desto langsamer bewegt er sich. Johannes Kepler fand einen genialen mathematischen Trick, um genau zu berechnen, wie lange ein Planet für eine Runde braucht, wenn man nur seine Entfernung kennt. In diesem Artikel lernst du das 3. Keplersche Gesetz für Umlaufzeiten und Abstände kennen und erfährst, wie man es aus den Grundregeln der Physik herleiten kann!

Vorwissen

  • Gravitationskraft (FGF_G): Die Anziehungskraft zwischen zwei Massen. Formel: FG=GmMr2F_G = G \cdot \frac{m \cdot M}{r^2} Beispiel: Die Sonne (Masse MM) zieht die Erde (Masse mm) über die Entfernung rr an.

  • Zentripetalkraft (FZF_Z): Die Kraft, die einen Körper auf einer Kreisbahn hält. Formel: FZ=mrω2F_Z = m \cdot r \cdot \omega^2 Beispiel: Ein Auto, das durch eine Kurve fährt, benötigt eine Zentripetalkraft, um nicht aus der Kurve zu fliegen.

  • Winkelgeschwindigkeit (ω\omega): Gibt an, wie schnell ein Winkel überstrichen wird. Formel: ω=2πT\omega = \frac{2 \cdot \pi}{T} (wobei TT die Umlaufzeit für eine volle Runde ist). Beispiel: Der Sekundenzeiger einer Uhr hat eine Umlaufzeit von T=60 sT = 60 \text{ s}.

Aufgabentyp 1: Das dritte Keplersche Gesetz anwenden

Das dritte Keplersche Gesetz vergleicht zwei Himmelskörper (zum Beispiel zwei Planeten), die denselben Zentralkörper (die Sonne) umkreisen. Es besagt in Worten:

Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich so zueinander wie die dritten Potenzen (Kuben) ihrer großen Halbachsen.

Was ist die große Halbachse? Planetenbahnen sind eigentlich leicht oval (elliptisch). Die große Halbachse (Formelzeichen a\textcolor{#08BFFF}{a}) ist der mittlere Abstand des Planeten zur Sonne. Da die Bahnen der meisten Planeten fast perfekte Kreise sind, können wir für Berechnungen oft einfach den Radius r\textcolor{#08BFFF}{r} der Kreisbahn verwenden (ar\textcolor{#08BFFF}{a} \approx \textcolor{#08BFFF}{r}).

Elliptische Planetenbahn mit großer Halbachse
Elliptische Planetenbahn mit großer Halbachse

Mathematisch sieht das Gesetz so aus:

(T1T2)2=(a1a2)3\left(\frac{\textcolor{#9570FF}{T_1}}{\textcolor{#9570FF}{T_2}}\right)^2 = \left(\frac{\textcolor{#08BFFF}{a_1}}{\textcolor{#08BFFF}{a_2}}\right)^3

Dieses Gesetz ist extrem mächtig: Wenn wir die Daten von einem bekannten Planeten (wie unserer Erde) haben, können wir die fehlenden Daten jedes anderen Planeten in unserem Sonnensystem berechnen!

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Körper zuordnen: Lege fest, welcher Himmelskörper Nummer 1 (meistens der mit dem gesuchten Wert) und welcher Nummer 2 (der bekannte Vergleichskörper, z.B. die Erde) ist.
  2. Gegebene Werte notieren: Schreibe die Umlaufzeiten (T1\textcolor{#9570FF}{T_1}, T2\textcolor{#9570FF}{T_2}) und Abstände (a1\textcolor{#08BFFF}{a_1}, a2\textcolor{#08BFFF}{a_2}) auf. Wichtig: Beide Zeiten und beide Abstände müssen jeweils die gleiche Einheit haben.
  3. Formel aufstellen und umstellen: Schreibe das 3. Keplersche Gesetz auf und löse die Gleichung nach der gesuchten Variable auf (Wurzel oder Kubikwurzel ziehen).
  4. Werte einsetzen und berechnen: Setze die Zahlen ein und tippe sie vorsichtig in den Taschenrechner ein.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

Die Erde benötigt für einen Umlauf um die Sonne 1 Jahr1 \text{ Jahr} und hat einen mittleren Abstand von 149,6106 km149,6 \cdot 10^6 \text{ km}. Der Jupiter benötigt für einen Umlauf 12 Jahre12 \text{ Jahre}. Berechne den mittleren Abstand des Jupiters zur Sonne.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Körper zuordnen

    Körper 1 = Jupiter (gesucht) Körper 2 = Erde (bekannt)

  2. Schritt 2
    Gegebene Werte notieren

    TJupiter=12 Jahre\textcolor{#9570FF}{T_{\text{Jupiter}}} = 12 \text{ Jahre} TErde=1 Jahr\textcolor{#9570FF}{T_{\text{Erde}}} = 1 \text{ Jahr} aErde=149,6106 km\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Erde}}} = 149,6 \cdot 10^6 \text{ km} Gesucht: aJupiter\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}}

