Der Hall-Effekt einfach erklärt: Formel & Hall-Sonden
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Hast du dich jemals gefragt, woher dein Smartphone weiß, in welche Richtung du schaust, wenn du eine Karten-App benutzt? Im Inneren deines Handys befindet sich kein klassischer Kompass mit einer schwimmenden Nadel. Stattdessen nutzt es winzige Sensoren, die Magnetfelder elektronisch messen können. Diese Sensoren basieren auf einem faszinierenden physikalischen Phänomen: dem Hall-Effekt. In diesem Artikel lernst du, wie bewegte Elektronen in einem Magnetfeld eine messbare Spannung erzeugen und wie wir dieses Prinzip nutzen können, um Magnetfelder extrem präzise zu messen!

Vorwissen
- Lorentzkraft (): Die Kraft, die ein Magnetfeld auf bewegte Ladungen ausübt. Formel: Beispiel: Ein Elektron, das mit der Geschwindigkeit durch ein Magnetfeld fliegt, wird abgelenkt.
- Elektrische Kraft (): Die Kraft, die ein elektrisches Feld auf Ladungen ausübt. Formel: Beispiel: In einem Kondensator wird ein Elektron vom Minuspol weggedrückt und vom Pluspol angezogen.
- Elektrisches Feld und Spannung: In einem homogenen Feld hängen die elektrische Feldstärke , die Spannung und der Abstand zusammen. Formel: (oder umgestellt ) Beispiel: Liegt an zwei Platten im Abstand von eine Spannung von an, beträgt die Feldstärke .
Aufgabentyp 1: Grundlagen des Hall-Effekts und der Hall-Spannung
Um den Hall-Effekt zu verstehen, betrachten wir zunächst die physikalischen Grundlagen im Detail. Stell dir ein flaches, rechteckiges Leiterplättchen vor (mit der Höhe und der Dicke ). Wenn wir eine Stromquelle anschließen, fließen Elektronen mit einer bestimmten Geschwindigkeit durch dieses Plättchen.
Bringen wir dieses Plättchen nun in ein Magnetfeld , das senkrecht zur Fließrichtung steht, passiert etwas Spannendes: Die Lorentzkraft lenkt die bewegten Elektronen ab. Sie werden an eine Kante des Plättchens gedrückt.

Dadurch entsteht ein Elektronen-Stau: An der einen Kante herrscht ein Überschuss an negativen Ladungen, an der gegenüberliegenden Kante fehlen sie (dort ist es positiv). Diese Ladungstrennung erzeugt ein elektrisches Feld quer durch das Plättchen. Dieses Feld übt eine elektrische Kraft auf die nachfolgenden Elektronen aus, die genau in die entgegengesetzte Richtung der Lorentzkraft drückt.
Je mehr Elektronen sich stauen, desto stärker wird die elektrische Kraft. Irgendwann ist sie exakt so stark wie die Lorentzkraft. Es herrscht ein Kräftegleichgewicht:
Wir setzen die Formeln ein:
Wir teilen durch die Elementarladung :
Da die Spannung das Produkt aus elektrischem Feld und dem Abstand (hier die Höhe ) ist (), erhalten wir die Grundgleichung der Hall-Spannung:
Die erweiterte Hall-Gleichung
In der Praxis kennen wir die Geschwindigkeit der Elektronen oft nicht. Wir kennen aber die Stromstärke . Wir können die Formel umschreiben, indem wir durch messbare Größen ersetzen. Das erfordert ein paar algebraische Schritte:
- Die Stromstärke ist Ladung pro Zeit:
- Die gesamte Ladung hängt von der Elektronendichte (wie viele Elektronen pro Volumen) und dem Volumen ab:
- Das Volumen des Plättchens, das die Elektronen durchqueren, ist Fläche mal Weg: . Der Weg ist Geschwindigkeit mal Zeit (). Also:
- Setzen wir das Volumen in die Ladung ein:
- Setzen wir nun dieses in die allererste Formel () ein, kürzt sich die Zeit weg:
- Wir stellen diese Gleichung nach der Geschwindigkeit um:
- Jetzt setzen wir dieses in unsere Grundgleichung ein. Die Höhe steht einmal oben und einmal unten im Bruch und kürzt sich weg!
Wir sortieren die Formel etwas um, um sie übersichtlicher zu machen:
Der vordere Teil () hängt nur vom Material des Plättchens ab. Wir fassen ihn zur Hall-Konstanten zusammen. Damit lautet der Merksatz (Hall-Gleichung):
Die Hall-Spannung ist also proportional zur Stromstärke und zum Magnetfeld , aber umgekehrt proportional zur Dicke des Leiters (je dünner das Plättchen, desto höher die Spannung).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Gegebene Werte notieren: Schreibe alle gegebenen Größen mit ihren Einheiten auf (z.B. , , , , , ). Achte darauf, Einheiten wie Milliampere () in Ampere () umzurechnen.
