Bestimmung der spezifischen Ladung eines Elektrons einfach erklärt

Lerne, wie du die spezifische Ladung eines Elektrons bestimmst. Einfache Erklärung der Herleitung, des Fadenstrahlrohr-Experiments und der Berechnung.

📅 Aktualisiert 27. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Die Bestimmung der spezifischen Ladung eines Elektrons ist ein faszinierendes Thema der Physik. Stell dir vor, du müsstest das Gewicht eines einzelnen Elektrons bestimmen. Du kannst es nicht sehen, nicht greifen und erst recht nicht auf eine Küchenwaage legen. Ein Elektron ist unvorstellbar leicht!

Elektron auf einer Waage
Elektron auf einer Waage

Da wir Elektronen nicht direkt wiegen können, nutzen Physiker einen genialen Trick: Sie schießen das Elektron durch ein Magnetfeld und beobachten, wie stark es aus der Kurve fliegt. Je schwerer es ist, desto schwerer lässt es sich ablenken. In dieser Lektion lernst du, wie wir aus der Flugbahn eines Elektrons sein Verhältnis von Ladung zu Masse berechnen und so eines der wichtigsten Geheimnisse der Physik lüften!

Vorwissen

  • Kinetische Energie durch Spannung: Wenn eine Ladung durch eine Spannung beschleunigt wird, erhält sie Bewegungsenergie. Formel: Ekin=eUE_{kin} = e \cdot U Beispiel: Ein Elektron, das durch 200 V200 \text{ V} beschleunigt wird, gewinnt eine bestimmte kinetische Energie.
  • Lorentzkraft (FLF_{L}): Die Kraft, die ein Magnetfeld auf eine bewegte Ladung ausübt. Formel: FL=evBF_{L} = e \cdot v \cdot B Beispiel: Ein Elektron, das in ein Magnetfeld fliegt, wird senkrecht zu seiner Flugrichtung abgelenkt.
  • Zentripetalkraft (FZF_{Z}): Die Kraft, die nötig ist, um ein Objekt auf einer Kreisbahn zu halten. Formel: FZ=mv2rF_{Z} = m \cdot \frac{v^{2}}{r} Beispiel: Ein Auto, das durch eine Kurve fährt, benötigt eine Zentripetalkraft (durch Reibung), um nicht aus der Kurve zu fliegen.

Aufgabentyp 1: Herleitung der Formel für die spezifische Ladung

Wir wollen herausfinden, wie schwer ein Elektron ist. Da wir Ladung und Masse in unseren Experimenten oft nicht trennen können, berechnen wir stattdessen ihr Verhältnis zueinander. Dieses Verhältnis nennt man die spezifische Ladung (em\frac{\textcolor{#08BFFF}{e}}{\textcolor{#9570FF}{m}}).

Um die Formel dafür zu finden, kombinieren wir zwei physikalische Situationen:

Schritt 1: Die Beschleunigung Das Elektron wird durch eine Spannung (UU) beschleunigt. Die elektrische Energie wandelt sich komplett in kinetische Energie um:

eU=12mv2\textcolor{#08BFFF}{e} \cdot U = \frac{1}{2} \cdot \textcolor{#9570FF}{m} \cdot v^{2}

Schritt 2: Die Kreisbahn im Magnetfeld Das Elektron fliegt in ein Magnetfeld (BB). Die Lorentzkraft zwingt es auf eine Kreisbahn mit dem Radius (rr). Die Lorentzkraft wirkt hier exakt als Zentripetalkraft. Wir setzen beide Kräfte gleich:

FL=FZF_{L} = F_{Z}

evB=mv2r\textcolor{#08BFFF}{e} \cdot v \cdot B = \textcolor{#9570FF}{m} \cdot \frac{v^{2}}{r}

Schritt 3: Die Geschwindigkeit (vv) ersetzen Wir haben nun zwei Gleichungen, aber die Geschwindigkeit (vv) stört uns, da wir sie im Experiment nur schwer direkt messen können. Wir formen die zweite Gleichung nach vv um (wir teilen durch m\textcolor{#9570FF}{m} und multiplizieren mit rr):

v=eBrmv = \frac{\textcolor{#08BFFF}{e} \cdot B \cdot r}{\textcolor{#9570FF}{m}}

Jetzt setzen wir dieses vv in unsere erste Gleichung (die Energie-Gleichung) ein:

eU=12m(eBrm)2\textcolor{#08BFFF}{e} \cdot U = \frac{1}{2} \cdot \textcolor{#9570FF}{m} \cdot \left( \frac{\textcolor{#08BFFF}{e} \cdot B \cdot r}{\textcolor{#9570FF}{m}} \right)^{2}

