Überlagerung von Magnetfeldern und Helmholtz-Spulen erklärt
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Wenn du einen Kompass in der Hand hältst, richtet sich die Nadel wie von Geisterhand nach Norden aus. Das liegt am Magnetfeld der Erde, das uns wie ein unsichtbares Schutzschild umgibt.

Aber hast du dich jemals gefragt, wie stark dieses Feld eigentlich ist? Die Antwort lautet: Es ist unglaublich schwach! Es ist so schwach, dass normale Messgeräte es kaum erfassen können. In dieser Lektion zum Thema Überlagerung von Magnetfeldern und Helmholtz-Spulen lernen wir einen genialen Trick kennen: Wir bauen uns mit speziellen Spulen einfach unser eigenes Magnetfeld, überlagern es mit dem der Erde und können so die Stärke des Erdmagnetfelds ganz exakt berechnen!
Vorwissen
- Magnetfeld einer Spule: Fließt Strom durch eine Spule, entsteht in ihrem Inneren ein Magnetfeld. Je mehr Strom fließt, desto stärker ist das Feld. Beispiel: Erhöhst du den Strom in einem Elektromagneten, kann er schwerere Schrottteile anheben.
- Vektoraddition: Magnetfelder haben eine Stärke und eine Richtung. Man kann sie sich wie Pfeile vorstellen. Treffen zwei Felder aufeinander, addieren sich ihre Pfeile zu einem neuen Gesamtpfeil. Beispiel: Ziehen zwei Personen mit gleicher Kraft im 90-Grad-Winkel an einem Objekt, bewegt es sich genau diagonal dazwischen.
- Hall-Sonde: Ein Messgerät, mit dem man die Stärke von Magnetfeldern (die magnetische Flussdichte ) messen kann.
Aufgabentyp 1: Erdmagnetfeld messen mit Helmholtz-Spulen
Wenn sich Magnetfelder aus verschiedenen Quellen am selben Ort treffen, stören sie sich nicht, sondern sie überlagern sich additiv. Das bedeutet, ihre Stärken und Richtungen verschmelzen zu einem einzigen Gesamtmagnetfeld. Dieses Prinzip nutzen Physiker, um Magnetfelder gezielt zu formen.
Die Helmholtz-Anordnung
Oft benötigt man für Experimente ein Magnetfeld, das überall exakt gleich stark ist und in die gleiche Richtung zeigt. Ein solches Feld nennt man homogen. Eine einzelne Spule schafft das nicht perfekt. Die Lösung ist ein Helmholtz-Spulenpaar:
- Man stellt zwei identische, kurze Spulen parallel zueinander auf.
- Der Abstand zwischen den Spulen muss exakt so groß sein wie ihr Radius ().
- Der Strom fließt durch beide Spulen in die gleiche Richtung.

Durch diese spezielle Geometrie addieren sich die Felder der beiden Spulen so perfekt, dass im Raum zwischen ihnen ein wunderbar glattes, homogenes Magnetfeld entsteht.
Die Anti-Helmholtz-Anordnung
Was passiert, wenn wir den Strom in einer der Spulen umdrehen? Nun fließt der Strom in entgegengesetzte Richtungen.

Die beiden Magnetfelder arbeiten jetzt gegeneinander. Genau in der Mitte zwischen den Spulen heben sie sich vollständig auf. Dort ist die magnetische Flussdichte . In der direkten Umgebung dieses Nullpunkts wächst das Magnetfeld gleichmäßig (linear) an. Dies nennt man einen linearen Feldgradienten.
Messung des Erdmagnetfelds
Die Horizontalkomponente des Erdmagnetfelds (der Teil, der parallel zum Boden verläuft) beträgt in Deutschland nur etwa . Um diesen winzigen Wert zu messen, nutzen wir ein Helmholtz-Spulenpaar und einen frei drehbaren Kompass.
Der 45-Grad-Trick
Wir stellen die Helmholtz-Spulen so auf, dass ihre Achse exakt in Ost-West-Richtung zeigt. Den Kompass stellen wir genau in die Mitte.
- Ohne Strom: Die Erde zieht die Kompassnadel mit ihrem Feld nach Norden.
- Mit Strom: Schalten wir die Spulen ein, erzeugen sie ein Feld , das nach Osten zieht.
Die Kompassnadel richtet sich nun nach dem überlagerten Gesamtfeld aus. Sie dreht sich schräg. Jetzt kommt der Trick: Wir drehen den Strom der Spule genau so lange auf, bis die Nadel exakt um abgelenkt ist.