- Die richtige Formel wählen: Entscheide anhand der gegebenen Werte, welche Formel du brauchst. Wenn und gegeben sind, nutze . Wenn , und gegeben sind, nutze .
- Formel umstellen: Falls nicht nach der Hall-Spannung , sondern nach einer anderen Größe gefragt ist, stelle die Formel um.
- Werte einsetzen und ausrechnen: Setze die Zahlen mit Einheiten ein und berechne das Ergebnis.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Silberplättchen hat eine Dicke von . Es wird von einem Strom der Stärke durchflossen und befindet sich in einem Magnetfeld mit der Flussdichte . Die Hall-Konstante von Silber beträgt . Berechne die entstehende Hall-Spannung .
- Schritt 1Gegebene Werte notieren
Gegeben: Gesucht:
- Schritt 2Die richtige Formel wählen
Da , und gegeben sind, nutzen wir die erweiterte Formel:
- Schritt 3Formel umstellen
Die Formel ist bereits nach der gesuchten Größe aufgelöst. Wir müssen nichts umstellen.
- Schritt 4 · ErgebnisWerte einsetzen und ausrechnen
Wir berechnen zuerst den Bruch: Nun multiplizieren wir alles:
Die entstehende Hall-Spannung beträgt (oder ). Das Ergebnis ergibt physikalisch Sinn, da Hall-Spannungen in normalen Metallen wie Silber extrem klein sind.
Quiz zu Der Hall: Teste dein Wissen
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Quizfrage 1 zu Der Hall
Wie lautet die Formel für die Lorentzkraft auf ein Elektron, das sich durch ein Magnetfeld bewegt?
Quizfrage 2 zu Der Hall
Nur mit AccountWelches Kräftegleichgewicht herrscht, wenn der Elektronen-Stau beim Hall-Effekt sein Maximum erreicht hat?
Übungsaufgabe zu Der Hall
Nur mit AccountAufgabentyp 2: Bedienung von Hallsonden zur B-Feld-Messung
Da die Hall-Spannung direkt proportional zur magnetischen Flussdichte ist (), können wir den Hall-Effekt nutzen, um unbekannte Magnetfelder zu messen. Geräte, die dafür gebaut sind, nennt man Hallsonden.
Damit eine Hall-Sonde eine gut messbare Spannung liefert, wird das Sensorplättchen aus speziellen Halbleitermaterialien gefertigt, die eine sehr große Hall-Konstante besitzen.
Bei der Bedienung einer Hall-Sonde musst du drei wichtige Dinge beachten:
1. Die senkrechte Ausrichtung Die Lorentzkraft wirkt nur maximal, wenn das Magnetfeld senkrecht zur Bewegungsrichtung der Elektronen steht. Daher misst eine Hall-Sonde immer nur den Teil (die Komponente) des Magnetfeldes, der exakt senkrecht auf das Sensorplättchen trifft. Hältst du die Sonde schief, misst du einen zu kleinen Wert.

2. Die Offset-Spannung abziehen Oft zeigt das Messgerät der Hall-Sonde schon eine kleine Spannung an, obwohl du sie noch gar nicht in das zu messende Magnetfeld gehalten hast. Das liegt an winzigen Störfeldern in der Umgebung (z.B. durch andere elektronische Geräte) oder an leichten Ungenauigkeiten im Material. Diese Spannung nennt man Offset-Spannung. Das ist wie bei einer Küchenwaage, auf der schon eine leere Schüssel steht. Bevor du das Mehl wiegst, musst du die „Tara“-Taste drücken, um die Waage auf Null zu setzen. Bei der Hall-Sonde musst du die Offset-Spannung von deinem späteren Messwert abziehen, um den echten Wert zu erhalten.
3. Die Kalibrierung Die Sonde misst zunächst nur eine Spannung in Volt. Um zu wissen, wie viel Tesla diese Spannung bedeutet, muss die Sonde kalibriert werden. Dafür hält man sie in ein Magnetfeld, dessen Stärke man bereits genau kennt. So kann man berechnen, wie viel Millivolt Spannung genau einem Millitesla Magnetfeld entsprechen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Offset-Spannung ermitteln: Lies die Spannung ab, bevor du die Sonde in das Magnetfeld hältst.
- Sonde kalibrieren: Halte die Sonde in ein bekanntes Magnetfeld, ziehe die Offset-Spannung ab und berechne den Kalibrierungsfaktor (Spannung pro Tesla).