Wir lösen die Klammer auf (alles wird quadriert):

eU=12me2B2r2m2\textcolor{#08BFFF}{e} \cdot U = \frac{1}{2} \cdot \textcolor{#9570FF}{m} \cdot \frac{\textcolor{#08BFFF}{e}^{2} \cdot B^{2} \cdot r^{2}}{\textcolor{#9570FF}{m}^{2}}

Jetzt können wir auf der rechten Seite einmal die Masse m\textcolor{#9570FF}{m} wegkürzen:

eU=12e2B2r2m\textcolor{#08BFFF}{e} \cdot U = \frac{1}{2} \cdot \frac{\textcolor{#08BFFF}{e}^{2} \cdot B^{2} \cdot r^{2}}{\textcolor{#9570FF}{m}}

Teilen wir nun beide Seiten durch e\textcolor{#08BFFF}{e}, verschwindet es links und wird rechts zu einem einfachen e\textcolor{#08BFFF}{e}:

U=12eB2r2mU = \frac{1}{2} \cdot \frac{\textcolor{#08BFFF}{e} \cdot B^{2} \cdot r^{2}}{\textcolor{#9570FF}{m}}

Schritt 4: Nach der spezifischen Ladung auflösen Wir wollen em\frac{\textcolor{#08BFFF}{e}}{\textcolor{#9570FF}{m}} alleine auf einer Seite haben. Wir multiplizieren mit 22 und teilen durch B2r2B^{2} \cdot r^{2}:

em=2UB2r2\frac{\textcolor{#08BFFF}{e}}{\textcolor{#9570FF}{m}} = \frac{2 \cdot U}{B^{2} \cdot r^{2}}

Das ist unsere fertige Formel! Wenn wir die Spannung UU, das Magnetfeld BB und den Radius rr messen, können wir die spezifische Ladung berechnen.

Der Standardwert: Zahlreiche Messungen haben gezeigt, dass die spezifische Ladung eines Elektrons immer einen festen Wert hat: em1,761011 C/kg\frac{\textcolor{#08BFFF}{e}}{\textcolor{#9570FF}{m}} \approx 1,76 \cdot 10^{11} \text{ C/kg}

Da wir die Ladung eines Elektrons (e1,601019 C\textcolor{#08BFFF}{e} \approx 1,60 \cdot 10^{-19} \text{ C}) aus anderen Experimenten kennen, können wir nun endlich die Masse berechnen: m9,111031 kg\textcolor{#9570FF}{m} \approx 9,11 \cdot 10^{-31} \text{ kg}.

Aufgabentyp 2: Das Fadenstrahlrohr-Experiment

Wir haben nun eine tolle Formel für die Bestimmung der spezifischen Ladung eines Elektrons, aber wie messen wir UU, BB und rr in der Realität? Dafür nutzen Physiker das Fadenstrahlrohr.

Das Fadenstrahlrohr besteht aus drei Hauptkomponenten:

  1. Die Elektronenkanone: Sie erzeugt Elektronen und beschleunigt sie. Hier stellen wir die Beschleunigungsspannung (UU) ein. Je höher die Spannung, desto schneller fliegen die Elektronen.
  2. Die Helmholtz-Spulen: Das sind zwei große, parallele Drahtspulen, die links und rechts neben der Röhre stehen. Wenn Strom durch sie fließt, erzeugen sie in ihrer Mitte ein extrem gleichmäßiges (homogenes) Magnetfeld (BB).
  3. Der Glaskolben mit Neongas: Elektronen sind unsichtbar. Damit wir ihre Flugbahn sehen können, ist der Glaskolben mit etwas Neongas gefüllt. Wenn die schnellen Elektronen mit den Gasatomen zusammenstoßen, regen sie diese zum Leuchten an. So entsteht ein sichtbarer, leuchtender Faden (daher der Name „Fadenstrahl“).
Aufbau des Fadenstrahlrohrs
Aufbau des Fadenstrahlrohrs

Merksatz: Elektronen (Ladung ee, Masse mm), die durch eine Spannung UU beschleunigt werden und senkrecht zu den Magnetfeldlinien in ein Magnetfeld der Flussdichte BB eintreten, bewegen sich auf Kreisbahnen mit dem Radius rr.