  3. Schritt 3
    Formel aufstellen und umstellen

    Wir starten mit dem 3. Keplerschen Gesetz: (aJupiteraErde)3=(TJupiterTErde)2\left(\frac{\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}}}{\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Erde}}}}\right)^3 = \left(\frac{\textcolor{#9570FF}{T_{\text{Jupiter}}}}{\textcolor{#9570FF}{T_{\text{Erde}}}}\right)^2 Um das hoch 3 auf der linken Seite wegzubekommen, ziehen wir auf beiden Seiten die 3. Wurzel (Kubikwurzel): aJupiteraErde=(TJupiterTErde)23\frac{\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}}}{\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Erde}}}} = \sqrt[3]{\left(\frac{\textcolor{#9570FF}{T_{\text{Jupiter}}}}{\textcolor{#9570FF}{T_{\text{Erde}}}}\right)^2} Nun multiplizieren wir beide Seiten mit aErde\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Erde}}}, damit aJupiter\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}} alleine steht: aJupiter=(TJupiterTErde)23aErde\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}} = \sqrt[3]{\left(\frac{\textcolor{#9570FF}{T_{\text{Jupiter}}}}{\textcolor{#9570FF}{T_{\text{Erde}}}}\right)^2} \cdot \textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Erde}}}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Werte einsetzen und berechnen

    aJupiter=(12 Jahre1 Jahr)23149,6106 km\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}} = \sqrt[3]{\left(\frac{12 \text{ Jahre}}{1 \text{ Jahr}}\right)^2} \cdot 149,6 \cdot 10^6 \text{ km} aJupiter=1443149,6106 km\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}} = \sqrt[3]{144} \cdot 149,6 \cdot 10^6 \text{ km} aJupiter5,241149,6106 km\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}} \approx 5,241 \cdot 149,6 \cdot 10^6 \text{ km} aJupiter784,1106 km\textcolor{#08BFFF}{a_{\text{Jupiter}}} \approx 784,1 \cdot 10^6 \text{ km}

Ergebnis:

Der mittlere Abstand des Jupiters zur Sonne beträgt etwa 784,1106 km784,1 \cdot 10^6 \text{ km}. Realitätscheck: Jupiter braucht viel länger für einen Umlauf als die Erde (12 Jahre vs. 1 Jahr). Daher muss sein Abstand auch deutlich größer sein als der der Erde. Das Ergebnis (ca. 5-mal so weit weg) ergibt physikalisch absolut Sinn.


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Quizfrage 1 zu 3. Keplersches Gesetz

Welche Formel beschreibt die Zentripetalkraft (FZF_Z), die einen Körper auf einer Kreisbahn hält?

Quizfrage 2 zu 3. Keplersches Gesetz

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Wie lautet die mathematische Formel für das 3. Keplersche Gesetz, welche die Umlaufzeiten (TT) und großen Halbachsen (aa) zweier Planeten vergleicht?

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Aufgabentyp 2: Herleitung aus der Newtonschen Mechanik

Warum gilt das Keplersche Gesetz überhaupt? Johannes Kepler fand das Gesetz durch reine Beobachtung. Erst Isaac Newton konnte später mit seinen Gesetzen der Mechanik beweisen, warum es funktioniert.

Für diese Herleitung nehmen wir zur Vereinfachung an, dass die Planeten sich auf perfekten Kreisbahnen bewegen. Der Abstand a\textcolor{#08BFFF}{a} ist also einfach der Radius r\textcolor{#08BFFF}{r}.

Damit ein Planet (Masse mm) auf einer Kreisbahn um die Sonne (Masse MM) bleibt, braucht er eine Kraft, die ihn nach innen zieht: die Zentripetalkraft (FZF_Z). Diese Kraft wird im Weltraum durch die gegenseitige Anziehungskraft geliefert: die Gravitationskraft (FGF_G).

Gravitationskraft und Zentripetalkraft auf Kreisbahn
Gravitationskraft und Zentripetalkraft auf Kreisbahn

Wir setzen also beide Kräfte gleich:

FZ=FGF_Z = F_G

Nun setzen wir die Formeln für beide Kräfte ein:

mrω2=GmMr2m \cdot \textcolor{#08BFFF}{r} \cdot \omega^2 = G \cdot \frac{m \cdot M}{\textcolor{#08BFFF}{r}^2}

Wir wissen aus dem Vorwissen, dass die Winkelgeschwindigkeit ω=2πT\omega = \frac{2 \cdot \pi}{\textcolor{#9570FF}{T}} ist. Das setzen wir für ω\omega ein (Achtung: Alles muss quadriert werden!):

mr4π2T2=GmMr2m \cdot \textcolor{#08BFFF}{r} \cdot \frac{4 \cdot \pi^2}{\textcolor{#9570FF}{T}^2} = G \cdot \frac{m \cdot M}{\textcolor{#08BFFF}{r}^2}