- Senkrecht ausrichten: Achte darauf, dass die Sonde exakt senkrecht zu den Magnetfeldlinien des unbekannten Feldes steht.
- Messen und korrigieren: Lies den neuen Wert ab, ziehe die Offset-Spannung ab und berechne mit dem Kalibrierungsfaktor die Stärke des Magnetfeldes.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Eine Hall-Sonde zeigt fernab von starken Magnetfeldern eine Offset-Spannung von an. Zur Kalibrierung wird sie in ein bekanntes Magnetfeld von gehalten. Das Messgerät zeigt nun insgesamt an. Danach wird die Sonde in ein unbekanntes Magnetfeld gehalten. Das Messgerät zeigt nun an. Berechne die magnetische Flussdichte des unbekannten Feldes.
- Schritt 1Kalibrierung auswerten
Zuerst müssen wir herausfinden, welche Spannung allein durch das bekannte Magnetfeld erzeugt wurde. Dafür ziehen wir die Offset-Spannung vom Messwert ab: Das bedeutet: Ein Magnetfeld von erzeugt bei dieser Sonde exakt Hall-Spannung. Wir berechnen den Kalibrierungsfaktor (Wie viel Millivolt pro Millitesla?):
- Schritt 2Unbekannte Messung korrigieren
Nun werten wir die Messung im unbekannten Feld aus. Auch hier müssen wir zuerst die Offset-Spannung abziehen: Das unbekannte Magnetfeld erzeugt also eine echte Hall-Spannung von .
- Schritt 3 · ErgebnisUnbekanntes Magnetfeld berechnen
Da wir wissen, dass genau entsprechen, teilen wir die gemessene Spannung durch unseren Faktor:
Die magnetische Flussdichte des unbekannten Magnetfeldes beträgt .
Wichtige Erkenntnisse
- Der Hall-Effekt entsteht, weil die Lorentzkraft bewegte Ladungen in einem Magnetfeld ablenkt und so eine Ladungstrennung verursacht.
- Im Gleichgewichtszustand ist die elektrische Kraft exakt so groß wie die Lorentzkraft: .
- Hall-Gleichung: . Die Spannung ist umso größer, je dünner () das Plättchen ist.
- Hallsonden messen nur den Teil des Magnetfeldes, der senkrecht auf das Sensorplättchen trifft.
- Vor jeder Messung muss eine eventuelle Offset-Spannung vom Messwert abgezogen werden.
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Häufige Fragen
Was ist der Hall-Effekt?
Der Hall-Effekt beschreibt das Phänomen, dass in einem stromdurchflossenen Leiter, der sich in einem Magnetfeld befindet, eine elektrische Spannung quer zur Stromrichtung entsteht. Diese sogenannte Hall-Spannung entsteht durch die Lorentzkraft, welche die bewegten Elektronen an eine Seite des Leiters drückt und so eine messbare Ladungstrennung verursacht. Dieser Effekt ist die Grundlage für viele moderne Sensoren.
Wie berechnet man die Hall-Spannung?
Die Hall-Spannung berechnest du mit der Formel U_H = R_H · I · (B / d). Dabei ist R_H die materialabhängige Hall-Konstante, I die Stromstärke, B die magnetische Flussdichte und d die Dicke des Leiterplättchens. Je dünner das Plättchen und je stärker das Magnetfeld, desto höher ist die gemessene Spannung. Deshalb verwendet man in der Praxis oft extrem dünne Halbleiterplättchen.
Was ist eine Hall-Sonde und wie funktioniert sie?
Eine Hall-Sonde ist ein hochpräzises Messgerät, das den Hall-Effekt nutzt, um die Stärke und Richtung von Magnetfeldern zu bestimmen. Sie enthält ein winziges Sensorplättchen aus Halbleitermaterial mit einer besonders hohen Hall-Konstante. Da die im Plättchen entstehende Hall-Spannung direkt proportional zum anliegenden Magnetfeld ist, kann das Gerät aus der gemessenen Spannung sofort den genauen Wert in Tesla berechnen und auf dem Display anzeigen.
Warum muss man bei einer Hall-Sonde die Offset-Spannung abziehen?
Die Offset-Spannung ist eine kleine elektrische Spannung, die das Messgerät bereits anzeigt, obwohl die Sonde noch gar nicht in das zu messende Magnetfeld gehalten wurde. Sie entsteht durch winzige magnetische Störfelder in der Umgebung oder durch leichte Ungenauigkeiten im Material des Sensors. Um den echten, exakten Wert des Magnetfeldes zu erhalten, musst du diese Offset-Spannung vor der eigentlichen Messung abziehen – ganz ähnlich wie bei der „Tara“-Taste einer Küchenwaage.
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