Aufgabentyp 3: Durchführung des Fadenstrahlrohr-Versuchs

Schauen wir uns an, wie der Versuch zur Bestimmung der spezifischen Ladung eines Elektrons in der Praxis abläuft.

Zweck: Bestimmung der spezifischen Ladung des Elektrons durch Messung von Spannung, Magnetfeld und Bahnradius.

Materialien: Fadenstrahlrohr (mit Neongas gefüllt), Helmholtz-Spulenpaar, Netzgerät für die Beschleunigungsspannung, Netzgerät für den Spulenstrom, Multimeter, abgedunkelter Raum.

⚠️ Sicherheitshinweis: Die Netzgeräte arbeiten mit hohen Spannungen. Anschlüsse nur im ausgeschalteten Zustand verändern. Die Glaskugel steht unter Vakuum und kann bei Beschädigung implodieren.

Durchführung:

  1. Schalte die Heizspannung der Elektronenkanone ein, damit Elektronen freigesetzt werden.
  2. Stelle am Netzgerät eine feste Beschleunigungsspannung (z.B. U=200 VU = 200 \text{ V}) ein.
  3. Schalte den Strom für die Helmholtz-Spulen ein und erhöhe ihn langsam.
  4. Miss den Spulenstrom mit dem Multimeter (daraus lässt sich später das Magnetfeld BB berechnen).
  5. Lies an der integrierten Skala im Glaskolben den Durchmesser der Kreisbahn ab und halbiere ihn, um den Radius rr zu erhalten.

Beobachtung: Sobald die Beschleunigungsspannung anliegt, sieht man einen geraden, leuchtenden Strahl. Sobald der Spulenstrom eingeschaltet wird, krümmt sich der Strahl. Je stärker der Spulenstrom (und damit das Magnetfeld) wird, desto enger wird der Kreis.

Leuchtender Elektronenstrahl im Fadenstrahlrohr
Leuchtender Elektronenstrahl im Fadenstrahlrohr

Erklärung: Die Beschleunigungsspannung sorgt für die Geschwindigkeit der Elektronen. Das Magnetfeld der Spulen übt die Lorentzkraft aus, die als Zentripetalkraft wirkt und die Elektronen auf die messbare Kreisbahn zwingt.

Aufgabentyp 4: Berechnung der spezifischen Ladung

Wenn du die Messwerte aus dem Experiment hast, kannst du die spezifische Ladung berechnen. So gehst du dabei vor:

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Gegebene Werte identifizieren: Suche im Text nach der Beschleunigungsspannung (UU), der magnetischen Flussdichte (BB) und dem Radius (rr).
  2. Einheiten in SI-Einheiten umwandeln: Wandle den Radius von Zentimeter (cm\text{cm}) in Meter (m\text{m}) um (teile durch 100100). Wandle das Magnetfeld von Millitesla (mT\text{mT}) in Tesla (T\text{T}) um (teile durch 10001000).
  3. Werte quadrieren: Berechne B2B^{2} und r2r^{2} separat, bevor du sie in die große Formel einsetzt. Das verhindert Tippfehler im Taschenrechner.
  4. In die Formel einsetzen: Nutze die hergeleitete Formel: em=2UB2r2\frac{e}{m} = \frac{2 \cdot U}{B^{2} \cdot r^{2}}. Setze die Werte ein und berechne das Ergebnis.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einem Fadenstrahlrohr-Experiment wird eine Beschleunigungsspannung von 200 V200 \text{ V} eingestellt. Das Magnetfeld der Helmholtz-Spulen beträgt 1.5 mT1.5 \text{ mT}. Der gemessene Radius der Elektronenkreisbahn beträgt 3.2 cm3.2 \text{ cm}. Berechne aus diesen Messdaten die spezifische Ladung des Elektrons.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte identifizieren

    Spannung (UU) = 200 V200 \text{ V} Magnetfeld (BB) = 1.5 mT1.5 \text{ mT} Radius (rr) = 3.2 cm3.2 \text{ cm}

  2. Schritt 2
    Einheiten in SI-Einheiten umwandeln

    B=1.5 mT=0.0015 TB = 1.5 \text{ mT} = 0.0015 \text{ T} r=3.2 cm=0.032 mr = 3.2 \text{ cm} = 0.032 \text{ m}