Jetzt vereinfachen wir die Gleichung. Wir teilen beide Seiten durch die Masse des Planeten (mm). Das bedeutet: Die Masse des Planeten ist völlig egal für seine Umlaufzeit!

r4π2T2=GMr2\textcolor{#08BFFF}{r} \cdot \frac{4 \cdot \pi^2}{\textcolor{#9570FF}{T}^2} = G \cdot \frac{M}{\textcolor{#08BFFF}{r}^2}

Unser Ziel ist es, alle Abstände (r\textcolor{#08BFFF}{r}) auf die eine Seite und alle Zeiten (T\textcolor{#9570FF}{T}) auf die andere Seite zu bringen. Wir multiplizieren beide Seiten mit r2\textcolor{#08BFFF}{r}^2 und teilen durch 4π24 \cdot \pi^2:

r3T2=GM4π2\frac{\textcolor{#08BFFF}{r}^3}{\textcolor{#9570FF}{T}^2} = G \cdot \frac{M}{4 \cdot \pi^2}

Schau dir die rechte Seite der Gleichung an: Die Gravitationskonstante (GG), die Masse der Sonne (MM) und 4π24 \cdot \pi^2 sind alles feste Zahlen (Konstanten). Das bedeutet, dass der Bruch r3T2\frac{\textcolor{#08BFFF}{r}^3}{\textcolor{#9570FF}{T}^2} für jeden Planeten in unserem Sonnensystem exakt denselben Wert ergibt!

Wenn dieser Wert für Planet 1 und Planet 2 gleich ist, können wir sie gleichsetzen:

r13T12=r23T22\frac{\textcolor{#08BFFF}{r_1}^3}{\textcolor{#9570FF}{T_1}^2} = \frac{\textcolor{#08BFFF}{r_2}^3}{\textcolor{#9570FF}{T_2}^2}

Wenn man diese Gleichung nun noch ein wenig umstellt (über Kreuz tauscht), erhält man genau die Standardform des 3. Keplerschen Gesetzes:

(T1T2)2=(r1r2)3\left(\frac{\textcolor{#9570FF}{T_1}}{\textcolor{#9570FF}{T_2}}\right)^2 = \left(\frac{\textcolor{#08BFFF}{r_1}}{\textcolor{#08BFFF}{r_2}}\right)^3

Wichtige Erkenntnisse

  • Das 3. Keplersche Gesetz verknüpft die Umlaufzeit (TT) eines Himmelskörpers mit seinem mittleren Abstand (aa oder rr) zum Zentrum.
  • Die Formel lautet: (T1T2)2=(a1a2)3\left(\frac{\textcolor{#9570FF}{T_1}}{\textcolor{#9570FF}{T_2}}\right)^2 = \left(\frac{\textcolor{#08BFFF}{a_1}}{\textcolor{#08BFFF}{a_2}}\right)^3.
  • Das Gesetz gilt nur, wenn beide Körper denselben Zentralkörper umkreisen (z.B. zwei Planeten um die Sonne oder zwei Monde um den Jupiter).
  • Die Masse des kreisenden Planeten spielt für seine Umlaufzeit keine Rolle.
  • Physikalisch lässt sich das Gesetz herleiten, indem man die Gravitationskraft mit der Zentripetalkraft gleichsetzt (FG=FZF_G = F_Z).

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Häufige Fragen

Was ist das 3. Keplersche Gesetz?

Das 3. Keplersche Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen der Umlaufzeit und dem Abstand von Himmelskörpern, die dasselbe Zentrum umkreisen. Es besagt, dass sich die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten wie die dritten Potenzen ihrer großen Halbachsen verhalten. So kannst du fehlende Daten im Sonnensystem berechnen.

Wie lautet die Formel für das 3. Keplersche Gesetz?

Die mathematische Formel lautet: (T₁ / T₂)² = (a₁ / a₂)³. Dabei stehen T₁ und T₂ für die Umlaufzeiten der beiden Planeten und a₁ sowie a₂ für ihre mittleren Abstände zur Sonne (die großen Halbachsen). Wichtig ist, dass du für beide Seiten jeweils die gleichen Einheiten verwendest.

Warum spielt die Masse des Planeten keine Rolle für die Umlaufzeit?

Bei der Herleitung aus der Newtonschen Mechanik setzt man die Gravitationskraft und die Zentripetalkraft gleich. Da die Masse des Planeten auf beiden Seiten der Gleichung steht, kürzt sie sich heraus. Die Umlaufzeit hängt also nur von der Masse des Zentralkörpers (z. B. der Sonne) und dem Abstand ab.

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