Warum ? Wenn du auf einem Feld stehst und jemand zieht dich nach Norden und jemand anderes zieht dich nach Osten, bewegst du dich nur dann exakt diagonal (), wenn beide exakt gleich stark ziehen! Mathematisch ausgedrückt: . Daraus folgt:
Das Erdmagnetfeld ist also genau so stark wie unser Spulenfeld in diesem Moment.
Der Proportionalitäts-Trick
Jetzt haben wir ein neues Problem: Das Spulenfeld ist in diesem Moment genauso schwach wie das Erdmagnetfeld. Unsere Hall-Sonde ist nicht sensibel genug, um es direkt zu messen.
Wir behelfen uns mit der Proportionalität (Je mehr Strom, desto stärker das Feld):
- Wir notieren uns den kleinen Strom , bei dem die Nadel auf stand.
- Wir drehen den Strom stark auf einen hohen Messstrom auf.
- Jetzt ist das Feld stark genug! Wir messen dieses starke Feld bequem mit der Hall-Sonde.
- Da wir wissen, um welchen Faktor wir den Strom erhöht haben, können wir das schwache Feld einfach zurückrechnen: .
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Werte aus dem Experiment sammeln: Notiere den Strom (für die -Ablenkung) sowie die Werte der starken Referenzmessung: den hohen Strom und das gemessene starke Feld .
- Das schwache Spulenfeld berechnen: Nutze die Proportionalitätsformel, um das schwache Spulenfeld zu finden:
- Mit dem Erdmagnetfeld gleichsetzen: Da die Nadel um abgelenkt war, gilt die Regel: Das Erdmagnetfeld ist exakt so groß wie das berechnete Spulenfeld.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
In einem Experiment mit Helmholtz-Spulen wird die Kompassnadel bei einer Stromstärke von exakt um aus der Nord-Süd-Richtung abgelenkt. Da dieses Feld zu schwach für die Hall-Sonde ist, wird der Strom auf erhöht. Bei diesem hohen Strom misst die Hall-Sonde eine magnetische Flussdichte von . Berechne die Horizontalkomponente des Erdmagnetfelds .
- Schritt 1Werte aus dem Experiment sammeln
Strom bei : Hoher Messstrom: Gemessenes starkes Feld:
- Schritt 2Das schwache Spulenfeld berechnen
Wir setzen die Werte in die Proportionalitätsformel ein: Die Einheit Ampere () kürzt sich weg. geteilt durch ergibt :
- Schritt 3 · ErgebnisMit dem Erdmagnetfeld gleichsetzen
Wegen der -Ablenkung wissen wir, dass beide Felder gleich stark sind:
Die Horizontalkomponente des Erdmagnetfelds beträgt . (Reality Check: Der Wert entspricht genau dem typischen Literaturwert für das Erdmagnetfeld in Deutschland. Das Ergebnis ist also physikalisch absolut sinnvoll.)
Wichtige Erkenntnisse
- Überlagerung: Magnetfelder addieren sich wie Vektorpfeile.
- Helmholtz-Spulen: Zwei Spulen im Abstand mit gleicher Stromrichtung erzeugen in der Mitte ein homogenes (gleichmäßiges) Magnetfeld.
- Anti-Helmholtz-Spulen: Bei entgegengesetzter Stromrichtung heben sich die Felder in der Mitte exakt auf ().
- Erdmagnetfeld-Messung: Bei einer Kompass-Ablenkung von exakt ist das Spulenfeld genauso stark wie das Erdmagnetfeld ().
- Proportionalität: Da das Feld bei zu schwach zum Messen ist, misst man bei hohem Strom und rechnet das Feld über das Verhältnis der Ströme zurück.
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Häufige Fragen
Was sind Helmholtz-Spulen?
Ein Helmholtz-Spulenpaar besteht aus zwei identischen, kurzen Spulen, die parallel zueinander stehen. Ihr Abstand entspricht genau ihrem Radius. Wenn der Strom in beiden Spulen in die gleiche Richtung fließt, erzeugen sie in der Mitte ein nahezu perfekt homogenes Magnetfeld, das überall gleich stark ist und in dieselbe Richtung zeigt.
Wie funktioniert die Überlagerung von Magnetfeldern?
Wenn Magnetfelder aus verschiedenen Quellen am selben Ort aufeinandertreffen, stören sie sich nicht, sondern überlagern sich additiv. Man kann sich die Magnetfelder wie Vektorpfeile vorstellen: Ihre Stärken und Richtungen verschmelzen durch Vektoraddition zu einem neuen Gesamtmagnetfeld.
Warum nutzt man den 45-Grad-Trick zur Messung des Erdmagnetfelds?
Die Horizontalkomponente des Erdmagnetfelds ist extrem schwach. Beim 45-Grad-Trick richtet man ein künstliches Spulenfeld exakt im 90-Grad-Winkel (nach Osten) zum Erdmagnetfeld (nach Norden) aus. Wenn die Kompassnadel genau um 45 Grad abgelenkt wird, weiß man, dass beide Magnetfelder exakt gleich stark sind.
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