  3. Schritt 3
    Werte quadrieren

    B2=(0.0015 T)2=0.00000225 T2=2.25106 T2B^{2} = (0.0015 \text{ T})^{2} = 0.00000225 \text{ T}^{2} = 2.25 \cdot 10^{-6} \text{ T}^{2} r2=(0.032 m)2=0.001024 m2r^{2} = (0.032 \text{ m})^{2} = 0.001024 \text{ m}^{2}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    In die Formel einsetzen

    em=2UB2r2\frac{e}{m} = \frac{2 \cdot U}{B^{2} \cdot r^{2}}

    em=2200 V2.25106 T20.001024 m2\frac{e}{m} = \frac{2 \cdot 200 \text{ V}}{2.25 \cdot 10^{-6} \text{ T}^{2} \cdot 0.001024 \text{ m}^{2}}

    em=400 V2.304109 T2m2\frac{e}{m} = \frac{400 \text{ V}}{2.304 \cdot 10^{-9} \text{ T}^{2}\text{m}^{2}}

    em1.7361011 C/kg\frac{e}{m} \approx 1.736 \cdot 10^{11} \text{ C/kg}

Ergebnis:

Das berechnete Ergebnis von 1.7361011 C/kg1.736 \cdot 10^{11} \text{ C/kg} liegt sehr nah am theoretischen Standardwert von 1.761011 C/kg1.76 \cdot 10^{11} \text{ C/kg}. Kleine Abweichungen sind bei echten Experimenten durch Messungenauigkeiten (z.B. beim Ablesen des Radius) völlig normal.

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Quizfrage 1 zu Bestimmung der spezifischen Ladung eines Elektrons

Welche beiden Kräfte werden gleichgesetzt, um die Formel für die spezifische Ladung herzuleiten?

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Welchen Zweck erfüllt das Neongas im Glaskolben des Fadenstrahlrohrs?

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Wichtige Erkenntnisse

  • Die spezifische Ladung ist das Verhältnis von Ladung zu Masse (em\frac{e}{m}).
  • Die Formel lautet: em=2UB2r2\frac{e}{m} = \frac{2 \cdot U}{B^{2} \cdot r^{2}}. Sie entsteht durch das Gleichsetzen von Lorentzkraft und Zentripetalkraft.
  • Das Fadenstrahlrohr macht die Kreisbahn von Elektronen durch leuchtendes Neongas sichtbar.
  • Die Helmholtz-Spulen erzeugen das benötigte homogene Magnetfeld.
  • Der Näherungswert für die spezifische Ladung des Elektrons beträgt 1,761011 C/kg\approx 1,76 \cdot 10^{11} \text{ C/kg}.

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Häufige Fragen

Was ist die spezifische Ladung eines Elektrons?

Die spezifische Ladung eines Elektrons ist das Verhältnis seiner elektrischen Ladung e zu seiner Masse m. Da Elektronen so leicht sind, dass man sie nicht direkt wiegen kann, berechnen Physiker dieses Verhältnis, um auf die Masse schließen zu können. Der Wert liegt bei etwa 1,76 · 10¹¹ C/kg.

Wie funktioniert das Fadenstrahlrohr-Experiment?

Im Fadenstrahlrohr werden Elektronen durch eine Spannung beschleunigt und fliegen in ein Magnetfeld, das von Helmholtz-Spulen erzeugt wird. Die Lorentzkraft zwingt sie auf eine Kreisbahn. Durch ein Gas im Glaskolben wird diese Bahn als leuchtender Ring sichtbar, dessen Radius man messen kann.

Welche Kräfte wirken bei der Bestimmung der spezifischen Ladung?

Zwei Kräfte sind entscheidend: Die Lorentzkraft lenkt das bewegte Elektron im Magnetfeld ab. Da diese Ablenkung auf eine Kreisbahn führt, wirkt die Lorentzkraft hier exakt als Zentripetalkraft. Setzt man beide Kräfte gleich, lässt sich die Formel für die spezifische Ladung herleiten.

Warum leuchtet der Strahl im Fadenstrahlrohr?

Elektronen selbst sind unsichtbar. Der Glaskolben des Fadenstrahlrohrs ist mit etwas Neongas gefüllt. Wenn die schnellen Elektronen mit den Gasatomen zusammenstoßen, regen sie diese zum Leuchten an. So entsteht der sichtbare, leuchtende Faden, an dem du den Radius ablesen kannst.

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